Braucht Münster einen Nachtbürgermeister ?

Nachtbürgermeister und Nachtbürgermeisterinnen sind in der Regel freischaffende Veranstaltungsprofis, die für ein besseres Zusammenspiel zwischen Anwohnern und feiernden Menschen vermitteln. Sie hören sich die Probleme und Wünsche von Anwohnern, Ordnungsamt, Polizei, Club Betreibern, Wirten und Eventverantwortlichen an. Wenn durch bestehende Sperrverfügungen gleich in mehreren Kneipen, Bars und Clubs die Lichter ausgehen und die Menschen auf die Straße geschickt werden, kann dies durchaus zu Anwohnerbelästigungen und anderen Streitigkeiten , durch die aus der Feierlaune gerissenen Gäste, führen.

Hier können die Nachtbürgermeister einen großen Beitrag zum Wohle aller leisten. In Amsterdam können so auf einfache Art und Weise sogar 24 Stunden Lizenzen für gastronomische Einrichtungen vergeben werden, da zum Beispiel die jeweiligen Unternehmen mit Mehrwertleistungen daherkommen. So gibt es in einigen Kneipen ab einer bestimmten Uhrzeit Yogakurse, Stammtische für Computerneulinge, Nähkurse und weitere kneipenuntypische Angebote. Oft wechselt dann auch nach und nach das Publikum, es vermischen sich ältere Generationen mit Jüngeren.

Aber auch im Segment Anwohnerbelästigung reicht oft schon ein Ansprechpartner mit Hintergrundwissen der anliegenden Gastronomen, um durch Verständnis und einer geschulten Verhandlungstaktik die Streithähne zu Verbündeten zu machen. Nachtbürgermeister sind Fachleute auf dem Gebiet des Nachtlebens. Sie können Freizeit-, Kultur- oder Glaubensveranstaltungen koordinieren und mit Stadtmarketing-Verantwortlichen zu einer runden Sache generieren und auf diesem Weg auch Konflikte vermeiden, wovon letztendlich alle Beteiligten profitieren.

Ein neues Nachtbewusstsein entsteht
Oftmals wird das Angebot einer Stadt durch die gezielte Bündelung der kreativen Menschen zur Nachtzeit erheblich gefördert. Das bedeutet auch mehr Lebensqualität und touristischen Mehrwert in einem breit gefächerten Umkreis. Kommunikationsstrukturen werden gefördert. Allerdings verbirgt nächtliche Aktivität auch einige Schattenseiten, die mit zunehmender Frequenz der Nachtaktiven sogar zum Positiven wechseln können. Dabei ist nicht nur das Müllproblem ein Hauptthema.

Nutzungsansprüche urbaner Räume und Infrastrukturen ändern sich
Das Leben hat sich, wie man es auch an den Öffnungszeiten der Lebensmitteldiscounter deutlich feststellen kann, mehr in die Nachtstunden verlagert. In der Nacht läuft Vieles ruhiger ab, es gibt weniger verpflichtende Termine und Zwänge. Nachts sind Menschen auch zugänglicher für freizeitliche Aktivitäten. Der Allwetterzoo besticht zurzeit mit seinen spätabendlichen “Chinesischen Lichtern”, die Tausende Menschen zur frühen Nacht in den Zoo locken. Dieses Umdenken ist auch der veränderten Arbeitswelt geschuldet und wird in Zukunft weit mehr Beachtung in unseren Lebensräumen fordern.

Nicht nur junge Menschen profitieren davon. Ältere Menschen haben von mehr nächtlicher Aktivität und Angebotsfülle deutliche Mehrwerte, da soziale Kontakte am späten Abend und in der Nacht ganz andere Möglichkeiten zur freien Individualisierung bieten. Nebenbei haben eine ganze Menge älterer Menschen einen anderen Schlafrhythmus und sind über jede Abwechslung froh. Nicht zuletzt haben verstärkte nächtliche Veranstaltungen auch einen erheblichen Anteil an bislang unerwarteten Steuereinnahmen.

In den letzten Monaten haben sich weltweit immer mehr Städte über die Manager des lebendigen Nachtlebens informiert und zum Teil auch schon kopiert. Städte wie Amsterdam, Köln, Osnabrück, Zürich, Berlin, London, Tokio und eine ganze Reihe mehr, sind auf den städtischen Mehrwert aufmerksam geworden. Und auch die Stadtentwicklungspolitik in Münster und dem Münsterland erfordert mittelfristig die Eingliederung der urbanen Nachtökonomie für eine ausgewogene Entwicklung einer modernen zukunftsweisenden Stadt und seinem kreativen Potenzial.