Kirchenasyl ermöglicht erneute Auslotung des Einzelfalls

Das Bistum Münster sieht in der Gewährung eines Kirchenasyls die Möglichkeit, Härtefälle noch einmal zu überprüfen. “Die Bischofskonferenz hält daran fest, dass sich das Kirchenasyl nicht gegen die rechtsstaatliche Ordnung richtet. Wenn Pfarreien Asylbewerber und Flüchtlinge aufnehmen, so geschieht dies deshalb, damit im Einzelfall rechtliche Ermessungsspielräume noch einmal ausgelotet werden”, sagte Bischof Felix Genn auf der Sitzung des Diözesanrats. Das oberste synodale Beratungsgremium im Bistum Münster tagte am Freitag, 27.02.2015, im Franz Hitze Haus in Münster.
Das Kirchenasyl sei kein Sonderrecht der Kirche, verdeutlichte Bischof Genn. Es gehe in einer weiteren Prüfung mit den staatlichen Behörden darum, humanitäre Härten oder der Gefahr von Menschenrechtsverletzungen nach einer Abschiebung vorzubeugen. Genn zeigte sich überzeugt davon, dass die jüngsten Meinungsverschiedenheiten mit dem Bundesinnenministerium hinsichtlich der Legitimität des Kirchenasyls ausgeräumt seien. Ohnehin spreche man nur von Einzelfällen, in denen das Kirchenasyl praktiziert werde. Wie der Diözesanrat feststellte, gibt es derzeit im Bistum Münster kein Verfahren eines Kirchenasyls.
Bischof Genn plädierte vor dem Hintergrund der Einwanderungs-Diskussion dafür, einen sachlichen Dialog mit den islamischen Gemeinden zu führen. “Wir brauchen diesen Dialog für ein friedliches Zusammenleben. Erwarten darf man aber von den muslimischen Gelehrten ein deutliches Bekenntnis gegen Gewalt und Terror.” Der Bischof bekräftigte dabei seine kritische Einstellung gegenüber der “Pegida-Bewegung”: “Stammtischparolen gegenüber Flüchtlingen helfen nicht weiter. Pauschalurteile dienen nicht dazu, den Zusammenhalt der Gesellschaft zu stärken.”
Intensiv berieten die Mitglieder des Diözesanrats über das Thema der Bischofssynode in Rom im Oktober 2015. Sie steht unter dem Leitwort “Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute”. Die Diözesen sind aufgerufen, sich mit eigenen Stellungnahmen am Prozess der Meinungsfindung zu beteiligen. “Papst Franziskus beteiligt alle Diözesen in Form einer Umfrage. Wir sollten die Chance nutzen, unsere Sichtweisen zu benennen”, sagte Pater Manfred Kollig, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster, über das Verfahren. Bis zum 15.04.2015 sollen die Antworten zu einem Fragenbogen nach Rom übermittelt werden. Zu den strittigen Themen, die im Vatikan behandelt werden, gehören die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten und die Bewertung der Homosexualität.
Einer Personalie folgte der Diözesanrat einstimmig: Elisabeth Löckener aus Bocholt wird den Vorstand des Diözesankomitees der Katholiken als Diözesanratsmitglied ergänzen. Zu Beginn der Sitzung dankte Bischof Felix Genn dem Moderator des Diözesanrats, Hugo Uebbing, für seine mittlerweile 25-jährige ehrenamtliche Tätigkeit in verschiedenen diözesanen Gremien. Seit zehn Jahren leitet Uebbing die Sitzungen des Diözesanrats und bereitet diese maßgeblich vor.