Erster Preis für Schulprojekt aus Greven

Es ist nicht nur in Fachkreisen eine großartige Leistung, was da von der Anne-Frank-Realschule aus Greven nun für Nachrichten um die Welt gehen. Nachrichten, die mit dem ersten Preis und einem unvergesslichen Abenteuer auf der Schulbank belohnt wurden. Nebenbei wurde alle anderen Schulen in NRW in den Schatten gestellt.

Doch fangen wir am Anfang an:
Das Projekt Bang-Tex aus Hövelhof, beschäftigt sich mit der großen Herausforderung, der heimische Metall- & Textilindustrie zu einem besseren Image und vor allem zur Sicherung von zukünftigen Ausbildungs-, sowie Fachkräftebedürfnissen zu verhelfen. Denn Textil bedeutet ganz und gar nicht immer Bangladesch, sondern steht in der Vielzahl für erstklassige Produkte regionaler Produktionsbetriebe. Damit kommt der Hövelhofer Verein BANG ins Spiel, „Berufliches AusbildungsNetzwerk im Gewerbebereich“.

Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfonds gefördertem Jobstarter-plus-Projekt wurde an allen Schulen in NRW ein Ballonwettbewerb ausgeschrieben. Die Aufgabenstellung lautete, „als Team einen fahrfähigen Modellheißluftballon zu bauen“. Und um es kurzzumachen, die Anne- Frank-Realschule aus Greven war als einzige Schule in NRW innovativ und mutig genug, diese Ausschreibung in letzter Minute anzunehmen und gemeinsam mit motivierten Schüler-Arbeitsgruppen der Klassen 8 & 9, umzusetzen.

Karola Bolte, Gabriele Sürig und Wolfgang Eickmeyer

Das Zauberwort zur Aktion war „Technisches Textil“, also besondere Textilien, die wie in diesem Beispiel, extrem Hitzebeständig sind. „So ein Ballon wird mitunter ganz schön heiß“, erklärt die Textil-Fachfrau Gabriele Sürig.

Schnell sahen sich die Verantwortlichen der Schule den Schwierigkeiten gegenüber gestellt. Die Aufgabe, einen Ballon herzustellen und zum Fahren zu bewegen, ist ohne Vorkenntnisse alles andere als einfach.

Schul-Projektleiterin Karola Bolte, war, durch frühe Jugenderlebnisse mit dem Virus der Luftfahrt infiziert und fragte sich in Ballon-Fachkreisen nach Informationen durch. Doch mit wem sie auch sprach, immer wieder wurde ihr der Name Eickmeyer in Greven genannt. Eine Familie, die sich mit über 2500 Ballonfahrten und einen unermüdlichen Einsatz für den Ballonsport, diesen erstklassigen Namen in der europäischen Szene erarbeitet hat. Die Eickmeyers sind nicht nur Experten der Luftfahrt, sondern leben ihr Hobby bis ins Detail. Sie wohnen quasi in einem privaten Luftfahrt-Museum inmitten von Greven.
Große Überredungskünste brauchte es bei dieser Ballon-verrückten Familie natürlich nicht und schon konnte das Projekt unter fachkundiger Beratung über die Bühne gehen. Doch der Anfang war schwer. Sponsoren für das Schulprojekt zu finden war trotz des Fachkräfte-Hintergrundes zuerst sehr schwierig. Eigentlich hätte man vermutet, die Industrie steckt mehr in den Aufbau zukünftiger Fachkräfte. Doch kaum ein Unternehmen hatte hierfür ein offenes Ohr.

Hilfe kam wieder durch die Eickmeyers, denn deren Kontakte in die Niederlande brachte den Durchbruch. Von dort spendete ein Ballonausrüster eine alte Ballonhülle. Diese konnte nun von den 13. Schülerinnen und Schülern der Projektgruppe zerschnitten und neu vernäht werden.
Dafür wurden inklusive der mitmachenden Lehrer, rund 1206 Stunden Arbeit (Lebenszeit), plus viele weitere private Stunden außerhalb der Schule, investiert.

Ein paar Details zur Arbeit:
– Nahtlänge einer Seite ca. 8,90 m, die jeweils 20 mal vernäht werden musste.
– Anzahl der vernähten Stoffteile: 81 Stück
– Höhe des Ballons: 8 m
– Durchmesser: 5,20 m
– Gesamtvolumen des Ballons: 80 qm3 (Kubikmeter) = 80.000 Liter.

Eine sehr beachtliche Leistung. Und so brachte diese fleißige Leistung auch den ersten Preis und einen Scheck in Höhe von 1500,- Euro. Dieses Geld soll nun in ein Anschlussprojekt investiert werden, denn zu einer Ballonhülle gehören natürlich auch ein Korb, Gasflaschen, Brenner und die erforderliche Fernsteuerung. Sponsoren, die die zukünftigen „Fachkräfte“ motivieren wollen, sind in der Anne-Frank-Realschule natürlich gern gesehen.

Für die Schülerinnen und Schüler, sowie die Lehrkörper der Anne-Frank-Realschule, steht nach der erfolgreichen Aufrüstung und Taufe am vergangenen Mittwoch in der Schul-Sporthalle eines fest: Auf Schulfesten soll der eigene Ballon, der auf den Namen „D-GERDA“ getauft wurde, zukünftig stolz präsentiert werden.
Doch zuvor dürfen die Ballonbauer nach und nach in einem echten Ballon die Welt, gemeinsam mit den Eickmeyers, von oben bewundern. Die Ballonhülle soll bei gutem Wetter auch auf der kommenden Montgolfiade in Münster (24.August 2019), gezeigt werden und am Ballonglühen zu Ehren der Anne-Frank-Realschule teilnehmen.

Günter Breuninger vom Projektteam BANG Tex: „Mit dem Ballon-Wettbewerb soll Schülerinnen und Schüler in NRW eine fundierte Berufsorientierung ermöglicht werden, die sie aktiv und praxisnah an das Arbeiten mit technischen Textilien heranführt“. Im Blick auf das, was die Grevener geleistet haben, zeigt er sich tief beeindruckt: „Das der Ballon und die Vorbereitungen solche Ausmaße angenommen haben, hatten wir uns im Vorfeld nicht vorgestellt. In Greven haben alle vorbildlich an einem Strang gezogen. Unser Respekt gilt den Verantwortlichen.“