Münster muss für Radfahrer sicherer werden

– Insgesamt ereigneten sich im vergangenen Jahr 1322 Verkehrsunfälle, bei denen Beteiligte verunglückten, also getötet oder verletzt wurden. Von insgesamt 1.570 Verunglückten waren 863 Radfahrer, zwei Radfahrer starben und 861 Radfahrer wurden überwiegend leicht verletzt. “Das Verhältnis von 863 Verunglückten bei 910 Unfällen an denen sie beteiligt waren, zeigt drastisch, wie hoch das Risiko für Radfahrer in Münster ist”, erklärte Polizeirat Andre Niewöhner von der zuständigen Verkehrsdirektion. “Etwa ein Viertel der Unfälle ereignet sich ohne Beteiligung von Kraftfahrzeugen. Radfahrer untereinander missachten den Vorrang oder geraten beim Überholen auf schmalen Radwegen aneinander. Autofahrer verursachen rund die Hälfte der Radfahrerunfälle, insbesondere an Kreuzungen und Einmündungen. Es gibt in Münster nicht die eine Ursache oder den einen Schuldigen.”

Nach einem Rückgang 2015 steigen die Zahl der Radfahrerunfälle und die Zahl der verletzten Radfahrer kontinuierlich an, zuletzt über 100 Verunglückte mehr als im Vorjahr. “Für viele gute, international bewährte Verkehrskonzepte fehlt es in der schnell wachsenden Großstadt Münster schlicht an Platz”, ergänzte der Polizeipräsident.

“Die Stadt ist jedoch mit ihrer Zukunftsarena und dem Masterplan Mobilität auf dem richtigen Weg. Die damit verbundenen Einschränkungen müssen nicht jedem gefallen, aber ein Senken des allgemeinen Geschwindigkeitsniveaus oder das konsequente Bevorzugen schwächerer Verkehrsteilnehmer machen Sinn. Neben allen Konzepten hat für mich allerdings die Grundregel der Straßenverkehrsordnung höchstes Gewicht: Ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht!”

Immer mehr Radfahrer nutzen für ihre Fahrten Pedelecs, entsprechend nehmen auch die Unfälle zu. Im Jahr 2017 erfasste die Unfallstatistik 40 Unfälle mit Pedelecs, bei denen 37 Pedelec-Fahrer verletzt wurden. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Unfälle mit Pedelecs auf 77 und bei jedem Unfall wurden die Pedelec-Nutzer auch verletzt. “Die Pedelecs unterscheiden sich im Fahrverhalten deutlich von normalen Fahrrädern”, erläuterte Andre Niewöhner. “Gerade für ältere Menschen kann das Motor-unterstützte Radfahren eine sinnvolle Hilfe im Alltag sein. Es ist aber zugleich eine Herausforderung, denn auch ein kontrolliertes Bremsen muss erst erlernt werden.”

Mittlerweile gibt es in Münster einige Anbieter für ein Fahrradtraining auf dem Pedelec. Zusammen mit der sinnvollen Ergänzung aus Fahrradhelm und Warnweste sind so ein sicheres Fahren und ein guter Schutz gewährleistet.

Während die Anzahl der Verletzten bei Unfällen unter Beteiligung von Pkw-Nutzern auf 395 (-31) gesunken ist, stieg die Anzahl der verletzten jungen Erwachsenen (18-24 Jahre) auf 285 (+32) und die der verunglückten Senioren auf 222 (+26). “Bei nahezu gleichen Unfallzahlen zur Nutzung von Kraftfahrzeugen ist die Zunahme der Verunglückten in den beiden Altersgruppen klar auf die gestiegenen Radfahrerunfälle zurückzuführen”, begründete der Polizeirat. “Nur die Beteiligung von Kindern an Verkehrsunfällen begegnet diesem Trend mit einer positiven Entwicklung.” Die Zahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Kindern ist seit Jahren rückläufig und liegt mit 92 (- 9) verunglückten Kindern erstmalig unter 100.

Andre Niewöhner nutzte die Pressekonferenz auch für einen Appell zum Beginn der närrischen Tage: “Die Verkehrssicherheit wird durch Alkohol erheblich beeinträchtigt, auch und gerade beim Radfahren. Wer mit Alkohol feiert, sollte den sicheren Heimweg mit Bus und Taxi antreten”, mahnt der Polizeirat.

In den Tagen zwischen Weiberfastnacht (28.2.) und Aschermittwoch
(6.3.) kontrolliert die Polizei Münster wieder verstärkt auf den Straßen Münsters. Trotz aller Warnungen haben die Beamten während der Karnevalstage im vergangen Jahr alkoholisierte Fahrzeugführer festgestellt, von denen zwei direkt ihren Führerschein abgeben mussten.

Die gesamte Bilanz ist auf der Homepage der Polizei Münster abrufbar:
www.muenster.polizei.nrw/verkehrsunfallstatistik-stadt-muenster-2018