Skulpturen – Zahlen – Daten – Fakten

Die am 1.Oktober zu Ende gegangene fünfte Ausgabe war bisher die bestbesuchteste der Skulptur Projekte. Aus Sicht des Ausstellungsteams ist mit diesen Zahlen ein Maximum an Besucher sowohl für die Infrastruktur der Ausstellung als auch den städtischen Raum erreicht.

ZAHLEN ZAHLEN ZAHLEN
Mind. 650.000 Besucher/innen aus 72 Nationen insgesamt, 156.279 Besucher/innen im LWL-Museum für Kunst und Kultur, 47.836 Teilnehmer/innen des Programms der Kunstvermittlung, 26.582 Katalogverkäufe der Museumsausgabe, 89.713 verkaufte Orientierungskarten, 54.326 Downloads der App zur Ausstellung, ca. 1.300 akkreditierte Journalist/innen, 53 Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung,

Ca. 250 Tattoos im Rahmen des Projekts Not Quite Under_Ground, davon etwa 75 an Menschen über 65, 575 von Besucher/innen hochgeladene Dateien auf dem Router beim Standort Fernmeldeturm von Aram Bartholl, ca. 250 Menschen sind vom Steg von Ayşe Erkmen in den Dortmund-Ems-Kanal gefallen, 2 Bienenstiche in der Arbeit von Pierre Huyghe, ca. 24.700 Ausleihen beim Fahrradverleih Skulptur Projekte by Bike, alle 250 Fahrräder wurden zum Ende der Ausstellung an Interessierte verkauft, 90 Ausstellungsmitarbeiter/innen, 130 Aufsichten, 45 Kunstvermittler/innen, 35 Kunstwerke, 40 Künstler/innen, über 60 Tänzer/innen, Performer/innen und Darsteller/innen, 12 Autor/innen in Rahmen des literarischen Satellitenprojekts Münster: Kur & Kür, 4 verschiedene Logos zur Ausstellung.

ANZAHL DER BESUCHER/INNEN
Als Ausstellung im öffentlichen Raum erheben die Skulptur Projekte keinen Eintritt, somit entfällt die Anzahl von Ticketverkäufen als Bezugsgröße. Zählungen an den einzelnen Standorten lassen aber dennoch eine Hochrechnung zu – nach 16 Wochen Laufzeit verzeichnen die Skulptur Projekte mehr als 650.000 Besucher/innen insgesamt, von denen aber nicht alle jeden der 35 Standorte gesehen haben. Im Vergleich zu den Skulptur Projekten 2007 entspricht das einem Anstieg der Besuche von ca. 11,5%.

WEM GEHÖREN DIE SKULPTUR PROJEKTE?
Zur Abschlussdiskussion, die am 30. September im Foyer des LWL-Museums für Kunst und Kultur stattfand, und bei der das Kuratoren-Team mit den Gästen Dorothea von Hantelmann (Kunsthistorikerin), Andreas Siekmann (Künstler) und Johan F. Hartle (Kunst- und Medienwissenschaftler) mit der Frage Wem gehören die Skulptur Projekte? befassten, wurde deutlich, dass die Ausstellung „allen, also niemandem gehört“ (Hartle).

Dennoch bleibt die Frage nach einer veränderten Organisationsform der Skulptur Projekte ein Thema für zukünftige Gespräche mit den Trägern der Ausstellung (Landschaftsverband Westfalen-Lippe und Stadt Münster) und weiteren möglichen Partnern. Von Seiten des Teams der Skulptur Projekte 2017 besteht der Wunsch, andere juristische Formen zu prüfen – Stiftung oder gGmbH –, die es dem kommenden Ausstellungs-Team erleichtern würde, den Herausforderungen der Realisierung solch eines Vorhabens flexibler zu begegnen.

KUNSTVERMITTLUNG
Zum Ende der Ausstellung zieht die Kunstvermittlung der Skulptur Projekte eine überaus positive Bilanz. An den dialogisch ausgerichteten Angeboten, die vom Projektteam konzipiert und von dem Dienstleistungspartner x:hibit GmbH organisiert wurden, nahmen 47.836 Besucher/innen teil. Die öffentlichen Touren im Rahmen der Skulptur Projekte 2017 konnten in 11 Sprachen gebucht werden – darunter neben Englisch, Französisch und Niederländisch auch Arabisch, Dari/Farsi, Kurdisch und Russisch.

Die Sprachauswahl war motiviert durch den Wunsch, möglichst vielen Münsteraner/innen und ihren Gästen einen Dialog in ihrer Muttersprache zu ermöglichen. Ebenfalls sehr erfreulich ist, dass 82 Touren in Deutscher Gebärdensprache, Leichter Sprache und Deutsch mit multisensorischer Ausrichtung wahrgenommen wurden und somit ein wachsendes Interesse an diesen Angeboten im Vergleich zu 2007 zu verzeichnen ist. Im Rahmen von Workshops wurden zahlreiche Besucher/innen selbst tätig. Neben Angeboten für Schulgruppen, Kinder und Jugendlichen war das wöchentliche Trafo Lab für Erwachsene besonders beliebt. Auch die längerfristigen Kooperationen mit Münsteraner Bildungseinrichtungen haben positive Resonanz gefunden. Neben den bereits im Vorfeld realisierten Projekten Mit unserem Blick mit Schüler/innen der Gesamtschule Münster Mitte und Mapping Skulptur Projekte von 45 Berufsschüler/innen mit Fluchterfahrungen wurden zusammen mit der Kunstakademie Münster zwei Semester lang Vermittlungsformate und -methoden entwickelt und erprobt. Die Kooperation mündete in dem kunstpädagogischen Wochenende Ver_Handeln. Begegnungen im öffentlichen Raum der Kunst im Juli, zu dem 2018 eine Publikation der Tagungsergebnisse folgt.

NEUANKÄUFE FÜR DIE ÖFFENTLICHE SAMMLUNG
Die Skulptur Projekte sind grundsätzlich als temporäres Ausstellungsformat gedacht. Keines der Kunstwerke ist für die permanente Aufstellung entwickelt worden. Welche Werke trotzdem als Teil der „Öffentlichen Sammlung“ im Stadtraum von Münster verbleiben, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht entschieden und die Entscheidungsfindung wird noch einige Wochen bis Monate in Anspruch nehmen.

116 TAGE / SICHTBARE ZEIT
In den 116 Tagen der Ausstellung haben sich einige Arbeiten stark verändert oder sogar grundlegend weiterentwickelt.

NICOLE EISENMANS Gipsfiguren in Sketch for a Fountain zeigten zum Ende der Ausstellungen deutliche Zeichen der Zeit: Moos, Materialauflösung und Beschädigung haben dem Brunnen-Ensemble eine vollkommen veränderte Anmutung gegeben.

Auch bei OSCAR TUAZONS Betonobjekt, das als öffentliche Feuerstelle diente, zeigten sich deutliche Spuren der Benutzung: Ruß und Graffiti haben dem ehemals hellen Beton eine Patina gegeben, die geradezu eine Neugestaltung des Werkes darstellt. Während der Skulptur Projekte 2017 nutzten GINTERSDORFER/KLASSEN das Theater im Pumpenhaus Münster als Produktionsstätte für öffentliche Proben eines neuen Stücks mit dem Titel Kabuki Noir Münster. Zusammen mit dem japanischen Kabukitänzer Toyohiko Fujima erarbeitete das Team eine Performance, deren künstlerische Entwicklung vom Publikum live nachvollzogen werden konnte. Gintersdorfer/Klaßen gelang damit die Erfindung eines neuen Theaterformats aus dem Geist einer Ausstellung. Sichtbare Spuren wird auch das Werk von MICHAEL SMITH hinterlassen, denn in seinem temporären Tattoo-Studio Not Quite Under_Ground haben sich rund 250 Menschen ein Souvenir stechen lassen. Dass es sich bei den Vorlagen um Zeichnungen der Skulptur Projekte Künstler von 1977 bis 2017 handelt, erweitert die Arbeit um eine archivalische Dimension.

KOOPERATIONSPROJEKT THE HOT WIRE
Zeitgleich zu den Skulptur Projekten Münster endet auch das Kooperationsprojekt The Hot Wire mit dem Skulpturenmuseum Glaskasten Marl. Die „kommunizierende Röhre“ (Kasper König) bestand aus mehreren Elementen: dem Tausch von Skulpturen zwischen Münster und Marl (Ludger Gerdes, Richard Artschwager, Olle Bærtling, Reiner Ruthenbeck), Arbeiten, die in beiden Städten gezeigt wurden (Lara Favaretto) und neuen Arbeiten für Marl (Thomas Schütte, Joëlle Tuerlinckx) sowie der Ausstellung Mock Up in der Modelle aus den jeweiligen Sammlungen präsentiert wurden.

GEORG ELBEN, Direktor des Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, freut sich über die Zusammenarbeit:
„Für das Skulpturenmuseum Glaskasten Marl war die Kollaboration zwischen Marl und Münster ein großartiger Erfolg. Sowohl bei den Besucher/innen als auch in der Presse hat The Hot Wire sehr viel internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen und das war in dieser Form nur durch die kollegiale Zusammenarbeit mit den Skulptur Projekten möglich. Was mich jedoch besonders freut ist, dass durch dieses Projekt das Skulpturenmuseum nicht nur überregional bekannter geworden ist, sondern auch in Marl selbst eine gesteigerte Zustimmung gefunden hat, die für die zukünftige inhaltliche Entwicklung wie auch für die anstehenden Umzugspläne neuen Schwung verspricht.“

DOKUMENTARFILM ZUR AUSSTELLUNG
Im Auftrag der Skulptur Projekte 2017 und des LWL-Medienzentrums für Westfalen haben Alina Schmuch und Jan Kiesswetter eine knapp einstündige Dokumentation über die Skulptur Projekte realisiert. Kasper König, Britta Peters und Marianne Wagner vermitteln Einblicke in die Konzeption der
aktuellen Ausgabe. Reflexionen über Zeitgenossenschaft und die globale Gegenwart spielen dabei genauso eine Rolle wie Auseinandersetzungen mit Ort, Zeit, Körper und Raum in Zeiten zunehmender Digitalisierung. Der Film nähert sich diesen Themen, indem er die Projekte folgender Künstler/innen ihrer Entstehung begleitet: Nicole Eisenman, Benjamin de Burca und Bárbara Wagner, Ludger Gerdes, Pierre Huyghe, Xavier Le Roy mit Scarlet Yu, Justin Matherly, Emeka Ogboh, Alexandra Pirici, Michael Smith und Oscar Tuazon. Die DVD ist im Online-Medienshop des LWL-Medienzentrums und in ausgewählten Buchhandlungen in Münster für 14.90 Euro erhältlich.

DAS SKULPTUR PROJEKTE ARCHIV
Das Skulptur Projekte Archiv ist Teil der Museumssammlung des LWL-Museums für Kunst und Kultur und wächst seit 1977 weiter an. Es beinhaltet neben künstlerischen sowie historisch relevanten Dokumenten, Skizzen und Modellen auch Schriftstücke zu juristischen Vorgängen an administrativen Prozessen. Sie bilden das Fundament für eine wissenschaftliche Erforschung der Ausstellungsgeschichte.
Das besondere Potential des Archivs besteht darin, durch die Dokumentation umgesetzter als auch unrealisierter Projekte die Entwicklungen, Verschiebungen und Neubewertungen von Skulptur im öffentlichen Raum nachvollziehen zu können.

Für die Bearbeitung des Archivs fördert die VolkswagenStiftung seit dem Frühjahr 2017 das Forschungsprojekt „Das Skulptur Projekte Archiv Münster. Eine Forschungseinrichtung für die Wissenschaft und die Öffentlichkeit.“ Basis des Projekts ist eine dreijährige Kooperation zwischen dem Museum und Institut für Kunstgeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Die Forschungsgruppe arbeitet am Museum unter der Leitung von Marianne Wagner und an der Universität unter der Leitung von Ursula Frohne. Ziel ist es, das Archiv für die Wissenschaft und die Öffentlichkeit zugänglich zu machen sowie erste Forschungsergebnisse in Dissertationen und einer Monografie zu den bisherigen fünf Ausgaben der Skulptur Projekte zu präsentieren.


  • Das Team der Skulptur Projekte 2017, Foto: Ute Friederike Schernau