Wanderausstellung auf Burg Vischering

Genau genommen ist Westfalen jetzt schon 202 Jahre alt. Und doch wird auf Burg Vischering in Lüdinghausen ein rundes Jubiläum der Region gefeiert. Am kommenden Sonntag (15. Januar 2017) um 15:00 Uhr eröffnen Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), gemeinsam die Wanderausstellung „200 Jahre Westfalen. Jetzt!“ im Kulturzentrum des Kreises Coesfeld. Denn die Wanderausstellung ist so beliebt, dass sie über das eigentliche Jubiläumsjahr 2015 hinaus noch in verschiedenen Museen Westfalens gezeigt wird – und zwar auch jetzt im Herzen des Münsterlands. Die inhaltliche Einführung erfolgt dabei durch Dr. Ute Christina Koch vom LWL-Museumsamt für Westfalen.

Westfalen trinken Korn, essen Pumpernickel und Schinken, sind eher stur, arbeitsam und reden nicht viel? Gibt es etwas, was die Menschen in der Region miteinander verbindet – ein westfälisches Heimatgefühl? Das LWL-Museumsamt für Westfalen, das Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund und der Westfälische Heimatbund gehen dieser Frage nach und gratulieren Westfalen zum runden Geburtstag. Es geht in der Ausstellung um technische Wunderwerke, Hidden Champions und Global Player, um Visionäre und erfolgreiche Unternehmer, um Fremde und Heimat. „200 Jahre Westfalen. Jetzt!“ ist Spurensuche und Tiefenbohrung zugleich.

Westfalen hat mehr zu bieten als es scheint
Und Westfalen hat einiges zu bieten: Es hat Wald- und Ackerlandschaften, Bodenschätze über und unter Tage, Verwaltungsstandorte und Industriemetropolen. Es ist Aus- und Zuwanderungsland, Naherholungsgebiet und Innovationsstandort –und das nicht erst seit gestern. Die Ausstellung „200 Jahre Westfalen. Jetzt!“ umfasst drei Abteilungen: Den Gang durch die Geschichte, die Wirtschaft der Regionen und das „Musée sentimental“. Ausgangspunkt ist der Wiener Kongress: 1815 wurden Westfalen und die Rheinlande in ihren heutigen Grenzen zu preußischen Provinzen und bildeten später, ergänzt um das Land Lippe, die Landesteile des Landes Nordrhein-Westfalen, das die britische Besatzungsmacht 1946 schuf. Die Chronologie reicht vom Wiener Kongress 1815 über die Revolution 1848/49, das deutsche Kaiserreich, die beiden Weltkriege, die Gründung von NRW über den Strukturwandel im 20. Jahrhundert bis heute. In der Abteilung „Wirtschaft der Regionen“ präsentieren das Sauerland, das Siegerland, die Hellwegregion, das Münsterland, Ostwestfalen-Lippe als auch das Ruhrgebiet ihre vielfältige Industrie und stellen sich vor. Im „Musée sentimental“ präsentieren sich die Kreise und kreisfreien Städte jeweils mit einem ausgewählten Exponat. Überwiegend Alltagsgegenstände dokumentieren Aspekte der spannenden Geschichte. Das reicht von Orden- und Abzeichen der Bundesrepublik Deutschland bis hin zum Pressluft-Abbauhammer der Glückauf GmbH, von der für Westfalen bekannten Pumpernickel-Backform bis hin zu Löwenspuren in Bottrop. Auch ein Bühnenbildmodell von den Ruhrfestspielen in Recklinghausen ist dabei.

Viele Exponate aus westfälischen Museen und Heimatvereinen stellen die historischen Ereignisse und prägenden Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, wie den Freiherrn vom Stein, vor; aber auch die Aspekte der Massenkultur des 20. Jahrhunderts in der Region, wie zum Beispiel der westfälische Fußball, dürfen nicht fehlen. Zu den westfälischen Besonderheiten gehören auch die ausgeprägten Gegensätze in der Region: ländliche gegenüber stark industrialisierten Regionen.

Erstaunliches und Bedeutsames, Kurioses und Lehrreiches haben die Westfälischen Heimatvereine beigesteuert. Sie leihen Exponate, von denen jedes einzelne eine besondere Geschichte erzählen kann. Der Westfälische Heimatbund ist Partner der Ausstellung und feiert mit ihr sein 100-jähriges Bestehen. 1915 schlossen sich die Heimatvereine Westfalens im Westfälischen Heimatbund zusammen. Hier engagieren sich hunderte von Ortsheimatpflegern ehrenamtlich.

Der Eintritt zur Ausstellungseröffnung ist frei. Der sonstige Eintrittspreis zu der Ausstellung, die dienstags bis sonntags von 10:00 bis 13:00 Uhr und von 13:30 Uhr bis 16:30 Uhr geöffnet ist, beträgt für Erwachsene 2,- EUR. Schüler und Studenten haben freien Eintritt. Zu der Ausstellung, die bis zum 12. März gezeigt wird, hat der Kreis Coesfeld auch ein attraktives Rahmenprogramm organisiert. Mehr Informationen dazu finden sich unter: www.burg-vischering.de


Titelbild: Handwerk in Westfalen – Köhlerei im Siegerland: In Walpersdorf kann man heute auf dem Rundwanderweg „Köhlerpfad“ alles über die Köhlerei und den Hauberg erfahren. /LWL