Suchtkranke leiden häufig an Depressionen oder ADHS – Austausch über passende Hilfen

Hoch konzentriert waren die Teilnehmer und hoch erfreut die Organisatoren über die gute Resonanz: Rund 100 Fachkräfte aus verschiedenen Berufsfeldern beteiligten sich am ersten von drei interdisziplinären Fachabenden, um sich beim Auftakt in Nottuln im Alten Hof Schoppmann zunächst zum Themenschwerpunkt Sucht, psychische Begleiterkrankungen und Arzneimitteltherapie zu informieren und auszutauschen. Das breite Engagement für Hilfe und Prävention zum Thema Sucht im Kreis würdigte Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr aus diesem Anlass bei seinem Grußwort. Als gelungene Gemeinschaftsaktion und als Besonderheit in der Region lobten u.a. auch Dr. Wilhelm Oelenberg, Leitender Arzt der Klinik am Schlossgarten Dülmen, und Denis Schinner, Vorstandsmitglied der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, die Veranstaltung – jeweils mit Hinweis auf das inhaltliche Programm und die Vielzahl an Trägern und Kooperationspartnern, die gemeinsam mit dem AK Sucht im Kreis Coesfeld die Fachabendreihe unterstützen.

Viele Suchtkranke leiden an weiteren behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen wie z.B. Depressionen oder ADHS: Dies war die gemeinsame zentrale Aussage der Impulsvorträge von Dr. Wilhelm Oelenberg und von Dr. Andreas Rhode, Chefarzt der Fachklinik Release in Ascheberg. Aufgrund von Forschungsergebnissen und ihrer langjährigen Behandlungserfahrung erläuterten sie, welche Anforderungen aufgrund dieser Begleiterkrankungen sich für die Versorgung im Kreis stellen. Ausgehend vom individuellen Krankheitsbild der einzelnen Patienten seien die jeweiligen Krankheitsanteile je nach Bedarf gemeinsam zu behandeln. In Kombination mit Psychotherapie könnte u.U. auch Pharmakotherapie ein Baustein im Rahmen eines individuellen Gesamttherapieplanes sein. Entsprechend dazu referierte Angelina Ahlert, Oberärztin der Klinik am Schlossgarten Dülmen, über die Möglichkeiten und Grenzen von medikamentösen Ansätzen zur Suchtbehandlung und insbesondere zur Rückfallprophylaxe. Den Nutzen einer frühzeitigen und ausreichenden Behandlung machte Dr. Andreas Rhode anhand der sog. “Zappelphilipp-” bzw. Aufmerksamkeitsdefizit- oder Hyperaktivitätsstörung (ADHS) deutlich, die unbehandelt nach Beginn in der Kindheit bis ins Erwachsenenalter die Lebensqualität beeinträchtigen und das Risiko für die Entwicklung einer Sucht wesentlich erhöhen kann. Dass an der Behandlung, Nachsorge und Eingliederung von Suchtkranken im Kreis weitere Einrichtungen und Disziplinen beteiligt sind und wie sie mit den besonderen Anforderungen von Begleiterkrankungen und Arzneimitteltherapie umgehen, wurde beim abschließenden Fachpodium beleuchtet, an dem stellvertretend eine Hausärztin, ein Apotheker und sowie Fachleute aus dem Bereich ambulante Pflege, Sucht- und Drogenberatung und ambulant betreutes Wohnen mitwirkten.

Die Fachabendreihe ist eine Gemeinschaftsaktion 18 verschiedener Träger und Kooperationspartner mit Verantwortung in diesem Bereich und wird auf Initiative des “AK Sucht im Kreis Coesfeld” im Rahmen des “Landesaktionsplans gegen Sucht NRW” durchgeführt. Der zweite Fachabend findet am 29. November 2017 von 17.30 – 20.30 Uhr statt und befasst sich exemplarisch mit Anforderungen und Behandlungsverfahren zum Bereich “Sucht, körperliche Begleiterkrankungen und Arzneimitteltherapie“. Anmeldungen nimmt zentral die AWO Sucht- und Drogenberatungsstelle in Dülmen entgegen – unter Telefon 02594 / 91000, der Faxnummer 02594 / 910030 oder per E-Mail an u.flasche@awo-msl-re.de. Nähere Informationen zum Programm und zur Teilnahme finden sich in der Einladung und im Faltblatt, die auf der Seite www.drocoe.de zum Download bereit stehen.