Verdienstkreuz für Jörg Adler

Am heutigen Vormittag wurde dem ehemaligen Zoodirektor des Allwetterzoos Münster, das Verdienstkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland durch Oberbürgermeister Markus Lewe überreicht.

Zur Begründung teilte das Bundesministerium mit:
Herr Adler ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Als ausgebildeter Dipl. Agrar.-lng. und Dipl. Vet.-lng. leitete er seit 1990 den Allwetterzoo Münster. Sein Anstellungsvertrag ist über die Altersgrenze hinaus um drei Jahre verlängert worden. Für diese Zeit verzichtete er auf die ihm zustehende Betriebsrente. Am 31.12.2015 trat Jörg Adler in den Ruhestand ein.

Die Bewahrung der Artenvielfalt, der Natur und der Schöpfung sind maßgeblich für Jörg Adlers berufliches und ehrenamtliches Engagement. So setzte er sich für den Umbau der Zoos „Weg von Betongehegen hin zu naturverbundenen artgerechten Tiergehegen“ ein. Für den Artenschutz engagierte sich Herr Adler weit über das beruflich erforderliche Maß hinaus in verschiedenen Organisationen.

Bereits Anfang der achtziger Jahre war Jörg Adler maßgeblich am Aufbau partnerschaftlicher Beziehungen zwischen dem Zoo Leipzig und Vietnam beteiligt. Durch diese Partnerschaft kam es neben dem Austausch von Tieren auch zu Weiterbildungsprogrammen für die Mitarbeiter der Zoos in Leipzig und Ho-Chi-Minh-Stadt. Dem Beirat der Deutsch-Vietnamesischen Gesellschaft e.V., die Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam auf verschiedenen Ebenen fördert, gehörte Herr Adler seit 2002 an. In seiner Funktion als Zoodirektor förderte und organisiert er Aktivitäten in Vietnam, die sich auf den Schutz bedrohter und die Erforschung der dort lebenden Tierarten beziehen (wie z.B. der Cat-Ba-Goldkopflanguren und des Vietnam-Sikahirsches). So gehen die Existenz und der Erfolg des „Endangered Primate Rescue Center (EPRC)“ im Cuc Phuong Nationalpark maßgeblich auf eine Bemühungen zurück.

Aus der als Auffangstation für gefährdete Primaten geplanten Einrichtung ist mittlerweile eine Basis des Artenschutzes in Vietnam geworden. Neben der Tätigkeit vor Ort hält Jörg Adler Vorträge und gewinnt neue Interessenten und Sponsoren. Durch sein Engagement und seine Kontakte zu vietnamesischen Behörden ist es gelungen, in diesem Land, das unter Armut und den Folgen zahlreicher Kriege leidet, Verständnis und Bereitschaft für den Umwelt- und Tierschutz zu entwickeln.

Für sein Engagement wurde Jörg Adler 2009 mit dem „Orden für Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern“, der höchsten Auszeichnung der Stadtprovinz Haipong, geehrt. Sein persönlicher Einsatz wird in Vietnam immer auch als Beitrag Deutschlands zum Artenschutz verstanden.

Das Angkor Centre for Conservation and Biodiversity (ACCB) in Kambodscha wurde 2004 auf Initiative von Herrn Adler an den Tempelanlagen von Angkor Wat gegründet und ist ein Naturschutzzentrum für bedrohte Tierarten, in dem sich Touristen, die sich die Tempelanlage ansehen, über die kambodschanischen Naturschutzthemen informieren können. Herrn Adler ist es hier gelungen, die kambodschanische Regierung und die lokalen Stellen und Forstverwaltungen von dem Projekt zu überzeugen.

Die Mitarbeiter, die im Ausland die Projekte betreuen, können in allen Belangen mit der Unterstützung von Jörg Adler rechnen. Als die Ehefrau eines Projektleiters plötzlich verstarb, zögerte Herr Adler nicht und flog Weihnachten 2012 spontan nach Kambodscha, um ihn und das Team in dieser schwierigen Situation zu unterstützen.

In der Zoologischen Gesellschaft für Artenschutz (ZGAP) übernahm Herr Adler von 1992 bis 2008 Verantwortung als zweiter Vorsitzender. Anschließend wurde er Mitglied des Beirats. Außerdem ist er Ehrenmitglied.

Die im März 2001 auf Initiative von Herrn Adler gegründete Stiftung Artenschutz hat das Ziel, existenziell gefährdete Tierarten und ihre angestammten Lebensräume zu erhalten. Der Stiftung gehören derzeit fünfundvierzig Zoologische Gärten, Tierparks und Naturschutzorganisationen an. Herr Adler war von 2001 bis 2007 ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender und ist bis heute im Vorstand tätig. Durch seinen Einsatz war es möglich, der Stiftung einen Platz im Allwetterzoo Münster zu geben und erstmals eine Kuratorenstelle für den Bereich Artenschutz in einem deutschen Zoo einzurichten. Durch Vorträge und Gespräche ist es Herrn Adler immer wieder gelungen, Spenden für die Stiftung zu akquirieren, die er auch selbst mit privaten Mitteln unterstützt.

Im Allwetterzoo Münster hat Jörg Adler 2003 unter ehrenamtlicher Leitung eines Schildkrötenzüchters das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS eingerichtet. Zoobesucher sollen durch das Zentrum für den Schutz gefährdeter asiatischer Schildkrötenarten sensibilisiert werden. Die Idee für das Schildkrötenzuchtzentrum für bedrohte Arten hatte Herr Adler bereits 1997. Seitdem hat er an der Konzeption aktiv mitgearbeitet und Sponsoren für das Projekt der heutigen „Biocity“, einem Artenschutzzentrum im Allwetterzoo Münster, gewonnen. Insgesamt hat er für seine Artenschutzprojekte im Laufe der Jahre mehrere Millionen Euro eingeworben.
Seit der Gründung des Instituts für Theologische Zoologie der Philosophisch Theologischen Hochschule Münster im Jahre 2009, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine theologische Zoologie zu erarbeiten, unterstützte Herr Adler die Einrichtung und deren Leiter als Kuratoriumsmitglied mit Rat und Tat. Das Projekt der theologischen Würdigung der Tiere ist Jörg Adler ein Herzensanliegen. Er engagierte sich bei Vorbereitung und Durchführung verschiedener Veranstaltungen und war Gastgeber und Dozent bei Exkursionen mit Studierenden.

In der Evangelischen Lukas-Kirchengemeinde engagierte Herr Adler sich von 2004 bis 2008 als Presbyter. Aus seiner Zeit in der ehemaligen DDR brachte er zahlreiche gute Hinweise und Vorschläge zur Gestaltung der Gemeindearbeit ein, die in der Gemeinde neue Akzente setzten. Seine Arbeitsschwerpunkte waren die Öffentlichkeitsarbeit und diakonische Zuwendungen an Einzelne oder Gruppen. Im Jahr 2009 initiierte er den ersten ökumenischen Gottesdienst im Allwetterzoo Münster.

Im Jahr 2002 initiierte Jörg Adler eine Hilfsaktion anlässlich des Elbehochwassers, sammelte Hausrat und Bekleidung und begleitete einen Hilfstransport. In seiner Heimatstadt Münster hat er sich immer wieder in gesellschaftlich relevante Themen wie die Umbenennung des Schlossplatzes oder die Beibehaltung der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit im Rathaus eingebracht. Dem Rotary Club und ZweiLöwen-Club Münster gehört er als Mitglied an.

Das Auswärtige Amt wurde beteiligt und unterstützt die vorgeschlagene Ordensstufe.

Foto: v.l. Oberbürgermeister Markus Lewe, Frau Adler, Jörg Adler und der Botschafter von Vietnam Doan Xuan Hung / (C) André Auf der Landwehr