Prominente vor dem Tennengericht

Zwei ganz bekannte und prominente Angeklagte hat das Westfälische Tennengericht der KG Paohlbürger erwischt.

In Handschellen wird der Schlager-und Show-Star Robertó Blanco am 27.Januar um 13:11 Uhr neben weiteren Angeklagten auf der Anklagebank Platz nehmen. „81 Jahre als mußte ich werden, in Beirut und Madrid zur Schule gehen, viele Filme drehen und viele Schlager singen und auf tausenden von Bühnen stehen, ehe mich die Organisatoren des Tennengerichtes doch noch erwischten“, schmunzelte der berühmte deutsche Show-Star, der heute in Zürich wohnt.

Der Sohn eines kubanischen Künstler-Ehepaares wurde in Tunis geboren. 1956 kam Roberto Blanco nach Deutschland und spielte bereits ein Jahr später in seinem bekanntesten Film „Der Stern von Afrika“. Daneben sang er mit der berühmten Amerikanerin Josephine Baker. Die Filmkariere ging mit bekannten Filmen wie „Alle Menschen werden Brüder“ und der Erich Kästner-Verfilmung „Drei Männer im Schnee“ weiter. 1971 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft. Seine Schlagerkariere ging ebenfalls steil bergauf, er gewann auch die Deutschen Schlager-Festspiele. Mit dem „Puppenspieler von Mexico“ trat er oft in der berühmten ZDF-Hitparade auf.

1972 ersang er sich sein Markenzeichen. „Ein bischen Spass muß sein“ wurde zum berühmtesten seiner Hits, sein Lebensmotto war zementiert. Es begleitet ihn bis heute. „Mit dem Motto eines weiteren Hits wird meine Verteidigung vor dem Tennengericht sein. Heute so, morgen so, so war auch mein Leben“ erzählt der lebhafte Senior weiter. Er wird sicher viel aus seinem bewegten Leben erzählen, von seinen erfolgrechen Fernsehshows als Nachfolger von Rudi Carell mit „Am Laufenden Band“ und seiner eigenen Blanco-Show, die bis zu 50 % Einschaltquoten erzielte.

Mit Tränen in den Augen erzählte er von seinem ersten Besuch in der kubanischen Heimat seiner Eltern. Er durfte sogar in der weltberühmten Tropicana-Revue seinen eigenen Show-Block präsentieren. Roberto wohnte lange in München, daher seine politische Nähe zur CSU. Sein Motto „Wir Schwarze müssen zusammenhalten“, brachte ihm die Ehrenmitgledschaft dieser Partei ein. Das wird sicher ein Anklagepunkt vor dem Tennengericht sein. Sein sozialen Engagements für Obdachlose, für arme Kinder und für „Ärzte ohne Grenzen“ werden ihm aber viele Pluspunkte einbringen, so das vom Tennengericht bestimmt eine Strafe zur Bewährung verhängt wird.

Und Freunde des Stars sagen jetzt schon voraus: „Roberto wird mit seiner unverkennbaren Stimme, seinen unglaublich stimmungsvollen Schlagern, seinem unverwüstlichen Humor und seiner Redegewandheit das Tennengericht überzeugen, von einer Bestrafung abzusehen, vor allem dann, wenn er seine vielen Schlager präsentiert.


Redegewandt ist sie schon die, Grand Dame der Tagesschau, die ebenfalls am 27.Januar auf der Anklagebank des Westfälischen Tennengerichtes Platz  nehmen wird. Dagmar Berghoff war die erste deutsche Tagesschau-Sprecherin. Ihre Wortgewandheit wird sie sicherlich zu einer interessanten Angeklagten vor dem Spaßgericht machen. Mehr als 23 Jahre lang war sie abendlich als Sprecherin der Tageschau zu Gast in den meisten deutschen Wohnzimmern. Jetzt wird sie alle vor der Kamera gesammelten Erfahrungen aufbringen müssen, um wieder heil von der Anklagebank zu rutschen.

Sicher wird ihr der einstmalige Lachkrampf-Versprecher von 1988 nicht mehr passieren. Damals sprach sie von Boris Beckers Gewinn des WC-Turnieres, statt des WCT-Turnieres. Auch ihr Disput mit der englischen Prinzessin Lady Diana anläßlich eines Studio-Besuches des englischen Thronfolger-Paares in Hamburg war lange Gesprächsstoff. Damals erwies sich Dagmar Berghoff als „respektlos“ und erntete böse Blicke und Worte von Prinzessin Diana, weil Dagmar es gewagt hatte, sie ohne Aufforderung anzusprechen, was im englischen Königshaus streng gehandhabt wird.

Ob sie dies auch vor dem Tennengericht wagt?

Fast ihr ganzes Leben verbrachte die Grand-Dame der deutschen Tagesschau in Hamburg, nur unterbrochen von kurzen Studien-Aufenthalten in London und Paris. Danach standen drei Jahre Schauspiel-Studium auf dem Programm. Der berühmte Regisseur Dieter Wedel entdeckte sie für eine Rolle im Dreiteiler „Einmal im Leben“. Nach einigen Jahren als Hörfunk-Sprecherin im Südwesten Deutschlands kehrte sie nach Hamburg und zum NDR zurück.

„Was war das für ein Aufstand, ein Umdenken, Tausende Briefe habe ich erhalten nach meiner ersten Tagesschau-Sendung am 16. Juni 1976“, erzählt die elegante Dame noch immer begeistert. Doch negative Stimmen kamen auch. Doch im Januar 1995 wurde sie Chef-Sprecherin als Nachfolger des erkrankten Werner Veigel. Am 30.12.1999 war ihr letzter Auftritt bei der Tagesschau.

Vielseitig war sie schon, bewies sie doch Talkshow-Talent als Moderatorin erfolgreicher  Sendungen wie „ARD-Wunschkonzert“ und „NDR-Talk-Show“. Sie erhielt mehrfach höchste Auszeichnungen. Energisch wird sie aber dem Gerücht vor dem Tennengericht entgegentreten, das sie auch Sprecherin eines Navigations-Systems sei, und somit als Begleitung in deutschen Autos ständig mitfahre.

Ob das Tennengericht zu einer Verurteilung der mehrfachen „Bambi“ und „Goldene Kamera“- ausgezeichneten Tagesschau-Ikone kommen wird, scheint fraglich. Mit ihrer Redegewandheit und ihrem sicheren und glaubhaften Auftreten sowie ihrem Bekanntheitsgrad wird sie bestimmt die Sympathien der Zuschauer im Saal zur Seite haben. Wie sie schon vor vielen Jahren dem Tagesschau-Chef Karl Heinz Köpke widersprach, der die Meinung vertrat, Frauen könnten keine Nachrichten lesen, wird sie auch dem Tennengericht heftig widersprechen, sollte das der Meinung sein, nur weil einstmals eine andere Moderatorin sich versprach und fälschlicherweise von Schalke 05 sprach, könne es keine guten weiblichen Sprecher geben. Weitere Personen auf der Anklagebank sind Bernd Homann, Schäfer Heinrich und aus Düsseldorf Pangelis.