Ein Stück Kultur schließt in Hiltrup

Luzia Wietheger, Willi Kurney, Maria Kurney und Willi Wietheger. (v.l.n.r)

Heute Abend schließt unwiederbringlich ein Stück Hiltruper Einzelhandelskultur. Willi Wietheger, gründete gemeinsam mit seiner Ehefrau Luzia, 1963 einen kleinen Kolonialwarenladen an der Ecke Langestraße 49, im damals noch eigenständigen Ort Hiltrup.

Zeitzeugen beschreiben aus Kindheitstagen ein inniges und fast schon familiäres Verhältnis zu den immer freundlichen Kaufleuten. 1975, im Jahr der Eingemeindung von Hiltrup zu Münster, wurde der Kolonialwarenladen deutlich vergrößert. Aus den Kolonialwarenläden wurden Einkaufsgenossenschaften, die auch heute noch den Kolonialwarenzusatz im Namen tragen. (Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler – kurz E. d. K. bzw. später EDEKA).

Das kleine Geschäft wurde im Laufe der Zeit zu einem ansehnlichen Supermarkt im Ortsteil Hiltrup. Im Jahr 1999 übernahmen dann Tochter Maria und Schwiegersohn Willi Kurney den „EDEKA Aktivmarkt“. Auch hier war die Freundlichkeit das Geschäftsgeheimnis. Manche Kunden wunderten sich über die Mittagspause, die in der heutigen Zeit doch eher selten geworden ist. Diese Mittagspause diente jedoch nicht nur der Erholung, sondern sie wurde besonders für Lieferungen an die Kunden und zusätzliche Einkäufe genutzt. 

Ehepaar Maria und Willi Kurney mit Fachverkäuferin Priska Langer.

Was kaum jemand ahnt, der im Wohngebiet versteckte Lebensmittelladen ist bis weit über die Grenzen Hiltrups bekannt und beliebt. Denn durch den „Frischeverkauf“ gab es eine Gesetzeslücke, den Verkauf von bestimmten Produkten, auch am Sonntag möglich zu machen. Und das sprach sich nicht nur in ganz Münster herum, auch Menschen aus den benachbarten Orten wie Rinkerode, Drensteinfurt und Amelsbüren nutzten diesen seltenen Service. Es war für unendlich viele Menschen der Notanker am Wochenende.

Nach 54 Jahren sind nun die Regale leer …..

Heute ist nun der letzte Tag dieser Ära angebrochen, umso mehr werden die Kunden ihren heißgeliebten „Tante Emma Laden“ vermissen. Im Internet wird auf mehreren Seiten von der treuen Kundschaft schon jetzt der schmerzliche Verlust kund getan. Aber alle gönnen den immer freundlichen Händlern den wohlverdienten Ruhestand.

Mit den steigenden Anforderungen, wie neuen Kassensystemen, würden nur für diesen Punkt schon fünfstellige Summen erforderlich um die neuen Gesetzesauflagen zu erfüllen. Dazu käme eine aufwändige Renovierung und angepasste Warenpräsentation, wie Kunden es heutzutage erwarten. Da hat das Ehepaar die Reißleine gezogen und diesen radikalen Schritt gewagt. Nach der Schließung des Ladenlokals wird hier feste umgebaut. Wohnraum wird

geschaffen, der den Lebensabend der Geschäftsleute unterstützen soll.

Alles muss raus, das Ehepaar Kurney verkauft den Rest.

Maria und Willi Kurney, und auch die Gründer Luzia und Willi Wietheger, bedanken sich bei den vielen lieben Menschen, die im Laufe der Jahrzehnte die Existenz dieser Lebensmittellegende möglich machten.

Wer persönlich Abschied nehmen möchte, kann dies noch bis heute (11.07.2017 – 18.00 Uhr), an der Langestraße 49 in Hiltrup nachholen. Eventuell sind noch ein paar der wenigen Schnäppchen im Laden, denn die Preise für das restliche Sortiment wurde auf 50% gesenkt. – „Es ist ein kleines Dankeschön an die Kundschaft“, sagt Inhaber Willi Kurney.