Erneuter Rückgang der Ausbildungsbewerber

Noch ist die Situation ausgeglichen: Jedem Bewerber im Bezirk der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster stand im Ausbildungsjahr 2014 / 2015 rechnerisch eine Ausbildungsstelle zur Verfügung. Damit fällt die Bilanz am Ausbildungsmarkt grundsätzlich positiv aus. Die Zahl der jungen Menschen, die eine Ausbildung absolvieren möchten, ging allerdings erneut zurück.

3.764 Jugendliche und junge Erwachsene meldeten sich bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster als Bewerber um eine Ausbildungsstelle. Das sind 109 oder 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit sank die Zahl der Bewerber zum dritten Mal in Folge. Zugleich verzeichnete die Agentur für Arbeit für das Ausbildungsjahr 2014 / 2015 auch einen Rückgang der gemeldeten Ausbildungsstellen. 3.881 Ausbildungsplätze meldeten Betriebe und Verwaltungen, das sind 76 oder 1,9 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Jedem Bewerber standen damit 1,03 Ausbildungsstellen zur Verfügung.

Der Ausbildungsmarkt in Münster

2.216 offene Ausbildungsstellen meldeten die Unternehmen und Verwaltungen in Münster seit Oktober 2014, das waren 20 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. „Damit setzt sich die hohe Ausbildungsbereitschaft der Betriebe weiter fort“, sagt Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. Passende Bewerber aus dem Stadtgebiet zu finden, sei aber für Personalverantwortliche nicht immer leicht, stellt Fahnemann zugleich fest. Denn die Zahl der Bewerber ging erneut zurück. 1.555 junge Menschen haben sich für das aktuelle Ausbildungsjahr als Bewerber bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur in Münster gemeldet, 110 weniger als noch vor einem Jahr. „Die demografische Entwicklung ist bereits deutlich spürbar“, erläutert der Agenturchef. „Die Zahl der Schulabgänger sinkt. Und damit geht auch die Zahl der Bewerber zurück. Für die Betriebe wird es merklich schwieriger, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen“, so Fahnemann.

Rein rechnerisch konnte jeder Bewerber unter 1,43 Ausbildungsstellen wählen. „Damit stehen jungen Menschen viele Möglichkeiten für den Berufseinstieg zur Verfügung“, freut sich Joachim Fahnemann. Dennoch konzentrieren sich 41,9 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber auf nur zehn Berufe. Ganz vorne liegen wie auch in den Vorjahren kaufmännische Ausbildungen: ob in der Bank, im Einzelhandel, im Versicherungswesen, im Hotel oder im Großhandel. Handwerkliche Berufe sind nicht unter den TOP Ten der beliebtesten Berufe in Münster. Einzige Ausnahme ist die Ausbildung zur Köchin oder zum Koch. „Hier würden wir uns mehr Flexibilität bei den Schülerinnen und Schülern wünschen. Denn es gibt noch viele weitere interessante Berufe, die durchaus Karriereperspektiven bieten“, sagt Fahnemann.

Ungebrochen ist auch der Trend zum Erwerb von höheren Schulabschlüssen. So haben in Münster 51,4 Prozent der Bewerber die Zugangsberechtigung zum Besuch einer Fachhochschule oder einer Universität. Aus Sicht von Joachim Fahnemann liegt darin eine gute Chance für Arbeitgeber, ihren künftigen Fachkräftebedarf zu sichern: „Viele Jugendliche bringen gute Bildungsvoraussetzungen mit. Und immer mehr junge Menschen mit Fachhochschulreife oder Abitur entdecken die betriebliche Ausbildung als guten Berufseinstieg für sich. Das sind insgesamt gute Voraussetzungen für die Betriebe.“ Wichtig sei es, die Nachwuchskräfte auch über die Ausbildung hinaus ans Unternehmen zu binden. „Unser Bildungssystem bietet da besonders gute Möglichkeiten. Vom berufsbegleitenden Studieren über den Meisterbrief oder die Fachwirtausbildung. Wenn Betriebe Entwicklungschancen bieten, ist das eine gute Investition in die unternehmerische Zukunft.“

Zum dritten Mal in Folge ist die Zahl der Bewerber, die Ende September noch ohne eine Ausbildungsstelle oder einen Platz in einer weiterführenden Schule waren, gesunken. Ihre Zahl betrug am 30. September 34. Das sind 20,9 Prozent weniger unversorgte Bewerber als noch im Vorjahr. „Viele von ihnen haben inzwischen doch noch eine Ausbildungsstelle antreten können. Denn wir haben den Betroffenen auch in diesem Jahr mit Last Minute Ausbildungsbörsen und einer engen Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer noch Alternativen bieten können“, berichtet der Agenturleiter. Darüber hinaus stellt die Agentur für Arbeit Ahlen-Münster im laufenden Jahr allein mehr als 200 Plätze für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen und 70 Plätze für langfristige Vorbereitungspraktika zur Verfügung. „Wir bieten jedem interessierten Jugendlichen, der in diesem Jahr keinen Ausbildungsplatz bekommen hat, passende und individuelle Unterstützung“, macht Fahnemann deutlich.

Der Ausbildungsmarkt im Kreis Warendorf

Im Kreis Warendorf meldeten sich seit Oktober des vergangenen Jahres 2.209 Jugendliche und junge Erwachsene als Bewerber bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. Damit blieb die Zahl der Bewerber im Vergleich zum Vorjahr konstant (+1). „Nach wie vor steht die betriebliche Ausbildung bei den Schulabgängern im Kreis Warendorf hoch im Kurs“, berichtet Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. Die meisten Ausbildungsplatzbewerber bringen einen mittleren Schulabschluss mit: 35 Prozent haben den Realschulabschluss. 43 Prozent der Bewerber haben eine Fachhochschulreife oder das Abitur. „Für die Betriebe und Verwaltungen im Kreis Warendorf sind das gute Voraussetzungen, die passende Nachwuchskraft zu finden“, so Fahnemann. Demgegenüber ist die Zahl der jungen Menschen ohne Schulabschluss, die Unterstützung bei der Berufsberatung suchten, um 34,6 Prozent zurückgegangen.

Dennoch war die Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz im aktuellen Ausbildungsjahr nicht für alle Bewerber einfach. Grund dafür ist die erneut gesunkene Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen im Kreis Warendorf. Seit Oktober 2014 meldeten die Unternehmen 1.665 freie Ausbildungsplätze bei der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. Das sind 96 oder 5,5 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Rein rechnerisch standen damit jedem Bewerber 0,75 Ausbildungsangebote zur Verfügung. „Bewerber aus dem Kreis Warendorf müssen flexibel sein, um eine passende Ausbildungsstelle zu finden. Das bedeutet konkret, dass sich die jungen Menschen auch im Umland und angrenzenden Städten und Gemeinden bewerben müssen. Außerdem ist es wichtig, auch alternative Berufe in die Suche einzubeziehen“, erklärt Fahnemann. So gab es beispielsweise für Sanitär- Heizungs- und Klimatechniker mehr als doppelt so viele Ausbildungsangebote wie Bewerber. Auch im Verkauf lohne es sich, die Suche nicht zu sehr einzuschränken. So gab es im Lebensmittelverkauf mehr als dreimal so viele Ausbildungsstellen wie Bewerber. Wer sich aber auf den Verkauf von Textilien oder Elektronikwaren konzentriert hatte, den erwartete eine umgekehrte Situation. Hier standen den freien Ausbildungsplätzen doppelt so viele Bewerber gegenüber.

Zu den beliebtesten Berufen gehörten bei den Jugendlichen auch in diesem Jahr die kaufmännischen Tätigkeiten. Aber auch Ausbildungsgänge wie medizinische/r Fachangestellte/r, Industriemechaniker/-in und Tischler/-in standen weit oben auf der Liste der TOP 10 der Ausbildungsberufe. Rund 42 Prozent aller Ausbildungsbewerber im Kreis Warendorf konzentrierten sich allerdings auf nur zehn Berufe. 184 Bewerbern als Industriekaufleute standen beispielsweise nur 72 Ausbildungsplätze in diesem Beruf gegenüber. „Wer sich in seiner Suche breiter aufstellt, hat natürlich bessere Chancen“, betont Fahnemann.

Aber auch die Betriebe müssten sich weiter bemühen, jungen Menschen in der Region einen beruflichen Einstieg zu bieten. Denn Ende September waren noch 71 junge Menschen im Kreisgebiet ohne Ausbildung oder Alternative. „Die demografische Entwicklung führt dazu, dass wir jeden Einzelnen brauchen werden. Daher sollten auch Jugendliche eine Chance erhalten, die nicht unbedingt auf den ersten Blick überzeugen“, so Fahnemann. „Wir wissen, dass die Entscheidung, auch schwächere Jugendliche auszubilden, für die Betriebe nicht einfach ist. Deshalb haben wir in diesem Jahr auch weiterhin viele Unterstützungsmöglichkeiten für Ausbildungsbetriebe“. Neu ist die sogenannte „assistierte Ausbildung“. 23 Plätze für Jugendliche und ihre Ausbildungsbetriebe stehen in der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster hierfür zur Verfügung. In der assistierten Ausbildung bleibt während der ganzen Ausbildung eine sozialpädagogische Fachkraft Ansprechpartner für Betrieb und Auszubildenden, erkennt Probleme rechtzeitig und hilft Ausbildungsabbrüche zu vermeiden. „Die Jugendlichen von heute sind im Idealfall die Fachkräfte von morgen. Deshalb ist es wichtig, dass sich alle weiter engagieren, um Chancen zu eröffnen“, hebt Fahnemann hervor.