Hirn-OP kann einige Epilepsien heilen

In Deutschland leben etwa 600.000 Patienten mit Epilepsien. Etwas über die Hälfte der Patienten können mit Medikamenten gut leben, bei den anderen Betroffenen helfen Antiepileptika nicht ausreichend. „Mit einer Operation können wir vielen dieser Patienten eine Heilung verschaffen“, sagt Tagungsleiter Prof. Dr. Walter Stummer (Münster). Deshalb sollten Patienten die Neurochirurgie nicht als letzten Ausweg betrachten, sondern schon viel früher darüber nachdenken.

Moderne chirurgische Techniken und vor allem die immer besser werdenden Verfahren der Bildgebung haben die Epilepsiechirurgie zu einer sehr sicheren und aussichtsreichen Behandlungsoption gemacht. „Wir können heute an Stellen im Gehirn operieren, an denen wir vor einigen Jahren nicht geglaubt hätten, dass das ohne Nebenwirkungen möglich ist“, sagt Walter Stummer.

Voraussetzung für eine erfolgreiche OP ist eine fokale Epilepsie, bei der sich jener funktionsgestörte Bereich im Hirn, von dem die Anfälle ausgehen, genau abgrenzen lässt. Voraussetzung sind aber auch sehr aufwendige Voruntersuchungen, eine hochpräzise Diagnostik. „Das funktioniert nur in enger Zusammenarbeit mit Neuroradiologen und Epileptologen, sagt Stummer. In Deutschland sind für derartige Eingriffe sieben spezialisierte Zentren durch die Arbeitsgemeinschaft Epilepsiechirurgie ausgewiesen, zu denen auch das Universitätsklinikum Münster gehört.

Im Durchschnitt sechs von zehn der operierten Patienten sind ein Jahr nach dem Eingriff anfallsfrei
Bei der 69. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie e. V. (DGNC) in Münster mit ca. 1.200 teilnehmenden Fachärzten bildet die Epilepsiechirurgie mit aktuellen Erkenntnissen und Forschungsergebnissen einen eigenen Themenschwerpunkt.

Laut zweier im November 2017 im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlichten Studien – einer indischen Studie mit 116 Kindern und einer europaweiten Studie, für die Hirngewebsproben knapp 10.000 operierter Patienten untersucht wurden – sind mehr als die Hälfte aller Patienten (77 bzw. 60 Prozent) ein Jahr nach dem Eingriff anfallsfrei. Besonders Kinder profitieren danach von viel besseren Entwicklungschancen. Andererseits: Kinder bekommen zuvor durchschnittlich fünf Jahre lang, Erwachsenen 20 Jahre lang Medikamente.