Wenn die Seele krank ist

Er ist die Anlaufstelle, die berät, Hilfe vermittelt und Wege aufzeigt, wenn Menschen mit psychischen Problemen aus eigener Kraft nicht mehr zurechtkommen, existenzielle Ängste haben, sich allein gelassen fühlen oder die Welt als bedrohlich erleben: Der Sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheits- und Veterinäramtes der Stadt. Häufig melden sich Betroffene nicht selbst, sondern Angehörige, Freunde oder Nachbarn greifen zum Telefon. Das Angebot ist kostenlos, alle Gespräche sind vertraulich, es gilt strikte Schweigepflicht. Rund 2000 Menschen mit psychischen Problemen nutzen Jahr für Jahr diesen Dienst.

Sozialpsychiatrische Dienste müssen in NRW alle Kreise und kreisfreien Städte vorhalten. Anders als in vielen Kommunen hat Münster zusätzlich noch einen spezialisierten Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst. “Jeder Vierte wird nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation in seinem Leben einmal psychisch krank”, sagt die städtische Gesundheitsdezernentin Stadträtin Cornelia Wilkens.

Menschen mit seelischen Erkrankungen sind vielen Belastungen ausgesetzt. Nicht immer finden sie zeitnah eine ausreichende fachliche Unterstützung. Konsequenz kann etwa sein, dass sie sich zurückziehen, Kontakte abbrechen, auf Ansprache gereizt reagieren, ärztliche und soziale Hilfe verweigern, sich mit Selbstmordgedanken tragen. Um die Probleme dieser Menschen aller Altersgruppen kümmert sich das 14-köpfige Team aus Sozialpädagoginnen, Sozialpädagogen und Ärztinnen. Es führt nicht selbst Therapiemaßnahmen durch, sondern berät, zeigt Lösungswege auf und vermittelt bei Bedarf an die richtigen Kooperationspartner.

“Die” psychische Erkrankung gibt es nicht, das Diagnose-Spektrum ist breit: Depressionen, Psychosen, Suchterkrankungen, Persönlichkeits-, Entwicklungs- und Verhaltensstörungen. “Im Einverständnis mit den Betroffenen suchen wir nach Strategien zur Bewältigung. Dazu können ärztliche Behandlung und soziale Hilfen in den Bereichen Wohnen, Beschäftigung und Freizeit gehören”, berichtet Dr. Annette Siemer-Eikelmann, im Gesundheitsamt Leiterin der Abteilung Psychische Gesundheit. Dabei arbeitet der Sozialpsychiatrische Dienst stadtteilbezogen, auch Hausbesuche sind möglich – auch als Krisen-Notdienst am Wochenende.

“Wir wollen den Menschen ein Leben in Selbstbestimmung und Eigenverantwortung erhalten”, so Dr. Siemer-Eikelmann. “So sind auch die gesetzlichen Vorgaben. Zum Beispiel rechtfertigt eine fehlende Bereitschaft, sich behandeln zu lassen, keine stationäre Unterbringung von Menschen gegen ihren Willen. Der Gesetzgeber hat im PsychKG die Möglichkeit zu Eingriffen in das Freiheitsrecht sehr eng ausgelegt – auch im Wissen, dass das mitunter das Zusammenleben von Kranken mit Angehörigen und Nachbarn vor Herausforderungen stellen kann.”

Kommt es zu einer psychiatrischen Notfallsituation, ist der Sozialpsychiatrische Dienst bei Bedarf jedoch zur Stelle und klärt noch am selben Tag die Gefährdungslage. “Selbst dann gelingt es uns sehr häufig, einen Weg ohne Anordnung von Schutzmaßnahmen und Unterbringung zu finden und die Betroffenen zu freiwilligen Maßnahmen zu ermutigen”, berichtet Sozialpädagoge Andreas Korn. Sicher, gelegentlich wird durch herausforderndes Sozialverhalten Betroffener das Verständnis ihres Umfeldes sehr gefordert und es kommt zu massiven Irritationen. “Auch der Sozialpsychiatrische Dienst und der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst können solche Konflikte nicht immer zur Zufriedenheit aller lösen”, weiß der Diplom-Sozialpädagoge.

Er gibt aber zu bedenken: “Menschen mit psychischer Erkrankung sind nicht ‘problematischer’ als solche mit körperlicher Erkrankung. Die absolute Mehrheit lebt friedlich, sozial angepasst und häufig bereichernd in und für unsere Stadtgesellschaft.”

Kontakt und Information:

www.stadt-muenster.de/gesundheit/psychische-gesundheit
Erwachsene: sozialpsychiatrie@stadt-muenster.de, 02 51/4 92-53 60
Minderjährige: sozialpsychiatriekj@stadt-muenster.de, 02 51/4 92-53 52


Krisennotdienst am Wochenende (Telefonschaltung über LWL-Klinik): 02 51/91 55 5-0