Auf dem Irrweg der Bürokratie

Das I. Deutsch-Niederländische Korps mit Sitz in Münster wird DSC02359nach einem Jahr, zum 12. Januar des kommenden Jahres, seine Aufgaben im sogenannten Bereitschaftsjahr der Nato-Speerspitze an das Schwesterhauptquartier in Valenzia, Spanien, übergeben.

Generalleutnant Volker R. Halbauer sieht aus seinen Erfahrungen des Bereitschaftsjahres heraus, eine wesentliche Veränderung bei der Nato Response Force (NRF), den schnellen Eingreifkräften der Nato. Und damit meint er eine Veränderung zu dem, was es in der Vergangenheit DSC02374gab. Als Auslöser sieht er Veränderungen in der sicherheitspolitischen Rahmenlage des letzten Jahres.

Trotz aller bürokratischen Barrikaden und Hindernisse resümieren der kommandierende General, sowie der stellvertretende Generalmajor Leo J.A. Beulen, das vergangene Jahr und kommen zu einem temporär zufriedenstellenden Ergebnis. Die personelle und materielle Einsatzbereitschaft wucontainer-789488_640durch die Bürokratie in den Weg stellen. Denn wenn so eine Truppe auf Reisen geht, dann haben sie auch ein wenig Gepäck dabei. Gepäck allerdings, welches auf der Schiene oder Straße eine Transitgenehmigung benötigt, da es sich um Munition, Waffen und spezielle Hilfsmittel handelt, und da diese Mengen nicht in einen Kofferraum passen, kommen da ganz schnell 50-60 Container zusammen, die transportiert werden wollen. Das ging vor vielen Jahren noch recht unkompliziert, als die Deutsche Bahn 41692_obrnoch ein Staatsunternehmen war.

Heutzutage ist es gar nicht mehr so einfach, die benötigten Zugwaggons auf dem freien Markt termingerecht zu mieten und pünktlich an einen bestimmten Ort zu verschicken. Die Einpassung der Militärtransporte in den jeweiligen Fahrplan durch die DB Netz AG, braucht im Regelfall rund 30 Arbeitstage. Und dann können natürlich Behinderungen durch einen Brand in einem Stellwerk, oder andere Einflüsse den ganzen Plan umwerfen.

Die Einhaltung der Zeitpläne ist immens wichtig für den zollGrenzübertritt in ein anderes Land, denn es gibt Zollgesetze denen auch die Streitkräfte unterliegen. Anmeldefristen für den Grenzübertritt von 30-60 Tagen sind da relativ normal. Aber ob die Züge dann auch tatsächlich zum angegebenen Zeitpunkt den Grenzübertritt schaffen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Die Streitkräfte werden eben genau wie jeder andere Bahnkunde behandelt.

maze-2264_640Leider geht es auf dem Luftweg nicht viel einfacher von statten. Es fehlen großvolumige und modernere Flugzeuge und längst nicht jeder Luftraum darf einfach so überflogen werden.

Der Transport auf den Straßen ist auch nicht immer einfach. Durch Sanierungsstaus, die Geldmangelbedingt auftreten, haben Brücken oft eine herabgesetzte Tragkraft und manchmal müssen deshalb lange Umwege in Kauf genommen werden. (Siehe Umgehungsstraße B51). Wenn dann die Container in einem anderen Land angekommen sind, gibt es nur ganz selten einen geeigneten Platz, der sich in gesicherten Gebäuden befindet. Und dann kommt jemand an und bemängelt zum Beispiel fehlende Blitzableiter an Containern.

Damit die Streitkräfte nicht in absehbarer Zeit vollends im Bürokratiestau stecken bleiben, muss sich auf der politischen Ebene sehr schnell etwas verändern.

Hintergrund:
Als sogenannte Speerspitze, wurde die VJTF (very High Readiness Joint Task Force), 2014 von den NATO-Staaten als Antwort auf mögliche Bedrohungen beschlossen. Initiiert wurde diese Abteilung, als russische Soldaten die Krim über Nacht besetzten.