Der „Große“ geht …

Am Donnerstag wechselt das Amt des Regierungspräsidenten mit Sitz in Münster an Dorothee Feller. Doch zuvor hat der „Große“, alias Prof. Dr. Reinhard Klenke, eine gewaltige Abschiedstour vor sich. Den Titel „der Große“ gaben ihm die Bürgerinnen und Bürger des Regierungsbezirkes, denn da wo Professor Dr. Reinhard Klenke auch auftaucht, stellt er – bedingt durch seine 1,96 Meter Körpergröße – fast alle in den Schatten. Aber auch sonst ist der bescheidene und aufmerksame Regierungspräsident, besonders durch seine überlegten Handlungen, enorm beliebt. Die Kraft der ausgewogenen Mittlertätigkeit, die ihm große Anerkennung im Beruf wie auch im Privatleben zu Teil werden ließ, schöpft er aus seiner besonderen Begabung der Beobachtung.

Seine Aufgabe als „Mittler“ trifft sogar den eigentlichen Aufgabenzweck eines Regierungspräsidenten. Er, das Bindeglied zwischen Landesregierung und den Chefs der Kommunen, trat nie als „Oberlehrer“ auf, schaffte es aber mit den Verantwortlichen um sich herum, die beste Lösung für Bürgerinnen und Bürger zu schaffen.

Er ist nicht der Mann, der sich in den Vordergrund drängt, sondern er wandelt zwischen der Menge und versucht, sich selbst ein Bild der Lage zu verschaffen, bevor er Ratschläge erteilt. Er schaffte es in seiner Dienstzeit, die mit Nummern versehenen Aktenberge in lebendige Personen zu verwandeln, mit denen er sich interessiert über Probleme, Ideen und Lösungen austauschte.

Dabei war für ihn ein normaler Arbeitstag ohnehin viel zu kurz, denn der Frühaufsteher Klenke, arbeitete oftmals bis in den späten Abend und viele Wochenenden durch. Zeit für Familie, Hobbys und Freizeit gab es kaum. „Dieser Beruf hat mir sehr viel Freude bereitet, auch wenn die Zeit für die Familie an allen Ecken fehlte, ist es doch eine ganz besondere Aufgabe, den Menschen helfen zu können“, erzählt er unserem Redaktionsteam.

Reinhard Klenke stand auch bei unpopulären Entscheidungen kerzengrade und drückte sich nicht vor ihm entgegengebrachter Kritik, selbst wenn er hart angegriffen wurde, sondern er zeigte ein gesundes Verantwortungsbewusstsein und fand so manche Lösung im Interesse aller Parteien.

Ganz besonders beeindruckt zeigt sich der scheidende Regierungspräsident davon, wie viele Menschen sich für andere engagieren. Als Beispiel nannte er die vielen Stiftungen im Regierungsbezirk. 

Zu Beginn seiner Tätigkeit im Jahr 2011 gab es im Regierungsbezirk Münster 500 gemeinnützige Stiftungen, und jetzt, zum Ende seiner Amtszeit, nur 6 Jahre später, waren es sogar 632 Stiftungen. „Das zeigt anschaulich, die Menschen denken nicht nur an sich, sondern auch im besonderen Maße an die Gemeinschaft“, freut sich Klenke. Eine Stiftung gilt vom Grundsatz her ewig. Noch heute bestehen in Münster Stiftungen, die bereits im frühen Mittelalter gegründet wurden.

Am kommenden Donnerstag (31.08.2017) wird der Mittler nun verabschiedet. Er ist sich sicher, “ mit Frau Dorothee Feller wird es eine gute Nachfolgerin geben“.