Zwischen Kreuz und Hakenkreuz

Eine dunkle Zeit, auch hier in Münster, waren die Jahre von 1933 bis 1945. Demzufolge ist es äußerst interessant zu sehen, wie die Menschen 25 Jahre nach dem Ende der Hitler-Diktatur darüber dachten.

Als das Stadtarchiv Münster vor einem Jahr im Rahmen seiner Themenabende den 1969 gedrehten Film „Zwischen Kreuz und Hakenkreuz“ zeigte, war daher der Andrang so groß, dass vielen Interessierten keine Platzzusage gegeben werden konnte. Um auch den “Abgewiesenen” eine Chance zu geben dieses Zeitdokument zu sehen, wird der Film am kommenden Donnerstag, 15. September um 18 Uhr im Stadtarchiv, An den Speichern 8, noch einmal gezeigt. Filmemacher und Regisseur Markus Schröder wird zuvor Erläuterungen zur Geschichte des Films geben.

1969 – knapp 25 Jahre nach dem Ende der Herrschaft der Nationalsozialisten fragte der Journalist Olrik Breckoff die Menschen auf den Straßen in Münster nach ihren schrecklichsten Erinnerungen an jene Zeit. Bewegt nennen viele die Bombenangriffe und den Verlust geliebter Menschen. Für ihre Gegenwart wünschen sie sich „Ruhe und Sicherheit für alle und Fortschritt, aber nicht zu schnell, keine Experimente.“

Das Ergebnis seiner Befragungen verarbeitet Breckoff in einem Film, der 1969 im ersten Fernsehprogramm ausgestrahlt wurde. Eine leicht gekürzte Fassung (42 Minuten), die – ergänzt um Kommentare und Diskussionsbeiträge – vom LWL-Medienzentrum für Westfalen und der Villa ten Hompel herausgegeben worden ist, wird im Stadtarchiv gezeigt.

Für das Stadtporträt „Zwischen Kreuz und Hakenkreuz“ führte der seinerzeit sehr bekannte WDR-Fernsehjournalist Olrik Breckhoff nicht nur zahlreiche Interviews, zusätzlich recherchierte er in Archiven und fügte historische wie aktuelle Filmaufnahmen in sein Porträt ein. Er befragte und filmte eine jüdische Münsteranerin, die den Holocaust überlebte, frühere lokale NS-Funktionäre, ehemalige Soldaten und jüngere Menschen, die nach dem Krieg geboren wurden. Auch auf dem Wochenmarkt erzählten die Menschen von ihren Erinnerungen.

Und wie ging die Stadtgesellschaft Ende der 1960er Jahre mit ihrer jüngeren Vergangenheit um? Nationalsozialisten, die nichts bereuen oder unter Gedächtnisschwund leiden, Prozesse, die im Sande verliefen, gab es ebenso wie Jüngere, die begannen, ihren Eltern Fragen zu stellen. Verwiesen wurde seit 1945 aber immer gern auf Clemens August von Galen, den Bischof von Münster, der sich 1941 in den Kirchen der Stadt deutlich und öffentlich gegen einen Aspekt der nationalsozialistischen Herrschaft aussprach: die Tötung Kranker und Behinderter.

Der Blick zurück aus dem 21. Jahrhundert in die späten sechziger Jahre zeigt, wie sehr die Stadtgesellschaft sich seitdem gewandelt hat, vermittelt aber auch, wie nah der Zweite Weltkrieg – und die Ideologie, die dahinter steckte – auch nach 25 Jahren den Menschen in Münster 1969 noch war.

Info: Stadtarchiv, 15. September, 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Aus Platzgründen ist eine Teilnahme nur mit Anmeldung (E-Mail: archiv@stadt-muenster.de oder Telefon 4 92-47 08) möglich.