Firmeninhaber dringend gesucht

Langsam gehen unserer Wirtschaft die Unternehmer aus. Eine IHK-Studie weist darauf hin, dass unsere Chefs immer älter werden.

So berichtet die IHK, dass nicht nur angestellte Fachkräfte knapper und im Durchschnitt immer älter werden. Die demografische Entwicklung zeigt sich natürlich auch bei den Firmeninhabern. Schon heute ist im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region fast die Hälfte (47 Prozent) von ihnen älter als 50 Jahre. Das hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen anhand der Daten ihrer Mitgliedsunternehmen von 2015 berechnet. Fünf Jahre zuvor lag der Anteil der über 50-Jährigen erst bei 39 Prozent. Gut 20.000 der insgesamt 111.000 Unternehmerinnen und Unternehmer sind sogar 60 Jahre und älter.

Die IHK Nord Westfalen erwartet deshalb eine wachsende Zahl von Unternehmen, die zur Übergabe anstehen. „Das Nachfolgeproblem ist den Firmeninhabern bewusst“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing. Denn nach den Ergebnissen einer aktuellen landesweiten IHK-Umfrage, die heute (28. Oktober) in Düsseldorf präsentiert wurde, bereitet sich die Mehrheit der Unternehmen frühzeitig auf den Stabwechsel vor. 68 Prozent der befragten Unternehmer, die älter sind als 55 Jahre, planen bereits die Übergabe an einen Nachfolger beziehungsweise führen sie gerade durch oder haben sie kürzlich abgeschlossen, so das Ergebnis der Umfrage, die die nordrhein-westfälischen IHKs in Zusammenarbeit mit TNS Emnid durchgeführt haben.

„Die Inhaber, das bestätigt auch die Beratungspraxis der IHK, beschäftigen sich frühzeitiger mit der Nachfolgeproblematik, als es noch vor wenigen Jahren der Fall war“, sagt Schulte-Uebbing. Dabei wollen zwei Drittel der Unternehmer in NRW ihren Betrieb in der eigenen Familie lassen. Bei der ganz überwiegenden Mehrheit der familieninternen Lösungen bleibt auch die Geschäftsführung des Unternehmens in familiärer Hand.

Doch nicht in jedem Fall kann die Fortführung des Unternehmens gelingen: Jeder zehnte Unternehmer plant, seine Firma stillzulegen, da er insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen keine Chancen auf eine Weiterführung sieht. Besonders betroffen ist der Handel. „Gerade diese Branche hat ein massives Altersproblem“, weiß der IHK-Hauptgeschäftsführer. In der großen Gruppe der insgesamt 36.000 Händler im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region sind 52 Prozent (Großhandel: 56 Prozent) über 50 Jahre alt.

„Die Zeit drängt, denn der Handlungsdruck bei der Nachfolge steigt“, sagt Schulte-Uebbing. Bereits im Zeitraum von nur wenigen Jahren sind deutliche Verschiebungen in der Altersstruktur erkennbar: Die Anteile älterer Unternehmer werden deutlich größer, die Anteile der Jüngeren gehen zurück. Noch in 2010 waren 29 Prozent der Unternehmer in Nord-Westfalen unter 40 Jahren, heute sind es nur noch 26 Prozent.

„Genügend Unternehmer zu haben, damit der Wirtschaftsmotor läuft, ist keine Selbstverständlichkeit“, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer. Junge Menschen, die über die notwendigen Fähigkeiten und Kompetenzen verfügen, müssten verstärkt für die Übernahme eines Unternehmens begeistert werden. Unternehmen riet er, die Nachfolgeregelung rechtzeitig anzugehen. Der Beratungsbedarf bei Vertragsgestaltung, Steuerrecht und Unternehmensbewertung sei hoch. Die IHK helfe seit Jahren als neutraler Ansprechpartner im Unternehmensnachfolgeprozess.