Altersarmut – Wir haben es in der Hand!

Dem DGB liegt für 2018 eine aktuelle regionale Auswertung des Arbeitsmarktes durch die Agentur für Arbeit in Hinblick auf Niedriglohn vor. Demnach arbeiteten in Münster 15.606 Personen und damit jeder siebte Vollzeitbeschäftigte zum Niedriglohn. Hierzu wurden alle die gezählt, die weniger als 2.203 € verdienen. Die geschlechterdifferenzierte Betrachtung ist ebenfalls aufschlussreich und bestätigt die noch lange nicht erreichte Gleichstellung. Lediglich 34% aller Vollzeitbeschäftigten waren Frauen. Obendrein waren Frauen im Niedriglohnbereich überproportional betroffen, jede fünfte vollzeitbeschäftigte Frau arbeitete unterhalb der Niedriglohnschwelle. Ebenfalls wurde die geringfügige Beschäftigung ausgewertet. 39.755 Menschen arbeiteten in Münster in dem sogenannten Mini-Job-Verhältnis, wobei jeder dritte geringfügig Beschäftigte dies nebenberuflich tat, da anscheinend ein Lohn zum Leben nicht reichte. Trotz guter Wirtschaftslage ist dieses Beschäftigungsverhältnis prekär sowie schlechter entlohnt und deckt nicht die Lebensunterhaltungskosten.

„Wir als DGB fordern seit langem eine grundlegende Reform der Mini-Jobs, statt über eine Erhöhung der Einkommensgrenzen zu diskutieren. Neben dem unerkannten schlummernden Fachkräftepotential ist diese Grenze von aktuell 450 Euro eine Arbeitszeitfalle. Sie hält viele Menschen davon ab, mehr zu arbeiten, obwohl sie es gerne möchten. Obendrein wird den Beschäftigten die Befreiung von der Versicherungspflicht immer noch als Erleichterung verkauft. Dabei ist das ein faules Ei, denn die 87%, die heute auf die Rentenbeiträge für ein bisschen mehr Geld verzichten, müssen dies mit geringem sozialen Schutz im Alter teuer bezahlen.“, kritisiert der DGB-Stadtverbandsvorsitzende Peter Mai die aktuellen Regelungen. „Statt des Wegfalls der Sozialversicherungsbeiträge fordern wir die Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro Einkommen, mit Sonderregelungen zur Finanzierung der Beiträge im unteren Einkommensbereich.“

Doch nicht nur für die Betroffenen ist der Niedriglohn von Nachteil. Um über die Runden zu kommen, waren in Münster über 3.500 Erwerbstätige auf zusätzliche staatliche Leistungen angewiesen. „Der Wettbewerb um Aufträge wird hier auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen, der schnell unfair wird, wenn sich manche Mitbewerber durch den Abschied aus der Tariflandschaft und durch Niedriglöhne Marktvorteile verschaffen. Die Zeche für dieses Lohn- und Sozialdumping zahlen am Ende die Steuerzahler“ empört sich Stadtverbandsvorstand Carsten Peters. „Es ist ein Skandal, dass sich Deutschland zum größten Niedriglohnsektor in Europa und sich so zum Exportweltmeister entwickelt hat. Ein ökonomischer Musterschüler würde mit einer ausgeglichenen Handelsbilanz und mit hohen Löhnen für eine gute Binnennachfrage sorgen.“