“Early Intervention” startet jetzt auch in Münster

Das Thema Flüchtlinge wird zurzeit stark diskutiert. Was oft dabei untergeht sind die Fakten. Von den nach Deutschland kommenden Flüchtlingen werden ca. 30 Prozent anerkannt. Sie bekommen eine Aufenthaltserlaubnis und können hier in Deutschland bleiben. 30 Prozent erscheint auf den ersten Blick nicht viel, doch birgt diese Zahl eine Chance für den deutschen Arbeitsmarkt. Schon seit Jahren beklagen sich die Kammern (IHK und HWK), dass aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland die Fachkräfte ausgehen.
Genau hier setzt das Programm “Early Intervention” der Arbeitsagentur an. Die Frage war, wie kann man diese Gruppe dem Arbeitsmarkt zuführen.
Heraus kam ein Pilotprogramm, das letztes Jahr startete und 2015 um sechs Städte erweitert wurde. Dazu gehört nun auch Münster. Ziel des Projektes ist es, dass Flüchtlinge frühzeitig bei der Integration in Ausbildung bzw. Arbeit unterstützt werden sollen. Dem kommt entgegen, dass viele Flüchtlinge, so z. B. aus Syrien, gut ausgebildet sind.
Die Arbeitsagentur setzt dabei auf “Schnelligkeit”. Unterstützt von der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer wartet die Agentur für Arbeit nicht erst ab, bis der Status der Flüchtlinge entschieden worden ist, sondern bereitet während der Verfahrensdauer schon alles vor, damit der Flüchtling nach Abschluss des Statusverfahrens ins Arbeitsleben integriert werden können. Das fängt beim “heraussuchen” der Fachkräfte an, geht über die Vermittlung eines Sprachkurses und die Anerkennung der Zeugnisse und endet erst bei der Aufnahme einer Arbeit.
Die nächste Frage war, was haben die Betriebe davon. Natürlich einen qualifizierten Arbeitnehmer. Deutschland ist jetzt schon in der Situation, dass die Fachkräfte die benötigt werden, nicht mehr ausbilden kann, es gibt einfach zu wenige Geburten. “Wir brauchen Zuwanderung”, so Hermann Eiling von der Handwerkskammer Münster, “nur mit “deutschen” Fachkräften können wir heute schon nicht mehr alle offenen Stellen besetzen.” Außerdem sollte man bedenken, sollte dann eine Fachkraft wieder in seine Heimat abwandern, würde man jemanden haben, der dem deutschen Markt positiv zugetan sei.