Fit for Job

Mit dem Altern der Gesellschaft werden auch die Arbeitnehmer älter. Wenn dann jemand arbeitslos wird, kann es schnell passieren, dass dieser Arbeitssuchende über 50 Jahre alt ist. Da es für die Arbeitnehmer heute aber immer wichtiger wird, nicht nur geistig fit zu sein, sondern auch körperlich, startet das Jobcenter ein neues Programm.

So hat es sich gezeigt, dass vier von fünf Arbeitslosen, die älter als 50 Jahre sind, gesundheitliche Probleme haben. Mangelnde Bewegung, einseitige Belastungen an früheren Arbeitsstellen, falsche Ernährung, zu viele Medikamente oder Zigaretten – die Ursachen sind oft ähnlich. Krankheit kann Ursache von Arbeitsplatzverlust sein, aber Arbeitslosigkeit macht auf Dauer ebenfalls krank. Das Jobcenter bringt diese Kunden buchstäblich in Schwung: mit Sport- und Gesundheitstraining, Einzel- und Gruppencoaching. Das Ziel: Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit steigern.

“Unsere Aufgabe ist es, die Menschen in Arbeit zu bringen”, unterstreicht Uwe Brummerloh, der die Fachstelle 50plus im städtischen Jobcenter verantwortet. Das Problem ist nur: Manche Menschen sind gesundheitlich so stark eingeschränkt, dass sie gar nicht arbeitsfähig sind. Hier setzt das Jobcenter mit einem sechsmonatigen Kurs an. Die Kandidatinnen und Kandidaten können, wenn sie wollen, an jedem Tag der Woche unter sportmedizinischer Begleitung im Fitnessstudio trainieren. Stressbewältigung, autogenes Training, Ernährung und der Umgang mit Suchtmitteln sind Themen, die in der begleitenden Gesundheitsschulung auf dem Plan stehen.

Der Umweg über die sportliche Bewegung stärkt das Selbstbewusstsein und damit ganz erheblich die Motivation, auch beruflich noch einmal auf die Beine zu kommen. “Ich fühle mich fitter”, diese Selbstbeobachtung hat Auswirkungen auf die begleitenden Bewerbungstrainings oder die Computerschulung. Ein Teilnehmer hat 24 Kilos abgespeckt und seinen Diabetes in den Griff bekommen. Mit Unterstützung der Jobcoaches kann er nun erkunden, wie er einen Arbeitsplatz findet, der ihn nicht überfordert. Außerdem bekommt er Gelegenheit, in den Beruf hinein zu schnuppern.

“Wir müssen die Menschen mit ihrem gesamten Lebensumfeld in den Blick nehmen, wenn wir nachhaltig erfolgreich arbeiten wollen”, betont Ralf Bierstedt, der Leiter des Jobcenters Münster. Die finanzielle Förderung durch das Bundesprojekt “Perspektive 50plus” läuft Ende 2015 aus. Dennoch will das Jobcenter die kombinierte Gesundheitsförderung und Qualifizierung weiterhin anbieten. “Der Erfolg liegt mit einer Vermittlungsquote von 46 Prozent klar auf der Hand”, so Bierstedt.