Mitbestimmung nein “Danke”! In welcher Welt leben unsere Hochschulen?

Eins vorweg. Es geht nicht um die Mitbestimmung von Arbeitnehmern an unseren Hochschulen in Deutschland, sondern um die Ausbildung der nächsten Managergeneration an den deutschen Hochschulen.

Die Hans-Böckler-Stiftung schlägt Alarm. Die Ausbildungspläne der deutschen Hochschulen weisen gravierende Lücken im Punkt Mitarbeitermitbestimmung auf. In einer Arbeitswelt, die von Betriebsräten und Mitbestimmungsgremien mitgestaltet wird, wird das zukünftige Führungspersonal nur unzureichend über das Mitbestimmungsrecht und die Chancen die daraus resultieren aufgeklärt.

Das zeigt die Untersuchung von Prof. Dr. Martin Allespach und Birgita Dusse von der Europäischen Akademie der Arbeit in Frankfurt. In den Ausbildungsgängen für Manager sei die Mitbestimmung meist ein “blinder Fleck”, schreiben die Forscher.

Die Art der Darstellung sei überwiegend nüchtern: Mitbestimmungsgremien werden als Rahmenbedingung vorgestellt, mit der sich das Management zu arrangieren hat. Gelegentlich werden “die Mitbestimmung oder mitbestimmungsrelevante Kontexte” allerdings “direkt als Störfaktor oder Hemmschuh dargestellt”. Nur in den wenigsten Studiengängen wird die Mitbestimmung “gestalterisch begriffen”, so die Wissenschaftler.

Allespach und Dusse haben sich die Lehrpläne von mehr als 50 Studiengängen an 25 Hochschulen, darunter die zehn größten Universitäten, angesehen und mussten feststellen, dass das Thema Mitbestimmung zwar “nicht völlig ausgeklammert”, aber kein “grundsätzlicher Bestandteil” der Lehrpläne sei. Nur in den wenigsten Studiengängen wird die Mitbestimmung “gestalterisch begriffen”, erklären die Wissenschaftler.

Besonders in den personalwirtschaftlichen Lehrplänen ist nach der Analyse vielfach ein Grundverständnis der Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehungen verankert, das keinen Raum für kollektive Interessenvertretung lässt. Der “Human-Ressource”-Ansatz unterstellt einfach die Interessengleichheit von Arbeitnehmern und Arbeitgeber oder betrachtet nur Verhältnisse zwischen einzelnen Beschäftigten und Management.

Daher plädieren Prof. Dr. Allespach und Frau Dusse dafür, Betriebsräten und mitbestimmten Aufsichtsräten mehr Raum in der Managementausbildung einzuräumen: “Mitbestimmung als Element von Wirtschaftsdemokratie sollte vor dem Denken nach Kosten-Nutzen-Kalkülen stehen und diesen nicht untergeordnet werden.”