Mit einem Schulabschluss steht Deutschland offen

Die Zeugnisausgabe am letzten Schultag vor den Sommerferien ist wohl für jeden Schüler etwas Besonderes. Für zwei Klassen am Berufskolleg Ahlen Europaschule markiert das Dokument, das einen erfolgreich bestandenen Hauptschulabschluss bescheinigt, aber noch mehr als nur schulischen Erfolg. Die jungen Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kamen, haben es geschafft, hier Fuß zu fassen und anzukommen.

Insgesamt elf Monate dauerte der Kurs, der von der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster gefördert wurde. Durchgeführt wurde die Maßnahme mit dem Namen „Förderzentrum für Flüchtlinge“ von der SBH West zusammen mit dem Berufskolleg Ahlen Europaschule. Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, zeigte sich erfreut über den Erfolg der Maßnahme: „Durch den bestandenen Hauptschulabschluss öffnen sich den jungen Menschen ganz neue Perspektiven in Deutschland. Egal ob duale Ausbildung oder ein weiterer Schulbesuch, der erste Meilenstein ist geschafft. Ein Schulabschluss bringt die Kursteilnehmer nicht nur kurzfristig weiter. Unsere Erfahrung zeigt, dass die langfristigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt für junge Menschen umso besser sind, je besser die Ausgangsqualifikation ist.“

Insgesamt 14 Teilnehmer konnten sich nach dem Besuch des Intensivkurses über ein Abschlusszeugnis freuen. Sieben verschiedene Länder, Sprachen und Mentalitäten kamen zusammen. Eine Situation, die Ingo Weißenborn, Schulleiter des Berufskollegs, aber als Bereicherung erlebt hat. „Für uns war es der erste Intensivkurs dieser Art“, fasst er zusammen. „Auch wenn wir zu Beginn gespannt waren, was auf uns zukommt, haben wir uns der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gestellt und die Herausforderung angenommen. Rückblickend hat mich, und auch die in der Klasse unterrichtenden Kolleginnen und Kollegen, die Motivation und der respektvolle Umgang der Schüler begeistert. Die Jugendlichen wollten ihr Ziel erreichen, haben sich untereinander akzeptiert und gegenseitig tatkräftig unterstützt.“ Nach dem bestandenen Hauptschulabschluss ist aber noch keine Zeit zum Ausruhen. Das bestätigt auch Thomas Schwarzrock, der Niederlassungsleiter der SBH West in Ahlen. „Schon während der Schulzeit haben sich die Schüler nach Praktikumsstellen im Kreis Warendorf umgesehen. Dort werden sie mindestens vier Wochen lang bleiben, um den Arbeitsalltag kennenzulernen.“

Die Praktika finden in Betrieben der Branchen Metall, Hotel- und Gastgewerbe, Lager/Logistik/Handel und Pflege statt. Die weiteren Zukunftspläne der jungen Menschen sind dabei ganz unterschiedlich. Während einige die Praktika gezielt nutzen wollen, um erst einmal in ein bestimmtes Berufsbild hinein zu schnuppern, haben andere schon einen konkreten Berufswunsch im Kopf. „Ein Teilnehmer plant, nach dem Sommer eine Ausbildung zu beginnen. Auf zwei weitere warten ein Jahrespraktikum bzw. eine Übernahme in ein Arbeitsverhältnis“, freut sich Berufsberaterin Katrin Dahmen von der Arbeitsagentur. „Die restlichen Teilnehmer werden nach den Praktika in den Sommerferien weiter qualifiziert, um ebenfalls schnell auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können.“