Wie ist es bei Primark zu arbeiten?

Primark steht wie kaum ein zweites Unternehmen in der Textilbranche unter dem Beschuss der Öffentlichkeit. Nachdem wir den bestätigten Öffnungstermin in einem Artikel genannt hatten, bekamen wir haufenweise Post mit schweren Beschimpfungen und Meinungen, die sich oft als haltlose Vorurteile herausstellten.

Da die verkauften Waren zu 98 Prozent bekanntlich ebenso in den selben Fabriken hergestellt werden, wie viele andere Discount- und Luxusmarken, ist diese Kritik nicht haltbarer als der unsinnige Vorwurf eines Lesers, „Wer bei Primark kauft, wählt auch die AFD“. Zumindest mussten wir bei dieser Behauptung laut lachen.

Doch um ein wenig mehr Licht hinter die Kulissen des Branchenriesens zu bekommen, fragten wir bei dem Unternehmen nach einem Interview-Termin mit einer Person vom Personal. Da sich bisher unser Eindruck des Unternehmens so dar stellte, dass nichts ohne vorherige Prüfung an die Öffentlichkeit dringt, waren wir von der raschen Zusage und der unkomplizierten Terminfindung sehr überrascht. Auch die mittlerweile für journalistische Tätigkeiten übliche Praxis der Einreichung des Interviewtextes bzw. der möglichen Fragen an die betreffende Person, im Vorfeld zu übersenden, fand erfreulicher Weise nicht statt.

Stattdessen wurde uns ein Termin inmitten der Verkäuferschulung in den Räumen eines namenhaften Hotels ermöglicht. Dort wurde unter allen Mitarbeiter(innen) eine Mitarbeiterin befragt, ob sie für ein Interview zur Verfügung stehen würde. Das Gespräch mit der Mitarbeiterin durfte auch ohne Vorgesetzte oder andere Firmenzugehörige frei geführt werden. Das ist ein dicker Pluspunkt für das Unternehmen, welches sich für uns offener gab, als erwartet.

Es handelt sich um Khadija K., 27, die zurzeit bei Primark-Münster die Weiterbildung zur Managerin macht.

Die gelernte Bäckereifachverkäuferin hat im Dezember 2013 als Teilzeitkraft in der Düsseldorfer Primark-Filiale angefangen. Ihr Job in der Konditorei brachte nicht die Anforderungen, die sie im Berufsleben haben wollte. Schnell fühlte sie sich unterfordert und wechselte so, in die Modebranche.

„Ich war überrascht als ich in der Umkleidekabine anfing, denn ich wurde super aufgenommen und fühlte mich nach kurzer Zeit im Team integriert. Was mich echt gefreut hat, war der lockere Umgang untereinander. Wir alle duzen uns, und somit kommunizieren wir direkt auf Augenhöhe miteinander. Danach lernte ich im Gegensatz zu meinem vorherigen Beruf als Bäckereifachverkäuferin, die Mitarbeiterumfragen kennen. In regelmäßigen Abständen werden wir bei Primark nach unseren Wünschen, Ideen und Verbesserungsvorschlägen befragt. Und das macht für mich auch einen großen Teil des Spaßes bei der Arbeit aus, ich werde gefragt und es ändert sich etwas. Das kannte ich vorher nicht. Da hieß es immer, -Das machen wir schon immer so, das wird nicht geändert“.

Während des Gespräches kommt sie immer mehr ins Schwärmen. Sie erzählt vom Rotationsprinzip, nach dem Sie nicht in einer festen Aufgabe versauert, sondern alle Bereiche im Laden durchlaufen kann. „Ob Fläche, Kasse oder Umkleide, das macht den Job abwechslungsreich. Dies ist übrigens auch eine Änderung, die nach Mitarbeiterumfragen eingeführt wurde, erklärt sie.

Oft sind wir bei Recherchen auf herbe Kritik in verschiedenen Online-Foren gestoßen, doch als wir nach ihrer Kritik gegenüber des Unternehmens fragen, kommt überraschend die Aussage „Ja, Kritik habe ich auch, allerdings nur Positive. Was soll ich sagen? Es ist eigentlich alles perfekt. Ich schätze Primark sehr, fühle mich hier wirklich sehr gut aufgehoben und habe eine Menge Chancen aufzusteigen. Besonders gut finde ich die Integration alle Mitarbeiter, ob Jung, Alt, Schwarz, Weiß, Hetro, Schwul, Lesbisch, ungelernt oder mit Ausbildung. Bei uns wird keine Unterscheidung gemacht – Wir sind ein Team und machen auch außerhalb der Arbeit, Vieles gemeinsam. Geburtstage und religiöse Feierlichkeiten haben wir oft gemeinsam in der Kantine. „

Wir bedanken uns für das Gespräch, welches nach unserer Meinung ehrlich und frei von Zwängen geführt wurde und wünschen der Trainee Managerin auf dem Weg zur Führungskraft viel Erfolg.