12 Nationen feiern in Münster

Multinational, war das verbindende Zauberwort, am gestrigen Donnerstagnachmittag in der Prins Claus Kaserne in Münster. Die Familienangehörigen der dort stationierten Soldaten, werden einmal im Jahr, zu einem Familientag an den örtlichen Arbeitsplatz der Soldatinnen und Soldaten eingeladen. Doch was ist eigentlich die große Besonderheit des NATO-Hauptquartiers mit Sitz in Münster, fragen sich viele Menschen im Münsterland, und warum gibt es das Quartier ausgerechnet in Münster?

Die Beantwortung dieser Fragen, ist gar nicht so schwer. Anfang der Neunziger Jahre gab es die Idee in den Niederlanden, die Streitkräfte doch mit dem befreundeten Nachbarn in Deutschland zu verbinden. Das System der Gemeinsamkeit die stark macht, ist in den Niederlanden weit verbreitet. Vor allem, nachdem es ein paar Jahre zuvor ein ähnliches Konstrukt mit den Franzosen gab, kam der stärkende Zusammenschluss in beiden Ländern gut an. So setzten sich die Verteidigungsminister aus den Niederlanden und Deutschland an einen Tisch und feilten an der Ausarbeitung des Plans.

Mitte der Neunziger Jahre war es dann soweit. Der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl und Premierminister Wim Kok aus den Niederlanden gaben in Münster den Startschuss, zu dem völkerverbindenden Projekt. Münster wurde ausgewählt, da in der westfälischen Friedensstadt nicht nur im Jahr 1648 der Friede besiegelt, sondern auch die Unabhängigkeit der Niederlande beschlossen wurde, und die Niederlande zu einem eigenständigen Staat wurden.

So ist rund 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, erneut Friedensgeschichte geschrieben worden. Dieser Tag wird in jedem Jahr zum Ende des Monats August, mit dem „Biwak – Fest“, bei den Truppen in Münster gefeiert.

Aus dieser Vereinigung, hat sich im Laufe der Zeit auch der „Multinational Family Fun Day“, zwischen den Soldatinnen und Soldaten der nunmehr 12 Nationen entwickelt, die hier stationiert sind. Und wie der Name es schon sagt, es ist ein Fest für die ganze Familie aller Nationen.

Das Konzept des Festes ist so einfach wie genial. Jede Nation stellt sich mit einem kleinen Stand vor, an dem es Informationen zu den Sehenswürdigkeiten des jeweiligen Landes gibt und natürlich landestypisch kulinarische Köstlichkeiten. Was und wie präsentiert wird, bleibt den einzelnen Ausrichtern der Stände vorbehalten, die jeweils einen kleinen Förderbetrag durch die Kaserne erhalten.

Der Spaß an der Veranstaltung ist in den Gesichtern der Teilnehmer und Gäste abzulesen. An diesem Tag werden durch das gemeinsame Fest die unterschiedlichsten Menschen der verschiedenen Nationalitäten zu Freunden, für die es keine störenden Nationalgrenzen gibt.

Brigadegeneral Meyerhoff ist der Chef des Stabes und er hatte ebenso viel Freude bei der Eröffnung des Festes, wie auch die kleinen Besucher, die aber schon längst in der zum Kinderparadies umgebauten Sporthalle verschwunden waren, oder an der Kletterwand in die Höhe strebten.

Die feiernde Menge zeigt anschaulich, mit wie wenig Aufwand der Friede untereinander funktioniert, und von den unterschiedlichsten Nationalitäten gelebt werden kann. Und das funktioniert bestimmt nicht nur in der Friedensstadt Münster.