Die Ausnahme und die Regel

Ein Mensch liegt erschossen am Boden, der Mörder hat die Waffe noch auf ihn gerichtet. Dann wird es dunkel im Saal des Bennohauses …
Eine bedrückende Atmosphäre der Hilflosigkeit schuf das Ensemble “Theater in der Kreide” am vergangenen Samstag bei ihrer Aufführung des Brecht’schen Theaterstücks “Die Ausnahme und die Regel”. In dem von Reinhard Stähling neu inszenierten Stück unternimmt ein Kaufmann mit zwei Angestellten eine Reise durch die Wüste in eine weit entfernte Stadt, um dort einen Handel abschließen zu können. Den einen der beiden, der die Reise führen sollte, entlässt der paranoide Händler nach kurzer Zeit. Den anderen behandelt er herablassend und grausam. Als die beiden nach beschwerlicher Reise ihre Wasservorräte aufgebraucht haben, beschließt der Diener, mit seinem Herrn seine bislang geheim gehaltene Wasserflasche zu teilen.
Dieser fürchtet jedoch, sein Untergebener wollte ihn aus Rache für die schlechte Behandlung damit erschlagen, und erschießt ihn; aus Notwehr, wie später vor Gericht entschieden wird – denn wie sollte der Kaufmann davon ausgehen, dass sein von ihm schlecht behandelter Diener aus purer Menschlichkeit sein Wasser mit ihm hätte teilen wollen? Am Ende appelliert die Frau des Opfers ans Publikum: “Was die Regel ist, das erkennt als Missbrauch – und wo ihr den Missbrauch erkannt habt, da schafft Abhilfe!”
Das Theaterstück wurde von der Musik des Jazz-Saxophonisten Thomas König und des Multiinstrumentalisten Thomas Schnellen, der unter anderem Kontrabass, Theremin und Handtrommel spielte, unterstützt. “Mir haben die Musikeinlagen während der Szenenwechsel sehr gut gefallen. Den Gebrauch der verschiedenen und teilweise unüblichen Instrumente fand ich sehr ansprechend”, resümierte eine junge Besucherin. Bildhauer Bodo Treichler und sein A(r)telier stellten darüber hinaus einige Kunstwerke zur Schau.