Das Mittelalter besucht Greven

Es war das Zeitalter der Ur-Kaufleute, als im Mittelalter der Handel in der Wiege lag. Es war eine Zeit, geprägt von dunkler Rustikalität, Gemeinschaft, Krankheiten und umgebender Unterdrückung. Doch die Epoche war nicht nur von Krieg und Elend gezeichnet, sondern auch die ersten Universitäten wurden etabliert. Das Handwerk entwickelte sich zur Königsdisziplin und viele Städte erblühten aus dem Nichts. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Lotterien. Schützenfeste und Vereine gehen ebenfalls auf diese Zeit zurück.

Die Märkte bekamen durch das Mittelalter ihre Bedeutung. Diese „Keimzellen“, die oft den Mittelpunkt einer jeden Stadt bildeten, waren nicht nur Ausgangspunkt für die Stadtgründungen selbst. Sie vermittelten durch die Handwerksqualität und das Warensortiment die Wichtigkeit einer Stadt. Gute Wegeverbindungen zu Land und auf dem Wasser katapultierten die wachsenden Städte zu Wirtschaftsmetropolen.

Wer sich auf das Erlebnis eines gut organisierten Mittelalter-Marktes einlässt, und in die Welt der fabelhaften Wesen, Gaukler, Händler und Akteure eintaucht, wird umgeben von Heerlagern nicht nur der Geschichte nah sein, sondern auch dem Alltagsstress für eine Weile entfliehen. Die Organisatoren der familienfreundlichen und bezahlbaren Mittelalter-Märkte haben sich als „Zaunreiter“ im deutschsprachigen Raum einen erstklassigen Namen erarbeitet, der Fans der Mittelalterlichen-Freyde aus dem ganzen Land kommen lässt. Reisende aus Berlin, Polen, den Niederlanden und aus dem Süden der Republik sind keine Seltenheit.

Alles Wiederholungstäter? Viele ja, kein Wunder bei den zivilen Preisen der angebotenen Waren. Und da die Organisatoren kein Mittelalter-Konzert mit Markt veranstalten, bleiben selbst die Eintrittspreise bei nur 2,- Euro pro Person. Selbstredend für das komplette Wochenende. Und trotzdem gibt es drei Bands, die ihre lustige, leicht frivole, irische und manchmal auch schräge Musik in die Lauschlappen der Gäste transportieren. Nebenbei bemerkt, ohne die finanzkräftigen Spritzen der Förderer (Sparkasse), wäre der Eintritt nicht zu diesen Konditionen machbar.

Greven, und das hat sich schon längst herumgesprochen, gilt inzwischen als ein Veranstaltungszentrum für den kleinen Geldbeutel. Dabei sind die Veranstaltungen in der liebenswerten Stadt, durch die Qualität und das Angebot, vielen Städten im Umkreis deutlich überlegen. Denn hier zählt in erster Linie die „Bezahlbarkeit“ für alle Bürgerinnen und Bürger. Leider wird dieses Konzept in deutlich größeren Nachbarstädten immer mehr verdrängt. Doch was den einen ärgert, freut den Nachbarn. Und so kommen von Jahr zu Jahr mehr Erlebnishungrige an den Veranstaltungsmittelpunkt im beschaulichen Greven.

Als Publikumsmagnat hat sich am Mittelalter-Markt-Wochenende der Samstag mit der verzaubernden Feuershow am Abend etabliert. Der Sonntag ist der klassische Familientag.

Spaß versprechen auf jeden Fall das historische Kettenkarussell, der Hexenschießstand oder eine famose Kleystersauerey, die es aber nur bei gutem Wetter gibt. Drachenjagen, Stäbchen weben und Pestratten sind keine Disziplinen der neuen Mittelalterschule, sondern Highlights für die Kids. Große haben ein ebenso abwechslungsreiches, kultiges wie forderndes Programm und natürlich jede Menge Spaß bei den fantasievollen Angeboten.

Am Samstag um die Mittagszeit, wird der Marktumzug vom Emsgelände – vorbei am Rathaus in den Völkerball-Kreisverkehr (Saarbecker Str. /Königstr.) ziehen und dann wieder auf den Mittelalter-Markt zurück.  Die Zaunreiter freuen sich über jeden der sich anschließt und ganz besonders, wenn es Gewandete sind … – Denn diese zahlen, natürlich ebenso wie Kids unter 16, keinen Eintritt. Die eingeweihten wissen was gemeint ist, der Rest wird gern am Lager der Zaunreiter, vertraulich, eingeweiht.

Los geht´s am Samstag, den 15. Juli von 11 bis 22 Uhr und am Sonntag, den 16. Juli, von 11 bis 18 Uhr auf den Emswiesen in Greven. (Direkt neben dem Hallenbad). Mit dem Zug anreisen, über die Fußgängerbrücke am Bahnhof gehen und schon mittendrin sein.