Keine Windenergie vor den Rieselfeldern

In den vergangenen Wochen wurde ein Thema in Münster und Umgebung immer heftiger diskutiert. Es ging um den Plan zur Windvorrangzone 4a am Hessenweg. Schon 2011 wurde in einem ornithologischen Sachverständigengutachten zum geplanten Windpark südlich der Rieselfelder festgestellt, dass Windkraftanlagen unter einem Kilometer Entfernung zum Schutzgebiet der Rieselfelder die Schutzradien der von den Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG-VSW) aufgestellten Richtlinien im Jahr 2007, eindeutig verletzen würde.

Direkt vor dem Dortmund-Ems-Kanal sollten Windkraftanlagen zugelassen werden.

Direkt vor dem Dortmund-Ems-Kanal sollten Windkraftanlagen zugelassen werden.

Auch zahlreiche Gerichte haben diese Schutzradien schon zur Beurteilung von möglichen Windkraftvorhaben herangezogen und bestätigten diese Schutzzonen, auch wenn diese Radien nicht im fachlichen Sinne als Taburäume zu sehen sind, sondern als deutliche Hinweise auf die möglich Verletzung des Tötungs-und Störungsverbot aus § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG).

Windkraftanlagen in direkter Nachbarschaft eines malerischen Fischteiches.

Windkraftanlagen in direkter Nachbarschaft eines malerischen Fischteiches.

Das durch die Stadtwerke Münster in Auftrag gegebene Gutachten konnte so nur zu dem Schluss kommen, dass eine FFH-Verträglichkeitsprüfung (Flora-Fauna-Habitat) mit den Schutzzielen der Verträglichkeit dieses Gebietes, wie den wertgebenden Arten, nicht möglich sei. Generell gelte daher für Windenergieanlagen im Umkreis von minimal 1 km eher 1,5 km rund um das europäische Schutzgebiet „Rieselfelder Münster“, eine Genehmigungsunfähigkeit.

06. Juni 2016_Windkraft_Rieselfelder_1317-12

Dr. Michael Harengerd erläutert die Gefahr für Flora, Fauna und Habitat.

Nach vielen Gesprächen zwischen Natur-, Vogelschützern und Politikern verhärteten sich die Fronten zusehends. Und nachdem auch die unterschiedlichen Aktionen in sozialen Medien keine Kehrtwendung der Politik vollbringen konnten, nahm ein gefrusteter Ornithologe die wichtige Sache unter seine Fittiche. Der Vorsitzende der Biologischen Station, Dr. Michael Harengerd, startete gemeinsam mit seinem Team und befreundeten Verbündeten eine Unterschriftenaktion, die dann zur Online-Petition wuchs.

Nun reagierten immer mehr Menschen und nahmen die Verantwortlichen immer häufiger in den Fokus der Betrachtung. Bei unseren Recherchen rannten wir von einer geschlossenen Tür zur Nächsten. Oft wurden wir an andere Personen verwiesen, die, wie der Zufall es wohl wollte, gerade keine Zeit hatten, oder nicht erreichbar waren. Dafür unterhielten wir uns mit Anliegern, Nachbarn und wütenden Bürgern zwischen den Rieselfeldern, Dortmund-Ems-Kanal und Coerde. Plötzlich und vollkommen unerwartet gab es, am gestrigen Dienstagabend, eine überraschende Wende in der Angelegenheit. Auf dem gestrigen Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen im Stadthaus 3, am Albersloher Weg, wurde die Ausweisung des Gebietes für Windenergieanlagen, mit den Stimmen von Grünen, CDU und Linken gestrichen.