Schäden in Millionenhöhe durch Cyberkriminelle

Waren es noch vor 200 Jahren Räuber die einem im Wald auflauerten, wurde man vor 50 Jahren sein Geld los, wenn jemanden mit einer Pistole vor einem stand. Heute hat sich einiges gewandelt. Verbrechen sind weniger blutig, doch nicht weniger verlustreich wie früher. Das Haupttatwerkzeug ist heutzutage der Computer und die Täter nennt man nicht mehr Räuber sondern Cyberkriminelle.

Zurzeit warnt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen Unternehmen vor einer Betrugsmasche, mit der Cyberkriminelle bereits Schäden in Millionenhöhe angerichtet haben. Bekannt ist die Methode unter dem Stichwort „CEO Fraud“ oder „Fake President“. Der IHK liegen mehrere Hinweise vor, dass die Betrüger mit dieser Art von Chef-Trick derzeit im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region aktiv sind.

„Es ist eine besonders gut gemachte und hinterhältige Methode“, warnt Dr. Jochen Grütters, Leiter des Geschäftsbereichs Recht der IHK Nord Westfalen. Er spricht von einer neuen Qualität, mit der die Täter vorgehen: „Nur mit hoher Aufmerksamkeit kann ein solcher Betrug verhindert werden.“

Mit dem Trick gelingt es den Tätern, die klassischen Sicherheitsmechanismen der Firmen zu überwinden und die Finanzbuchhaltung davon zu überzeugen, Überweisungen in beträchtlicher Höhe vorzunehmen. Häufig seien die Betrüger in die Unternehmens-IT eingedrungen. „So konnten sie Insiderwissen und E-Mail-Zugänge der Betriebe nutzen“, macht Grütters deutlich.

„Die Betrüger geben sich meist als Vorstandsmitglied oder Geschäftsführer aus und bitten per E-Mail oder Telefon einen Mitarbeiter aus der Buchhaltung, eine eilige Überweisung auszuführen“, erläutert Grütters das Vorgehen. Dem Mitarbeiter werde dabei vorgespiegelt, dass es sich um eine höchst geheime und vertrauliche Angelegenheit handelt. Der angesprochene Mitarbeiter fühle sich aufgrund des besonderen Vertrauens durch den vermeintlichen Vorgesetzten meist geschmeichelt. „Die angebliche Dringlichkeit der Transaktion führt dann dazu, dass die geforderte Überweisung ausgeführt wird“, erläutert der IHK-Rechtsexperte.

Fast immer sollen die Geldtransfers auf ausländische Konten erfolgen, vor allem in Asien und Osteuropa. Fliegt der Betrug auf, sind die Konten schon meist leergeräumt. „Es ist dann häufig nicht mehr möglich, das Geld zurückzubekommen“, so Grütters.