Tagesarchive: 18. September 2018

Warum Menschen Münster lieben – Lambertus

Staunende und verwunderte Gesichter gab es zuhauf, am gestrigen Montagabend in der Innenstadt von Münster. Von Touristen und neu hinzugezogenen Bürgern war oft die Frage, „Was ist da denn los?“, zu hören. Selbst die Geschäftsleute in der Innenstadt waren von den Menschenmassen am frühen Montagabend überrascht. Nach und nach wuchs die Menge auf mehrere hundert Kinder, mit ihren Eltern, an. Und aus allen Richtungen drang der Ruf „Kinder, kommt runter, Lambertus ist munter!“, durch die Straßen und Gassen der Stadt.

Sie versammelten sich, rund um den Lambertusbrunnen vor der Lambertikirche. Viele von ihnen hatten bunte Laternen mitgebracht, die in die große, mit Goldrute verzierte Lambertus-Pyramide vor der Kirche, gesteckt wurden. Münstersche Originale von der AZG – (Abendgesellschaft Zoologischer Garten) aus Münster, Münster Prominenz und die Heimatministerin Ina Scharrenbach, gesellten sich, gemeinsam mit derLandtagsabgeordneten Simone Wendland um den Festort. Dabei hatte dieser Besuch keinen politischen Hintergrund, sondern vielmehr das Erleben dieses über das Münsterland hinaus bekannten Brauchtums.

Pünktlich um 19 Uhr begann die Musik und die herbeigeströmten Kinder bildeten mehrere Kreise um die Pyramide. Hand in Hand, und jeder Kreis in abwechselnder Richtung geführt, wurde gesungen und gefeiert.

Hermann Rottmann spielt die alten Lambertuslieder.

Zum Höhepunkt des Abends kam der Bur mit seinem Lied „O Bur, wat kost‘ dien Hei“, und nach der ersten Runde sucht sich dieser ja bekanntlich eine Frau. Wer kam da naheliegender als die Ministerin? – Mit gehangen, mit gefangen, so sind die Bräuche bei uns im Münsterland. Und Strafe für die Räumung des Hambacher Forsts  musste auch sein. Dennoch gab es gestern Abend keine bösen Worte zu der Aktion. Im Gegenteil, die Ministerin schaffte es in einige Herzen der teilnehmenden Personen.

Auch sieht sie der Zukunft des Brauchtums sehr positiv entgegen. Dies bestätigt sich durch die wachsende Zahl der Familien, die diesen familienbindenden Brauch wieder für sich entdeckt haben. Dieser ist ohne jeden Zweifel Glaubens- und Konfessionsübergreifend. Auch wenn der Stadtteil Hiltrup zurzeit das Lambertus-Spiel pausieren lässt, um andere Formen, wie zum Beispiel den Martinsumzug zu testen, haben andere Institutionen und Örtlichkeiten die Kraft identitätsgebender Veranstaltungen längst begriffen.

Nicht umsonst widmet der Coppenrath Verlag im gerade erschienenen „Willkommen in Münster“-Buch, gemeinsam mit der Stadt Münster, dem Lambertusfest ganze zwei Seiten. Auch der Kinderliedermacher Detlev Jöcker zeigt Interesse an diesem Brauchtum.

Nach dem Spiel hatten die Kinder einen Riesenspaß beim gemeinschaftlichen Bummel mit ihren Eltern, die bunten Lambertus Laternen zwischen den Bögen der Geschäfte in der Innenstadt zu bewundern. Diese auf den ehemaligen Verkehrsdirektor der Stadt Münster, Theo Breider, zurückgehende Stadtmarketing Kampagne, ist bis heute einmalig und begeistert jedes Jahr mehrere tausend Besucherinnen und Besucher der Stadt.

Wenige Minuten nach dem eigentlichen Lambertus-Spiel, klangen vom Stadthausturm die Glocken mit den Lambertusliedern. Und wieder versammelten sich zahlreiche Menschen um mit ihrem Gesang, eine unvergleichliche Stimmung um Lichtermeer der Innenstadt zu verbreiten. „Ja hier fühl ich mich zu Hause, jetzt steht der gemütlichen Jahreszeit in der wohlig warmen Wohnung, nichts mehr im Wege“, erklärte ein Passant und sein Gesicht strahlte wie das der Kinder am Weihnachtsabend.

Das Brauchtum lebt im Münsterland, und die Kinder freuen sich ähnlich wie vor über zweihundert Jahren. Aber noch mehr freuen sich die Erwachsenen, die teilweise mit Tränenden Augen an ihre eigene Jugend erinnert werden. Zumindest wenn sie für eine Weile mit ihren Gedanken in der Vergangenheit verschwinden.


Hintergrund zum Lambertus-Spiel

Bis zum Jahr 1781 lässt sich beleghaft der Nachweis für das Lambertusfest führen. Im Mittelalter feierten hauptsächlich Knechte und Mägde dieses Fest mit Gesang und Tanz. Anders als oft beschrieben ist kein eindeutiger Nachweis auf einen kirchlichen Ursprung zu finden. Der Name „Lambert“ stammt aus dem Althochdeutschen und heißt „der im Land Berühmte“. Aber ob nun kirchlich oder weltlich, es ist den Menschen heute egal. Wichtig ist die Handlung an sich, der Spaß und die Freude am basteln der Laternen, und der Spaß mit den selbstgemachten Laternen singend durch die Straßen und rund um die Pyramiden zu ziehen.

„Was in Münster oft als Lambertus-Pyramide bezeichnet wird, nennt sich in Greven „Lambertusbaum“, so auch in Ochtrup und Teilen von Steinfurt. Im nahegelegenen Ascheberg sowie in Darfeld des Kreises Coesfeld, wird das Dreibein „Lambertusstuhl“ genannt In Havixbeck bezeichnet die Bevölkerung die Pyramide als „Lambertusbock“. Nach Überlieferungen wurde die Lambertus-Pyramide auch Ortsübergreifend als „Gelber Heinrich“ bezeichnet. Dies war der Eberraute mit seinen vielen gelbfarbenen Blütenköpfen geschuldet, die um das Gestell gewickelt wurde. Sicher ist: das auch als Käskenspiel bezeichnete Gemeinschaftsspiel, findet besonders durch den integrativen Gedanken, mehr Anhänger als in den Jahren zuvor.


Am Samstag, 22. September 2018, gibt es nach der Festmesse (18.00 Uhr), ein weiteres Lambertusspiel. -Sofern das Wetter mitspielt.

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