Abenteuer Alltag – Die Ministerin kommt ins schwitzen

Das hätte sich Svenja Schulze aus Münster so nicht gedacht. „Wenn man beim Friseur sitzt, sieht es immer alles so leicht aus.“, verrät die tüchtige Ministerin unserer Zeitung. „Dabei habe ich nur bei etwa 11 Kunden mitgeholfen, und bin dabei total ins Schwitzen gekommen. Hut ab vor der Handwerkskunst und der schweißtreibenden Arbeit in so einem Frisiersalon.”

Unter dem Motto „Abenteuer Alltag“ sind Praktika für die Landtagsabgeordnete ein Muss. Sie möchte nicht die Bodenhaftung verlieren und erleben, wie die Menschen leben und arbeiten, die sie vertritt. Und das ist bei Svenja Schulze ehrlich gemeint. Als Münsteranerin ist sie nicht nur bekennende Radlerin, sondern immer mittendrinn in Ihrer Aufgabe. Doch da tönt es schon von der Chefin, „Geschüttelt, nicht gerührt“, so rief Sibel Mavruk, und meinte damit die Farbe, die Svenja Schulze gerade in ein kleines Döschen drückte.

Während man sie sonst als Landesministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung in Düsseldorf trifft, färbte, wusch, föhnte und fegte die Ministerin in der letzten Woche Haare im Salon „Sibels Kopfkunst“, an der Hammer Straße. Die Politikerin machte eines ihrer Praktika, bei denen sie für einen Tag in ein ganz anderes Arbeitsleben eintaucht. So war sie in den letzten Jahren bereits in einer Bäckerei, im Sportgeschäft, Blumenladen und auf dem Wochenmarkt. Svenja Schulze ist Landtagsabgeordnete für den südlichen Teil Münsters und interessiert sich nicht nur beruflich, sondern auch privat für das Leben der Menschen in ihrer Umgebung.

Sie sagt: „Als Politiker läuft man schnell Gefahr abzuheben. Mitzuerleben und zu verstehen, wie andere arbeiten und leben, das hält mich am Boden.“ Demnächst will sich die arrangierte Ministerin um den Zoo kümmern, und dort einen Tag verbringen.

Die Inhaberin im Salon „Sibels Kopfkunst“ versteht ihren Beruf als Kunst, Kopfkunst sozusagen. Die junge Frau aus Emsdetten gründete vor 15 Jahren ihren Laden im Südviertel. „Früher machte man das noch mit Häkelnadeln“, sagte sie und zeigte auf das Alupapier, das Frau Schulze gerade aus dem Haar einer Kundin entfernt. „Svenja sieht direkt, wo Arbeit ist, und was sie anpacken kann. Ich würde sie sofort einstellen.“ Die Abgeordnete hat sichtlich Spaß, traute sich aber noch nicht an die Schere – was sicherlich auch zur Entspannung der Kunden beitrug. „Was man als Kunde nicht so merkt: Die Taktung hier ist enorm. Es geht alles zack zack“, so Schulze. Sie schätze daher die fröhliche Atmosphäre im Salon.

Dass Friseurin und Friseur attraktive Berufe sind und gefördert werden müssen, ist ihr wichtig zu betonen. Es müsse nicht nur weiterhin in zusätzliche Ausbildungsplätze investiert werden, sondern auch darin, diese attraktiver zu machen. Der Bevölkerungswandel bringt viele Berufsgruppen in Bedrängnis bei der Suche nach Nachwuchs, so auch im Friseurhandwerk. Die Abschaffung der Gebühren für einen Meister-Lehrgang nach der Landtagswahl ist ein erklärtes Ziel von Svenja Schulze, genauso wie die Einführung des Azubi-Tickets. Auszubildenden soll in Zukunft die gleiche Mobilität in Nordrhein-Westfalen ermöglicht werden, wie den Studentinnen und Studenten.

Der Tag endete für die Ministerin selbst mit einem Termin im Frisiersalon, bevor sie zur nächsten Pressekonferenz eilte. Sie ist dennoch froh, dass sich solche Möglichkeiten immer wieder einrichten lassen, aus denen sie neue Ideen mitnehmen kann, wenn sie ihren Wahlkreis Münster-Süd im Düsseldorfer Landtag vertritt. Und das macht sie mit Herz und Verstand.
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Bilder:
ADL
CC0
Pat Röhring