Fachkräfte dringend gesucht

Eigentlich könnte sich die IHK in Münster freuen. Ihr Bezirk steht gegen den Trend in Nordrhein-Westfalen gut da. Doch leider gibt es ein “Defizit” unter dem alle Betriebe in Deutschland leiden und somit auch der Bezirk Nord Westfalen, der Fachkräftemangel.

Für Unternehmen wird es immer schwieriger, gute Mitarbeiter zu finden. Fast jedes zweite Unternehmen sieht nach einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen die eigene Zukunft durch einen Mangel an qualifiziertem Personal gefährdet. Dass diese Einschätzung der Unternehmen nicht unbegründet ist, verdeutlichte IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer heute (3. Mai) während der Jahrespressekonferenz anhand aktueller Berechnungen des IHK-Fachkräftemonitors. „Schon im nächsten Jahr fehlen den Unternehmen in Nord-Westfalen fast 30.000 Fachkräfte“, sagte Hüffer. Ab 2020 sind es über 40.000, 2030 dann rund 69.000.

Angesichts dieser Entwicklung verstärkt die IHK ihre Bemühungen, die Unternehmen bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen. Zumal die Brisanz der Prognose darin liegt, „dass 90 Prozent der Fachkräfte, die fehlen, beruflich qualifizierte Mitarbeiter sind“, machte der IHK-Präsident deutlich: „Also Menschen mit einer betrieblichen Ausbildung oder Weiterbildung etwa zum Industriemeister.“ Ohne diese zentralen Know-how-Träger sei es für viele Unternehmen schwierig, im Wettbewerb zu bestehen.

„Klar ist, Fachkräftesicherung beginnt mit der Ausbildung im eigenen Unternehmen“, betonte Hüffer. Allerdings habe im vergangenen Jahr bereits jeder vierte Ausbildungsbetrieb Schwierigkeiten gehabt, seine Ausbildungsplätze zu besetzen. „Deshalb ist es ein gutes Ergebnis, dass die Unternehmen im vergangenen Jahr mit über 9.750 neuen Ausbildungsverträgen genauso viele Ausbildungsplätze besetzt haben wie im Jahr davor.“ Angesichts sinkender Schulabgängerzahlen und gleichzeitig anhaltendem Ansturm auf die Hochschulen wirbt die IHK seit fünf Jahren verstärkt bei Abiturienten für eine betriebliche Ausbildung. „Schock deine Eltern. Mach erstmal ‘ne Lehre!”, heißt der Slogan. Jetzt haben 51 Prozent der Auszubildenden in Nord-Westfalen Abitur oder Fachabitur. 2010 waren es in den IHK-Betrieben noch 42 Prozent. Inzwischen laufen auch auf Bundesebene und unter Beteiligung der IHKs auf Landesebene Kampagnen, die für die berufliche Bildung als Alternative zum Hochschulstudium werben.

„In den vergangenen Jahren haben wir dabei geholfen, dicke Bretter in der Bildungspolitik zu bohren“, sagte IHK-Präsident Hüffer. Die Botschaft von der Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung sei jetzt ganz oben angekommen, ist er sich nach entsprechenden Äußerungen der Bundesbildungsministerin und dem gerade erschienenen Berufsbildungsbericht der Bundesregierung sicher. Abschlüsse der beruflichen Weiterbildung wie Fachwirte oder Industriemeister stehen nach dem Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) mittlerweile auf der gleichen Ebene wie ein Hochschulabschluss als Bachelor. Mehr noch: Die IHK-Abschlüsse für Betriebswirte, Berufspädagogen und Wirtschaftsinformatiker sind seit Ende März gleichwertig mit einem Master an einer Hochschule oder Universität. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stuft diese IHK-Abschlüsse jetzt auf der gleichen Stufe ein wie einen Master-Abschluss. „IHK-Betriebswirte erfahren durch die Gleichstellung mit dem Master die Anerkennung, die ihnen zusteht“, freut sich Hüffer.

Flankierend zur Werbung entsendet die IHK seit 2015 Ausbildungsbotschafter in die Schulen – Auszubildende, die mit den Schülern „auf Augenhöhe“ über ihre Berufe sprechen. Über 300 dieser Botschafter sind im Einsatz. Der IHK-Präsident betonte die Breitenwirkung des Projekts, das aber nicht das einzige sei. Für frühzeitige Kontakte zwischen Schulen und Unternehmen sorgt das IHK-Projekt Partnerschaft Schule-Betrieb. Mehr als 350 Kooperationsvereinbarungen wurden hier bereits geschlossen. Mehr als 300 Unternehmen hat die IHK für die Berufsfelderkundung im Rahmen des Programms der Landesregierung „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) gewonnen.

Außerdem unterstützt die IHK die Vermittlung von Flüchtlingen in Ausbildungsbetriebe, informiert die Betriebe über rechtliche Bedingungen und bringt Unternehmen mit den richtigen Ansprechpartnern und Netzwerken zusammen. Für diese Aufgabe hat die IHK Anfang April eine Willkommenslotsin eingestellt, gefördert durch das Bundeswirtschaftsministerium und den Europäischen Sozialfonds.