Ein-Mann-Bunker in den Südpark versetzt

– Jahrzehntelang stand das aus Beton gegossene, unscheinbare Bauwerk in einem privaten Gartenwinkel im Südviertel – unbeachtet hinter Sträuchern verschwunden und seiner zeitgeschichtlichen Bedeutung enthoben. Als im vergangenen Jahr umfangreiche Bauarbeiten auf dem Grundstück am Dahlweg vorbereitet wurden, entdeckte man den Ein-Mann-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg wieder. Als Grundstückseigentümerin wandte sich die Rudolph-von-der-Tinnen-Stiftung an die Stadt Münster. Gemeinsam setzten sich alle Beteiligten für den Erhalt des Kleinbunkers ein, der am Dienstag (26.2.) in den nahegelegenen Südpark versetzt wurde. Dort soll er durch seine öffentliche Präsenz mahnend an das Leiden und Sterben der Zivilbevölkerung im Zweiten Weltkrieg erinnern.

Der zwei Meter hohe und 1,50 Meter breite Ein-Mann-Bunker gehörte ursprünglich der Wäscherei “Edelweiß”, die bis 1966 am Dahlweg existierte. Er ist einer von den ab 1939 in großer Zahl hergestellten Kleinbunkern, die bei Luftangriffen vor umherfliegenden Bombensplittern schützen sollten. Nach der Kapitulation 1945 forderten die Alliierten mit den Entmilitarisierungsvorschriften für Deutschland die Zerstörung der Luftschutzbunker, zu denen auch die kleinen Fertigbauten gehörten. In Münster sind zwei weitere Ein-Mann-Bunker erhalten, die beide unmittelbar an einer Bahnlinie stehen (Richtung Amelsbüren und Richtung Coerde). Sie sind in die Denkmalliste eingetragen.

Die städtische Denkmalbehörde unterstreicht die zeitgeschichtliche Bedeutung der Ein-Mann-Bunker als “gebaute Geschichtsquellen”. Mechthild Mennebröcker: “Sie vergegenwärtigen die Extremsituationen, in denen sich die Zivilbevölkerung während der Bombardements befand. In diesem Sinne trägt auch der Ein-Mann-Bunker im Südpark dazu bei, dass Erinnern über Generationen hinweg möglich wird. Daher hat er einen klaren Mahnmalcharakter.” Eine Informationstafel erläutert demnächst die Bedeutung des Bauwerks und stellt den Bezug zum ursprünglichen Standort her.


Foto: Der Ein-Mann-Bunker stand viele Jahrzehnte in einem privaten Gartenwinkel im Südviertel. Foto: Drei Mitarbeiterinnen der Wäscherei “Edelweiß” am Dahlweg vor einem kleinen Betonbunker Anfang Juni 1944. Foto: Stadtarchiv Münster/ Stadt Münster