Was bedeuten die Straßennamen?

Jetzt zu Weihnachten bleibt etwas Zeit um sich mit Geheimnissen in Münster zu 157405Pbeschäftigen.  Wer  weiß denn noch, warum der Wirtschaftsweg in Amelsbüren Feuerstiege heißt? Vermutlich niemand. Die Bedeutung einiger Straßennamen in Münster liegt im Dunkeln. Bernhard Zimmermann vom Vermessungs- und Katasteramt, bei der Stadt Münster zuständig für Straßenbenennungen, ist vielen solcher Fragen nachgegangen. Er hat Antworten gefunden und sie jetzt ins Internet gestellt.

Die frisch überarbeitete Homepage des Vermessungs- und Katasteramtes wurde von der Online-Redaktion des Presseamtes auch technisch umgestellt und präsentiert sich nun neu geordnet. „Diese Gelegenheit haben wir genutzt, auch das neue Angebot ‚Erläuterungen der Straßennamen‘ unserem Internetauftritt hinzuzufügen“, erklärt Amtsleiter Michael Tegtmeier. „Auch hier zeigt sich, wie spannend und interessant das Katasterwesen ist.“

157404PDie Ergebnisse der Zimmermannschen Nachforschungen sind so unterschiedlich wie die Namen selbst. Erläutert wird etwa die Herkunft des Wortes Korduanenstraße, die Übersetzung vom plattdeutschen Wort Ächterhoek, die Bedeutung von geographischen Begriffen wie „Geist“ oder Ereignisse der Stadtgeschichte wie die Entstehung des Christoph-Bernhard-Grabens. Bei Straßen, die nach Personen benannt sind, werden Lebensläufe angegeben und oft wird der Link zu einem Biographie-Portal angeboten. Die Menge an Lesestoff ist gewaltig und würde ausgedruckt über 400 DIN-A4-Seiten füllen.

Viel spannender Lesestoff

Dabei stammen zwar viele Texte aus den Akten des Katasteramtes, so oft wie möglich werden jedoch auch Beiträge von weiteren Fachleuten zitiert. Über 400 Hinweise stammen von Historikern wie Wilhelm Kohl, Joseph Prinz, Ludwig Humborg und Karl-Heinz Kirchhoff sowie aus Veröffentlichungen des Stadtarchivs. Gerade diese Texte beleuchten den historischen Hintergrund vieler Straßennamen.

Das wichtigste Ziel von Bernhard Zimmermann war nicht einzelne Straßennamen zurich-512424_640zu beschreiben, sondern einen räumlichen und zeitlichen Überblick über 1973 Namen zu schaffen. Neben einer alphabetischen Auflistung werden daher auch Straßennamen zum selben Thema oder Namen aus derselben Entstehungszeit aufgezählt.

Auch Besonderheiten wie die sechzig Straßennamen, die einen festen örtlichen Bezug haben, werden aufgelistet; zum Beispiel der Picassoplatz am Picasso-Museum und der Theo-Breider-Weg zum Mühlenhof. International wird es in den 30 Straßen, die nach Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Nationen benannt sind. So etwa der Martin-Luther-King-Weg, der Montessoriweg oder die Nobelstraße.

Daneben werden noch knapp 40 Straßennamen aufgelistet, zu denen bisher keine Bedeutung bekannt ist: hier wird noch Expertenwissen gesucht.

Natürlich kamen bei den Recherchen Kuriositäten zum Vorschein, zum Beispiel ein Straßenname, der grammatisch falsch gebildet wurde, zwei Namen, die der deutschen Rechtschreibung widersprechen, Straßenbenennungen nach damals noch lebenden Personen oder Straßennamen, die in Münster seit Jahr und Tag falsch ausgesprochen werden, denn die Loerstraße spricht man „Lohrstraße“, mit dem niederdeutschen Dehnungs-E.

Bernhard Zimmermann ist bei seinen Recherchen auch auf die Information gestoßen, dass es in der Bauerschaft Loevelingloh in Amelsbüren schon seit 1823 eine Freiwillige Feuerwehr gegeben hat. Ein Fahrer des “Spritzenfahrzeugs” war der Landwirt Schulze Wilbrenning. Wenn es stimmt, dass das Fahrzeug auf seinem Hof stationiert war, dann ist der Straßenname vor seiner Haustür nur eine Abkürzung. Nicht Feuerstiege müsste es heißen, sondern Feuerwehrstiege…

www.strassennamen.muenster.de