Vorsicht vor dem Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner, dessen Raupen für Mensch und Tier gefährlich werden können, verbreitet sich seit einigen Jahren auch in Münster massiv – trotz aller Bekämpfungsaktionen. “Im Jahr 2016 haben wir rund 800 Gespinste beseitigt, 2017 waren es schon 2000 und im vergangenen Jahr stieg die Zahl auf mehr als 6000”, berichtet Stadtförster Hans-Ulrich Menke. Um effektiver gegensteuern zu können, geht die Stadt nun neue Wege: Ab Ende April / Anfang Mai, wenn die Eichenblätter austreiben, werden rund 1000 Eichen an einigen Straßenzügen im südwestlichen Stadtgebiet sowie am Heumannsweg, in Handorf und Gelmer von einem Hubsteiger aus mit einem Biozid besprüht. Die Arbeiten übernimmt eine erfahrene Fachfirma, die seit Jahren vergleichbare Aktionen am Niederrhein durchführt. Während der Bekämpfungsaktionen kann es zu kurzfristigen Straßensperrungen und Behinderungen kommen.

Da das Biozid ab dem dritten Larvenstadium seine Wirksamkeit zunehmend verliert, hat die Stadt außerdem Verträge mit drei Fachfirmen geschlossen, die die Raupen des Eichenprozessionsspinners mechanisch – vor allem durch Absaugen – bekämpfen. Die Firmen arbeiten mit Unterstützung von Hubsteigern in vier Kolonnen im gesamten Stadtgebiet. Zusätzlich setzt die Stadtverwaltung zwei eigene vom Boden aus arbeitende Kolonnen für die kurzfristige Bekämpfung von Raupen und Gespinsten bis zu einer Höhe von etwa fünf Metern ein. 

Zahlreiche besorgte Bürgerinnen und Bürger haben sich bereits bei der Stadt gemeldet, auf Nester hingewiesen und sich nach möglichen Gefahren erkundigt. Die Stadt rät, auf jeden Fall Abstand von befallenen Bäumen zu halten und entsprechende Hinweisschilder unbedingt zu beachten. Kinder sollten darauf hingewiesen werden, dass Raupen und Gespinste nicht berührt werden dürfen.

“Wenn Menschen oder Tiere mit den Brennhaaren, in Kontakt kommen, kann es innerhalb von Stunden zu Beschwerden wie Juckreiz, Hautrötung und Bläschen kommen”, erläutert Dr. Norbert Schulze Kalthoff, Leiter des städtischen Gesundheitsamtes. “Auch Reizungen der Augenbindehaut oder im Mund- und Rachenraum sind möglich. Oft klingen die Beschwerden nach etwa zwei Tagen ab.” Das Gesundheitsamt stellt Schulen und Kitas ein Informationsblatt zum Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner zur Verfügung. Die sehr feinen Haare der Raupe, die ein Eiweißgift enthalten, können beim Menschen eine Raupendermatitis auslösen.  Diese kann sich in drei verschiedenen Erscheinungsbildern zeigen:

  • Kontakt-Urtikaria (Quaddeln)
  • toxische irritative (Reiz auslösende) Dermatitis (Hautentzündung)
  • anhaltende Papeln (Knötchen), die oft an Insektenstichreaktionen erinnern.

Tausende Nester nur in Münster

Die Nester, in denen die Raupen unterschlüpfen, kleben an Eichenstämmen, vorzugsweise an Astgabeln. Bereits seit Pfingsten sind Mitarbeiter des Grünflächenamtes und beauftragte Firmen im Einsatz, um die Nester zu entfernen. Vorrangig stehen Nester an Kindergärten und Schulen auf dem Programm. “In den nächsten Tagen und Wochen werden wir nach einer Prioritätenliste viele weitere Nester beseitigen”, sagt Franz-Josef Gövert. “Aber nicht in jedem Fall ist es notwendig, das Nest zu entfernen.”

Die Gesamtzahl der Gespinste gehe mittlerweile in die Tausende. Allein an Münsters Straßen stehen rund 13 000 Eichen. Wer den Eichenprozessionsspinner auf seinem privaten Grundstück entdeckt, sollte sich an eine Fachfirma wenden.

In Münster explodiert das Verbreitungsgebiet
Seit den 1990er Jahren vergrößert der Eichenprozessionsspinner sein Verbreitungsgebiet nicht nur in Deutschland. In Münster tauchten die ehemals hier heimischen Raupen 2013 nach langer Zeit erstmals wieder auf. Seither kontrollieren Mitarbeiter des Grünflächenamtes die verdächtigen Bereiche jedes Jahr besonders intensiv. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai / Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

Natürliche Feinde
Die natürlichen Feinde des Eichen-Prozessionsspinners sind neben Wanzen, Schlupfwespen, Raupenfliegen, auch  der Kuckuck und viele räuberische Käfer.


Hinweise

Das vom Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit erarbeitete Konzept zur intensiven Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners hat der Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen im November 2018 beschlossen.

Der Eichenprozessionsspinner ist ein heimischer Nachtfalter, der die Wärme liebt. Seine Larven ernähren sich von den Blättern der Eiche und finden sich vor allem auf einzeln stehenden, von der Sonne beschienenen Bäumen und in lichten Wäldern. Für den Menschen gefährlich sind die Haare der Raupen vom dritten bis sechsten Larvenstadium (Mai, Juni). Sie setzen sich unter anderen an Kleidern und Schuhen fest und lösen bei Berührungen häufig toxische, pseudoallergische Reaktionen aus. Die (fast unsichtbaren) Brennhaare dringen leicht in Haut und Schleimhäute ein und können sich dort verhaken.

Nester an Schulen, Kindertagesstätten, Spiel- und Sportplätzen oder an Wohnstraßen in Reichweite von Kindern werden möglichst zeitnah beseitigt. “Durch regelmäßige Kontrollen  kennen wir die besonders sensiblen Bereiche im Stadtgebiet”, sagt Hans-Ulrich Menke. “Es ist daher nicht mehr notwendig, jeden einzelnen Fund beim  Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit zu melden.” Er weist ausdrücklich darauf hin, dass eine flächendeckende Beseitigung aller Raupen und Gespinste – auch an Waldwegen oder im Außenbereich – nicht möglich ist.

Sind die betroffenen Bäume in privatem Besitz, müssen die Eigentümer die notwendigen Maßnahmen veranlassen.
Weitere Informationen gibt es im Stadtportal unter: www.stadt-muenster.de/umwelt/baeume/baumkrankheiten.  


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Bildrechte: CC BY-SA 3.0


Gyorgy Csoka, Hungary Forest Research Institute, Bugwood.org – This image is Image Number 5371232 at Insect Images, a source for entomological images operated by The Bugwood Network at the University of Georgia and the USDA Forest Service.
Daniel Ullrich, ThreedotsRaupendermatitis am Arm Kleuske Falko Seyffarth (“FWHS“) Stoeberhai Gespinst an einer Eiche