Schüler treffen auf Patienten

Was bedeutet Maßregelvollzug? Und vor allem, wie kommt man eigentlich dahin? Das erfuhren jetzt 95 Schüler und Schülerinnen der Freiherr-vom-Stein-Realschule und Hauptschule Rahden. Die Neuntklässler haben an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Maßregelvollzugsklink Schloss Haldem des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) besucht.

Zweieinhalb Stunden lang informierten sich die Schüler über die Themen Maßregelvollzug, psychische Erkrankungen, Sucht und den Alltag in einer forensisch-psychiatrischen Fachklinik. Nach einem Vortrag von Oberarzt Dr. Christoph Veerkamp führten Mitarbeiter der Klinik die Schüler in Gruppen über den offenen und halboffenen Klinikbereich. Dabei lernten sie auch verschiedene Therapiebereiche kennen, wie etwa die Arbeitstherapie “Garten- und Landschaftsbau” in der klinikeigenen Gärtnerei.

Im Mittelpunkt des Besuches stand die Begegnung mit zwei Patienten, die nach Paragraf 64 Strafgesetzbuch (StGB) in der Klinik untergebracht sind und die den Schülern ihre eigenen Geschichten erzählten: Wie und warum sie erst süchtig und später straffällig wurden, vor Gericht und schließlich im Maßregelvollzug landeten. Dabei gaben sie auch Einblicke in den Therapiealltag der Klinik, Hürden, Erfolge und Niederschläge. “Unser Ziel ist es nicht, Jugendliche zu schockieren oder mit erhobenen Zeigefinger zu belehren. Vielmehr sollen sie sich durch die persönliche Schilderung von Betroffenen ein eigenes Bild machen, welche Gefahren Drogen- und Alkoholkonsum mit sich bringen können”, erklärte Jonas Templin, seit August 2016 Leiter des Sozialzentrums der LWL-Klinik.

“Für die Schüler war das sehr einprägsam. Ich denke, dass es für sie nachhaltig in Erinnerung bleiben wird”, sagte Verena Voß-Hinke, Schulsozialarbeiterin an der Freiherr-vom-Stein-Realschule. Sie hofft, dass Begegnungen wie diese Jugendliche dazu bringen, verstärkt über den eigenen und oftmals leichtfertigen Umgang mit Alkohol und Drogen nachzudenken.

Bereits seit einigen Jahren engagiert sich die LWL-Maßregelvollzugsklinik Schloss Haldem in der Suchtpräventionsarbeit und lädt immer wieder Schulklassen der umliegenden Schulen ein, um über die Gefahren von Alkohol- und Drogenkonsum zu informieren. “Uns ist das ein wichtiges Anliegen, nicht nur für Akzeptanz und Verständnis für unsere Arbeit hier in der Region zu sorgen, sondern auch aktiv in der Suchtprävention mitzuarbeiten und aufzuklären – insbesondere da seit Jahren die Zahl der Patienten mit einer Suchtproblematik steigt”, sagt Dr. Ingbert Rinklake, Ärztlicher Direktor der LWL-Maßregelvollzugsklinik Schloss Haldem.