Aufbruchsstimmung im Stadthaus 2

Wer an Arbeitsvermittlung denkt, dem Fällt zuerst die Arbeitsagentur ein. Dieses ist aber nur die halbe Wahrheit. Seit Jahren ist die Stadt Münster ganz groß in diesem Geschäft tätig. Darum richtete sie jetzt wieder ihre Jobcentermesse aus. 17 ausstellende Unternehmen und hunderte Besucher trafen bei der Jobcentermesse im Stadthaus 2 aufeinander. Die Veranstaltung des städtischen Jobcenters trifft mittlerweile auf so großen Zuspruch, dass der Saal im elften Obergeschoss die Interessenten kaum noch zu fassen vermag.

Erste Beobachtung: Die Schar der Bewerberinnen und Bewerber wird immer bunter. Die allermeisten haben offensichtlich eine Migrationsvorgeschichte. Peggy Gerwinn vom Personaldienstleister Randstad hat registriert, dass einige von den Menschen, die erst vor einigen Monaten nach Deutschland gekommen sind, bereits akzeptable Deutschkenntnisse vorweisen können. Der Einstieg über ein Zeitarbeitsunternehmen ist vielfach der erste Kontakt zwischen Unternehmen und Migranten. Zugleich bietet er auch älteren Arbeitnehmern und Bewerbern ohne anerkannte Ausbildung die Chance auf einen Arbeitsplatz. Bewerber wiederum wissen zu schätzen, dass sie so eine Perspektive auf den Wunscharbeitsplatz bekommen.

Zweite Beobachtung: Unter den zahlreichen Jobsuchenden herrscht Aufbruchsstimmung. Aus vielen Gesprächen lässt sich der unbedingte Wille heraushören, das Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Dies treffe vor allem auf diejenigen zu, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen seien. “Viele suchen einen Arbeitsplatz, um für sich und ihre Familien sorgen zu können”, erklärt Organisator Hans-Ulrich Pott vom Arbeitgeber- und Vermittlungsservice des Jobcenters. “Uns sind gerade schon die Visitenkarten ausgegangen”, kommentiert Hendrik Plate, stellvertretender Marktleiter beim Hellweg-Baumarkt, das hohe Interesse. Er hat schon in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit Zugewanderten gemacht.

Christel Vieth, Inhaberin des Frisörunternehmens Cabelo, hat in anderthalb Stunden bereits vier gute Kandidaten gesichtet – zwei Frauen und zwei Männer. Einen 21-jährigen aus Kurdistan hätte sie fast vom Fleck weg eingestellt. “Für mich ist es egal, ob jemand jetzt schon Deutsch spricht. Für uns zählen Spaß an der Arbeit und Zuverlässigkeit. Unser Team ist bunt, und ausbilden tun wir selber”, sagt sie. Dass die Unternehmen heute viel Wert darauf legen, ihr Personal zu qualifizieren, kann Hans-Ulrich Pott ebenfalls bestätigen: “Die Arbeitgeber wollen ihre Mitarbeiter langfristig binden.”