“Heul leiser Bibi!” – Ein Kommentar

Es ist total instinktlos was unser Außenminister Sigmar Gabriel mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu gemacht hat. Er hat sich doch tatsächlich mit zwei oppositionellen Gruppierungen getroffen und zwar mit „Breaking the Silence“ und „Betselem“. Also war es doch nur richtig von Seiten Netanyahus, das geplante Treffen mit Gabriel abzusagen.

Äh wie bitte? Da hat der kleine Sigmar mit anderen Kindern gespielt und schon ist der kleine Benjamin beleidigt? Und das soll gute Politik für Israel sein?

Seit über drei Wochen bin ich wieder aus Israel zurück und was ich da so manches Mal gehört habe, machte mich wütend und sehr oft depressiv. Mit einer jener Depressionsauslöser war Netanyahu. Dem sind fast alle Mittel recht um seine Macht zu festigen. In diesem Kontext sind jetzt auch seine neueren Äußerungen zu Gabriel zu sehen. Die richten sich nämlich an seine rechtspopulistischen Wähler. Er muss dringend von seinen eigentlichen innenpolitischen Problemen ablenken. Ihm wird massive Korruption vorgeworfen. Und die Schlinge scheint sich immer enger um seinen Hals zuzuziehen. Wenn es ausschließlich nach Bibi (Netanyahu) gehen würde, wären alle Oppositionellen im Gefängnis oder sonst wie zum Schweigen gebracht worden. Doch zum Glück ist Israel die einzige gefestigte Demokratie im Nahen Osten und so bleibt ihm nichts anderes übrig als rumzupoltern.

Leider bekommen wir in Deutschland nicht alles mit was in Israel passiert. Einige „Meldungen“ kommen hier nicht an. Daher wissen wir so zum Beispiel nicht, dass täglich Menschenschlangen vor den westeuropäischen und nordamerikanischen Botschaften entstehen, weil viele junge israelische Bürger lieber auswandern wollen, als die Rechtspopulisierung ihres Staates zu ertragen. In Berlin ist die jüdische Gemeinde seit Jahren stark angestiegen und dieses bedeutet etwas. Junge Israelis ziehen lieber in eine Stadt, in der die Schoah vor 76 Jahren ihren Anfang hatte, als in der Hoffnungslosigkeit unter Netanyahu zu leben.

In der israelischen Politik herrscht Stillstand und dieser Stillstand hat einen Namen: Benjamin „Bibi“ Netanyahu. Bibi krallt sich mit aller Macht an seinen Regierungsstuhl. Er macht aus einem Fliegenschiss einen Misthaufen und manchmal verdreht er Tatsachen nur um wiedergewählt zu werden. Gabriel hat sich mit regierungskritischen Gruppierungen getroffen. Darunter war „Breaking the Silence“. Die ist nicht unumstritten in Israel. Mitglieder von „Reservist on Duty“, die eher regierungsfreundlich anzusehen sind, halten alle von „Breaking the Silence“ für Landesverräter, während andere sie für respektabel halten. Egal, ein demokratischer Staat und sein Regierungschef müssen so etwas aushalten und keine Kindergartenspielchen veranstalten. Da gibt es eigentlich nur eine Antwort drauf: „Heul leiser Bibi!“ Aber das ist ja nur meine Meinung.