Die Welt trifft sich in Münster

Zu einem der weltweit ersten theologischen Trialoge zwischen Buddhismus, Islam und Christentum kommen nächste Woche Wissenschaftler aus aller Welt in Münster zusammen. Am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster vergleichen sie zentrale Glaubensannahmen der drei Weltreligionen und erörtern deren gesellschaftliche Bedeutung, wie der Religionswissenschaftler und anglikanische Theologe Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel vom Exzellenzcluster ankündigt. Interessierte sind zu zwei Vorträgen am Mittwoch, 12. Juli, eingeladen. Der islamische Theologe Prof. Dr. Mouhanad Khorchide vom Exzellenzcluster spricht über das Verhältnis des Islams zu anderen Religionen. Der thailändische Religionswissenschaftler Prof. Dr. Imtiyaz Yusuf befasst sich mit den zunehmenden Spannungen zwischen Muslimen und Buddhisten in Asien. Die englischsprachige Veranstaltung „Buddhism, Islam and Inter-Faith Relations“ (Buddhismus, Islam und interreligiöse Beziehungen) beginnt um 18.15 Uhr im Hörsaal KTh1, Johannisstr. 8-10 in Münster.

„Dieser theologische Austausch zwischen Buddhismus, Islam und Christentum ist ein Novum“, unterstreicht Prof. Schmidt-Leukel. Seit Jahren gebe es einen christlich-buddhistischen Dialog sowie Ansätze zu einem buddhistisch-islamischen Austausch. „Nun ist es an der Zeit, die drei großen Religionen in ein Gespräch zu dritt zu bringen.“ Zu dem Expertengespräch vom 12. bis 14. Juli werden rund 20 Forscherinnen und Forscher aus Japan, den USA, Thailand, Vietnam, der Türkei und Deutschland erwartet. Im Mittelpunkt der Tagung stehen buddhistische, christliche und islamische Menschenbilder sowie Vorstellungen vom Bösen. Die Tagung ist Teil einer Konferenzreihe im Rahmen des Projektes „Shin Buddhism, Christianity, Islam: Conversations in Comparative Theology“ (Shin-Buddhismus, Christentum, Islam: Gespräche vergleichender Theologie). Nach der Auftakttagung im Februar in Kyoto, bei der es um Wahrheit und Wirklichkeit ging, und der kommenden Veranstaltung in Münster wollen die Forscher 2018 an der Georgetown University in Washington über Fragen des religiösen und gesellschaftlichen Handelns der drei Religionen sprechen.

„Ziel der interreligiösen Grundlagenarbeit ist es“, so Schmidt-Leukel, „durch den Vergleich der Glaubensannahmen neue Formen der theologischen Reflexion zu gewinnen und Einsichten aus den anderen Religionen in die eigene einzubeziehen.“ Die Teilnehmer des Symposions stützen sich auf die Methode der „Komparativen Theologie“. Zu jedem Thema stellt je ein christlicher, buddhistischer und islamischer Gelehrter seine Perspektive vor, dann sprechen alle darüber, welche Einsichten sich daraus für ihre Religion ergeben. Prof. Schmidt-Leukel befasst sich am Exzellenzcluster schwerpunktmäßig mit der interreligiösen Theologie. Er leitet das Trialog-Projekt gemeinsam mit dem japanischen Buddhismus-Experten Prof. Dr. Dennis Hirota von der Ryukoku Universität in Kyoto.

Themen der öffentlichen Vorträge am 12. Juli
Der thailändische Religionswissenschaftler Prof. Dr. Imtiyaz Yusuf, Leiter des „Center for Buddhist-Muslim Understanding“ (Zentrum für buddhistisch-islamische Verständigung) an der Mahidol University in Bangkok, untersucht in seinem Vortrag die wachsenden Spannungen zwischen Islam und Buddhismus in Süd- und Südostasien. Der Vortrag trägt den Titel „Buddhism, Islam and Politics in South- and Southeast Asia“ (Buddhismus, Islam und Politik in Süd- und Südostasien).

Der islamische Theologe Prof. Dr. Mouhanad Khorchide vom Exzellenzcluster, Leiter des Zentrums für islamische Theologie (ZIT) der Uni Münster, legt in seinem Vortrag dar, welche Aussagen sich im Koran über andere Religionen finden. Er erörtert außerdem, wie Muslime sie heute interpretieren und welche Meinungen dazu vorherrschen. Der Vortrag trägt den Titel „Islam and Inter-Faith Relations“ (Islam und interreligiöse Beziehungen).
Vorläufer des theologischen Trialogs

Vorläufer des Trialogs ist ein christlich-buddhistischer Dialog, den eine Gruppe um den evangelischen Theologen John Cobb und den buddhistischen Religionswissenschaftler Masao Abe zwischen 1984 und 2004 in einer Serie hochkarätiger internationaler Konferenzen organisierte, wie Prof. Schmidt-Leukel ausführt. Sie widmeten sich vor allem dem Dialog zwischen christlichen Theologen und buddhistischen Denkern aus dem Umfeld des Zen-Buddhismus, teilweise mit einer Öffnung zu jüdischen Theologen. „Diese Tradition möchten wir wiederbeleben, ihr aber in doppelter Hinsicht eine neue Gestalt geben: Zum einen ist nun von buddhistischer Seite nicht der Zen-Buddhismus, sondern der Shin-Buddhismus beteiligt, die größte Form des Buddhismus in Japan. Zum anderen haben wir den Dialog zum Trialog ausgeweitet, an dem nun auch muslimische Theologen auf allen Ebenen mitwirken.“


(ill/vvm)