Ärztliche Versorgung in Westbevern und Telgte dauerhaft sichern!

Grundbedingung für ein zufriedenstellendes Sicherheitsgefühl in Wohnumfeldern, ist eine gute allgemeinmedizinische und fachärztliche Versorgung für das gesamte Umkreisgebiet Telgte. Nach aktuellen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe liegt die Anzahl der Ärztinnen und Ärzte in Telgte zwar bei dreizehn – ein genauerer Blick zeigt aber, dass davon längst nicht alle regulär praktizieren, dass einige dieser Ärzt/innen nur teilzeitpraktizierend sind, und dass mehr als die Hälfte dieser Ärzt/innen älter als 60 Jahre alt sind [davon 2 über 70 Jahre, 4 über 65 Jahre!]. Für eine dauerhaft gute ärztliche Versorgung in Telgte läuft den Menschen die Zeit weg! – Bemängeln Kritiker.

Aufgrund einer mündlichen Anfrage in der jüngsten Ratssitzung zur ärztlichen Versorgung in Telgte und im Ortsteil Westbevern hat die Verwaltung einen Aufruf entworfen, mit dem sich die politischen Gremien nach der Sommerpause befassen werden. Nachfolgend veröffentlichen wir den Aufruf in ungekürzter Form:
Aufruf „Ärztliche Versorgung in Westbevern und Telgte dauerhaft sichern!“

Eine gute allgemeinmedizinische und fachärztliche Versorgung ist für das gesamte Stadtgebiet Telgte von großer Bedeutung. Nach aktuellen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe liegt die Anzahl der Ärztinnen und Ärzte in Telgte zwar bei dreizehn – ein genauerer Blick zeigt aber, dass davon längst nicht alle regulär praktizieren, dass einige dieser Ärzt/innen nur teilzeitpraktizierend sind, und dass mehr als die Hälfte dieser Ärzt/innen älter als 60 Jahre alt sind [davon 2 über 70 Jahre, 4 über 65 Jahre!].
Für eine dauerhaft gute ärztliche Versorgung in Telgte läuft uns die Zeit weg!

Konkret plant etwa der in Westbevern praktizierende Hausarzt, seine Praxis in absehbarer Zeit aus Altersgründen aufzugeben. Die Suche nach einer Nachfolge ist bisher erfolglos geblieben. Damit droht in Westbevern ein wohnortnaher Verlust der ärztlichen Grundversorgung! Auch andere ältere Ärzt/innen können – ohne Ihre Patienten einfach auf die Straße zu setzen – nicht einfach den Schlüssel ihrer Praxen abziehen und nach Hause gehen.

Und ein „Praxissterben“ hat immer auch Auswirkungen auf die versorgenden Apotheken. Sollte es z. B. in Westbevern in naher Zukunft keinen Hausarzt mehr geben, ist auch die wirtschaftliche Grundlage für die im Ortsteil ansässige Apotheke nicht mehr gegeben. Dies bedeutet, dass die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit akut bzw. dringend benötigten Medikamenten nicht mehr wohnortnah möglich ist – hier droht ein gefährlicher Schwund an Versorgungsqualität.

Zugleich hat der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen für Westfalen-Lippe mit einem Beschluss vom 21.05.2019 den sogenannten „Mittelbereich Warendorf“, zu dem auch Telgte zählt, als überversorgt ausgewiesen und daher mit einer Zulassungssperre versehen.
Es kann nicht sein, dass eine drohende ärztliche Unterversorgung erkennbar ist, und die Kassenärztliche Vereinbarung die Situation aufgrund eines starren Zahlenrasters mit dem Begriff „überversorgt“ schön redet.

Die sehr restriktiven und langwierigen Zulassungsverfahren der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe für Ärztinnen und Ärzte werden der aktuellen Bedarfslage – insbesondere auch wegen der erkennbaren demografischen Entwicklung – nicht mehr gerecht und lassen eine schleichende ärztliche Unterversorgung des Standortes Telgte befürchten.

Daher fordert der Rat der Stadt Telgte gemeinsam mit den unterzeichnenden Bürgerinnen und Bürgern

 eine bedarfsgerechte Zulassung von Haus- und Fachärzt/innen in Telgte

 die dauerhafte Sicherstellung der ärztlichen Grundversorgung in Westbevern und in der Kernstadt Telgte

 ein offensives Anreizprogramm für den ärztlichen Nachwuchs, Arztpraxen ggf. auch als Team zu übernehmen

 eine Aufhebung des starren Zulassungssystems der Kassenärztlichen Vereinigung, das zur Feststellung des Ärztebedarfes nicht auf das Alter der praktizierenden Mediziner/innen oder die Strukturen der bestehenden Arztpraxen schaut, sondern allein auf die Anzahl der zugelassenen Ärztinnen und Ärzte.


Bild: Beispielbild