Traditionelles Geklapper macht neugierig

Mitten in der Innenstadt von Greven, tummelten sich mit lautem DSC07424Holzschuhgeklapper eine lustige Meute mit seltsamer Kleidung und leckeren Dingen, die sie durch die staunenden Passanten trugen. Aber was bezweckte der lautstarke Gang jener Gruppe im Herzen von Greven?

Die Antwort ist einfach, erklärt die Gruppe uns gegenüber, “ Es handelt sich hier um eine schöne alte Tradition im Münsterland. Sie heißt ´Weggen (Kroamstuten) wegbringen´. Früher wurde anlässlich der Geburt eines Kindes für die Mutter zur Stärkung und für die gesamte Familie als Nahrung, der Weggen gebacken.“

Von den Nachbarn und Freunden der Familie wurde, festlich gekleidet, schwarze Hose oder Anzug, weißes Hemd oder Bluse, Sonntagsschuhe oder Holzschuhe, Zylinder oder Filzhut der Weggen in einem Umzug durch das Dorf zu den Eltern gebracht. War das Kind ein Junge, wurde ein blaues Halstuch, und bei einem Mädchen ein rotes Halstuch getragen.

Auf den Weggen schrieb man mit Zuckerguss den Namen und das Geburtsdatum des Kindes.

DSC07428Das lange fünf bis sieben kg schwere Rosinenbrot, mit dem Namen ´Weggen, Kroamstuten, Kilmerstuten oder Kilberstuten´ wird oft als ´Zopf´ gebacken. Das Hefeteigbrot besteht aus Weizenmehl, Wasser, Milch, Zucker, Hefe, Salz und natürlich Rosinen. In einigen westfälischen Regionen wird der Hefeteig nur zur Hälfte mit Rosinen zubereitet und nach dem Backen mit einem Zuckerguss überzogen. Die andere Hälfte wird dann ohne Rosinen gebacken und auch nicht mit süßem Zuckerguss überzogen. Manchmal sind es dann auch zwei Brote.

Diese schöne alte Tradition wird im Münsterland manchmal noch durch gute Freunde aufrecht erhalten. Oft gibt es dieses „Schauspiel“ nicht mehr zu sehen, dafür lohnt sich das hingucken dann doppelt. – So wie eben am vergangenen Freitag den 21.08.2015 in Greven. Als die lieben Kollegen von Dirk Klinke für ihn und seine Frau Eva einen Weggen gebacken und nach alter Tradition so zu der Geburt ihres Sohnes Erik gratuliert haben.