Tagesarchive: 28. Januar 2017

Wenn junge Menschen bedroht werden

Zugegeben, viele Menschen haben einfach die Nase voll von Geschichten aus der Vergangenheit und besonders das Thema Hitler, wollen die allermeisten Menschen gern aus den ständigen Mahnungen streichen. Doch gerade die letzten Monate haben uns gezeigt, wie schnell solche Strukturen, auch im Ausland, wieder belebt werden können und uns alle betreffen.

Das Verständnis für die Vergangenheit, ist sogar heute noch allgegenwärtig und oftmals fühlbar. Immer noch wird versucht, mit den Ängsten der Menschen die Zukunft zu beeinflussen. So geschah es leider auch gestern in Münster auf der Gedenkveranstaltung auf dem Platz des Westfälischen Friedens.

Rund 280 Schülerinnen und Schüler folgten Einladungen der Stadt Münster, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen sowie weiterer Gemeinden und Gemeinschaften, um „die Erinnerung nicht enden zu lassen“. Wie es der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog in der Proklamation des Gedenktags erklärt. Der Tag bezieht sich auf den 27. Januar 1945, als das KZ Auschwitz von der Roten Armee befreit worden ist.

Im Gespräch mit Oberbürgermeister Markus Lewe kamen viele erarbeitete Erinnerungen aus der Geschichte, durch die anwesenden Schüler, zu Wort. Das waren eindrucksvolle Beiträge, Informationen und lebensnahe Verknüpfungen mit der heutigen Zeit. Besonders die intensive Auseinandersetzung der Schüler mit dem Leben von jüdischen Mitbürgern zur NS-Zeit in Münster, bewegte den Oberbürgermeister.

Ruhe auf dem Platz und schockierende Worte
Bei dem Wortbeitrag einer jungen Schülerin wurde es auf dem Platz dann doch beschämend ruhig.
Sie konnte von einem älteren Mann berichten, der sich gegenüber der Schüler mit Drohgebärden äußerte, „Für das was ihr da tut, werdet ihr noch eure Strafe bekommen – Ihr werdet es alle bitter bereuen“. Dann war es für wenige Sekunden absolut Still auf dem Platz. Das waren schockierende Worte.

Spätestens in diesem Augenblich wurde jedem anwesenden auf dem Platz klar, die Geschichte darf nicht vergessen werden, denn das alte Gedankengut lebt immer noch in zu vielen Köpfen weiter, die bis zum heutigen Tag nichts daraus gelernt haben und weiter in ihren Angstwelten leben. Oftmals, so wie hier, versuchen sie aber auch, andere verängstigte Menschen, in ihren Bann zu ziehen und zu beeinflussen.

Weggucken gilt nicht!
Markus Lewe zeigte sich entschlossen und sagte, “Jetzt gilt es erst recht –
Weggucken gilt nicht!

Wir alle, aber besonders die jungen Menschen, dazu zähle ich nicht nur die Schülerinnen, Schüler, Studierende, sondern auch junge Mitarbeiter, Unternehmer, Einzelpersonen und Familien brauchen unbedingt eine gesunde Einstellung zum politischen Engagement. Das ist aus meiner Sicht unumgänglich für alle, die sich für Zukunft interessieren oder sich dafür begeistern können, und sich dafür auch einsetzen.“