Neujahrsgruß aus Coesfeld

>> Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
liebe Leserinnen und Leser,

„Was Zorn nicht erreicht, schafft Milde oft leicht“ – dieser Spruch aus dem Markus-Evangelium war eines der ausgewählten Zitate, die im Mittelpunkt unserer Ausstellung „Demokraten für den Frieden“ standen. Ehrenamtlich engagierte Menschen im Kreis Coesfeld entschieden sich für persönlich bedeutsame Zeilen und wurden damit fotografisch porträtiert. Eine Auswahl dieser großformatigen Bilder konnten wir im Mai beim Katholikentag in Münster zeigen. Unsere überkonfessionelle Gemeinschaftsinitiative, die wir auch beim kommenden Kirchentag in Dortmund präsentieren wollen, ist heute wohl aktueller denn je. Wir brauchen das gemeinsame Einstehen aller Demokraten für Frieden und Freiheit in unserem Land – und in Europa insgesamt. Den Populisten am äußersten linken und rechten Rand des politischen Spektrums dürfen wir nicht das Feld überlassen. Vielmehr müssen wir ihnen mit Diskussionskultur, sachlichen Argumenten und festen Überzeugungen entschieden entgegentreten. Denn es geht um die Zukunft Europas. Leider war und ist in diesen Wochen und Monaten in der politischen Auseinandersetzung sehr viel Zorn zu spüren – man denke nur an die gewalttätigen Ausschreitungen in Chemnitz, den Protest der „Gelbwesten“ in Paris, an das dramatische Ringen um den Brexit im britischen Parlament oder an die Tiraden eines Donald Trump.

Gleichwohl konnten wir im Kreis Coesfeld die positive Entwicklung der letzten Jahre auch in 2018 aufgreifen und uns wichtigen Herausforderungen stellen. Es gibt zahlreiche kleine Orte, die Gefahr laufen, unattraktiv zu werden, da die Nahversorgung wegbricht und die Infrastruktur, Verkehrsanbindung und Mobilität zu wünschen übrig lässt. Diese Orte leiden zudem auch besonders unter den Folgen des demographischen Wandels – mit einer Bevölkerung, die immer älter wird. Der Kreis Coesfeld hat mit seinem Modellprojekt „Dorfzentrum 2.0“ zwei Jahre lang nach praktischen Lösungen gesucht – und konnte nun, unterstützt durch Bundesmittel, zukunftsfähige Ergebnisse präsentieren. Mit viel ehrenamtlichem Engagement und mit Unterstützung durch die Kreisverwaltung, die Städte und Gemeinden, durch externe Berater, aber auch durch unsere Wirtschaftsförderung konnten an den drei ausgewählten Pilotstandorten Dülmen-Merfeld, Olfen-Vinnum und Nottuln-Darup zukunftsfähige Umsetzungen realisiert werden. Merfeld und Vinnum freuen sich seit einigen Wochen über ihre neuen Dorfzentren. In beiden Ortsteilen ist es mit enormem persönlichen Einsatz der Beteiligten gelungen, moderne und mit viel Liebe zum Detail eingerichtete Dorfläden einzurichten – diese werden nun auch zu ganz wichtigen sozialen Treffpunkten.

Stichwort Digitalisierung: Die Verwaltung der Zukunft wird zweifellos anders aussehen als heute. Einige fragen sich: Werden die Bürgerinnen und Bürger irgendwann nicht mehr mit Menschen, sondern nur noch mit Algorithmen zu tun haben? Bei all der Digitalisierung ist mir besonders wichtig, dass auch der direkte Bürgerkontakt weiterhin dazu gehört und der Dienstleistungscharakter unserer Verwaltung weiter optimiert wird. Bei diesem ständigen Prozess kann uns die Digitalisierung unterstützen. Dazu haben wir jüngst ein Konzept einer zusammengefassten „Dienstleistungsmeile“ entwickelt, wo ganz unterschiedliche Bereiche mit hoher Publikumsfrequenz zentral im Kreishaus angesiedelt werden, so dass sich der Bürger nicht erst durch alle historisch gewachsenen Kreishäuser hindurchsuchen muss. Wenn die Antragsstellung dann künftig ganz elektronisch läuft, kann der Service ebenfalls weiter verbessert werden. So kann der Antragsteller dann online und direkt überprüfen, ob seine Unterlagen auch vollständig sind – das ist für alle Seiten von Vorteil. Auch die elektronische Akte spart Zeit, Aufwand und Platz – und macht die Verwaltung bürgernäher und flexibler.

Die neue Zentrale Ausländerbehörde für den Regierungsbezirk Münster hier zu haben, ist in vielerlei Hinsicht ein Gewinn – nicht nur, weil es den Behördenstandort Coesfeld stärkt, sondern weil dadurch auch die „Kommunale Familie“ bei uns im Regierungsbezirk insgesamt in dieser wichtigen Aufgabe eine professionelle Unterstützung durch das Land Nordrhein-Westfalen erfährt. Dadurch, dass sie innerhalb der Kreisverwaltung angesiedelt ist, ergeben sich wichtige Synergien – in der Zusammenarbeit mit Kommunalem Integrationszentrum, Jugendamt, Jobcentern, vor allem aber mit den übrigen kommunalen Ausländerbehörden, deren Arbeit wir nun flankierend unterstützen. Bemerkenswert ist auch, dass wir in 2018 die niedrigste Kreisumlage in ganz Nordrhein-Westfalen hatten, mit genau 349,54 EUR pro Einwohner.

Ich setze mich mit allen Kräften dafür ein, dass es uns gelingt, die überaus positive Entwicklung des Kreises Coesfeld der letzten Jahre und Jahrzehnte auch in 2019 mit Erfolg fortzusetzen, damit die Menschen auch weiterhin gern hier leben und arbeiten. Damit auch wir unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten, wünsche ich mir eine deutliche Reduzierung der CO2-Emssionen, die im Kreis Coesfeld zu einem Großteil aus dem Individualverkehr resultieren. Hier brauchen wir intelligente Lösungen, um den CO2-Ausstoß deutlich zu reduzieren, der Einsatz von E-Fahrzeugen kann hierzu einen kleinen Beitrag leisten. Ich wünsche mir aber auch weiterhin einen Kreis, der ländlich und durch eine nachhaltige Landwirtschaft geprägt und gestaltet wird, wie es seit Jahrhunderten bei uns der Fall ist. Gerade jungen Menschen sollte immer wieder neu bewusst werden, dass wir eine vielfältige, chancenreiche Region mitten im Herzen Europas sind – auf einem wunderbaren Kontinent, der von Frieden, Freiheit und Stabilität geprägt ist.

Ihnen und Ihren Angehörigen wünsche ich ein gutes Neues Jahr 2019 und Gottes Segen!

Herzliche Grüße
Ihr
Landrat
Dr. Christian Schulze Pellengahr<<