“Public Matters”: Die Öffentlichkeit zählt

Öffentlichkeit und Teilhabe sind Grundlagen jeder Demokratie und einer offenen Gesellschaft. Sie bestimmen auch die Positionierung und Entwicklung eines ungewöhnlichen Ausstellungsformats: der Skulptur Projekte in Münster. In einem dreijährigen Forschungsprojekt zum Skulptur Projekte Archiv, gefördert von der Volkswagen-Stiftung, befasst sich das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zusammen mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in einer Publikation mit Zusammenhängen von Kunst und Öffentlichkeit.

“Public Matters” macht bisher nicht publiziertes Archivmaterial zugänglich und “markiert die Öffnung des Skulptur Projekte Archivs für die Wissenschaft und die Öffentlichkeit”, so Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold. Zur Buchpräsentation und zur Ausstellung “The Public Matters” im Lichthof des LWL-Museums am Donnerstag (28.11.) um 19 Uhr ist die Öffentlichkeit eingeladen.

Wie wird Öffentlichkeit heute verhandelt und was hat das Feld der Kunst ihr hinzuzufügen? Wo tritt Kunst selbst als öffentlicher Raum in Erscheinung? Wie fordern Künstlerinnen Methoden wie Performances oder Workshops mit neuen Praktiken heraus und welche Begriffe von Öffentlichkeit werden darin reflektiert? Welche Rolle spielt heute die Institution Museum für die Öffentlichkeit? Seit Frühjahr 2017 setzt sich eine Forschungsgruppe mit dem Bestand des Skulptur Projekte-Archivs und Fragen wie diesen auseinander.

Die Volkswagen-Stiftung fördert die Kooperation zwischen LWL-Museum für Kunst und Kultur und dem Institut für Kunstgeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität: die Archivbestände werden bearbeitet und vermittelt, der Grundstein für eine Forschungsstelle am Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) wird gelegt.
Hermann Arnhold: “Das Skulptur Projekte Archiv ist in vielerlei Hinsicht ein ‘Speicher’. Durch das Forschungsprojekt zum Skulptur Projekte-Archiv bietet sich erstmals die Möglichkeit, den Bestand in der Tiefe zu erfassen, zu bearbeiten und zu vermitteln. Forschungsprojekt und Publikation stärken das Museum als einen Ort der Forschung für alle.”

Mit dem programmatischen Titel “Public Matters. Debatten und Dokumente aus dem Skulptur Projekte Archiv” liegt nach der fünften Ausgabe der Skulptur Projekte eine umfangreiche Publikation vor, die Zusammenhänge von Öffentlichkeit und Kunst behandelt.

Das Ausstellungsprojekt “The Public Matters” umfasst eine von dem Kollektiv “Projekt 2077” entwickelte audiovisuelle, raumgreifende Installation. Auf der Grundlage von Archivalien wie Fotografien, Entwurfsblättern, Korrespondenzen sowie Ton- und Filmmaterial aus dem Skulptur Projekte Archiv entwickeln die 14 Künstler eine Idee von den Skulptur Projekten im Jahr 2077.

Diese Idee binden sie in ein utopisch-dystopisches Szenario ein: Sie kreieren ein Setting, in dem Staatsgrenzen aufgrund tiefgreifender sozio-ökologischer Umwälzungen nicht mehr in der heutigen Form existieren, Nationenzugehörigkeit und Länderflaggen ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben und nahezu alle Menschen Migranten sind. Es herrscht das Matriarchat, Kuratorinnen heilen die Welt. Um diese Vormachtstellung der Frauen zu durchbrechen, laden die Kuratorinnen der Skulptur Projekte 2077 sieben ausschließlich männliche Künstler ein und wiederholen damit die Geschlechterverteilung der Skulptur Projekte aus dem Jahr 1977.

Als ehemaliger Eingangs- und Sammelpunkt des Museums wird der Lichthof im Altbau zum Forum. Umlaufende Sitzgelegenheiten ermöglichen nicht nur, sich in die Publikation zu vertiefen, sondern auch gemeinsam zu diskutieren: Von Podiumsdiskussionen und Gesprächen mit Künstlerinnen über universitäre Seminare und Lesungen bis hin zu Poetry Slams und Performances – während der Ausstellungslaufzeit von fast einem Jahr können kritische Perspektiven zum Thema ‘Öffentlichkeit’ diskutiert werden und eine rege Debattenkultur einleiten.