Frische Landluft: Berufsstand bittet um Verständnis in der Bevölkerung

Frühjahrsdüngung: Technik garantiert optimale und bodenschonende Düngung

Münster <WLV> Wenn es momentan auf den Feldern “riecht”, dann hat das einen Grund: Die Landwirte in Münster düngen in diesen Tagen ihre Pflanzen. Die Düngung mit Gülle und Mist bietet Getreide und Gras zu dieser Jahreszeit Nahrung und versorgt sie mit den notwendigen Nährstoffen. Das Wintergetreide hat im Frühjahr bereits eine Startdüngergabe erhalten, damit das Pflanzenwachstum richtig beginnen konnte. In diesen Tagen steht die Vorbereitung der Ackerflächen für die Sommerungen an. „Gülle und Mist aus der Tierhaltung und Gärreste aus der Biogasgewinnung sind für uns Bauern wertvolle Naturdünger, mit denen wir Nährstoffkreisläufe schließen. Was dem Boden durch die Pflanzen entzogen wird, muss wieder zugeführt werden“, sagt Susanne Schulze Bockeloh, Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster.

Helmut Greiwing, Landwirt aus Münster-Sprakel, ist in diesen Tagen im Dauereinsatz. Als Lohnunternehmer bringt er im Auftrag seiner Berufskollegen Dünger und Saat auf den Feldern aus. „Wegen des vielen Regens zu Beginn des Jahres waren die Felder lange nicht befahrbar. In den Vorjahren konnten wir mit den nun anstehenden Feldarbeiten früher beginnen. Die erwarteten wärmeren Temperaturen werden das Wachstum der Pflanzen begünstigen, daher bringen wir den Dünger idealerweise vorher aus“, berichtet der 34-jährige Helmut Greiwing. „Meine Kunden setzen zunehmend auf eine bodennahe Gülleausbringung, die ich dann mit Schlitzgerät, Schleppschuh- und Strip Till-Technik übernehme. Dadurch werden Immissionen erheblich vermindert und wir schützen die Gewässer, weil die Düngung nur dort hingelangt, wo sie hin soll, nämlich an die Pflanzenwurzeln“, so Greiwing.

Bei der Gülleausbringung haben Landwirte sowohl die gesetzlichen Regelungen im Blick als auch den Nährstoffbedarf der Pflanzen. Im Winter beispielsweise darf keine Gülle ausgefah
werden, denn in dieser Zeit wachsen die Pflanzen nicht und benötigen somit auch kaum Nährstoffe. Was den Pflanzen hilft, lässt manchen Bürger die Nase rümpfen. „Wir bitten bei unseren Mitbürgern um Verständnis, wenn es hier und da einmal ‚duftet‘“, macht Susanne Schulze Bockeloh deutlich. „Wir bringen die Gülle nach Möglichkeit nicht am Wochenende auf, wenn die Münsteraner spazieren gehen wollen oder die Windrichtung sehr ungünstig für die Einwohner ist“, sagt die Kreisverbandsvorsitzende.

Gülle wird nicht einfach auf Äckern entsorgt, sondern sehr bewusst als wertvoller Dünger genutzt und der Einsatz zuvor genau berechnet. Mithilfe moderner Technik wird die Gülle passgenau und je nach Bedarf auf das Feld ausgefahren. Dabei machen sich die Landwirte seit vielen Jahren für den Natur- und Umweltschutz stark und arbeiten wasserschonend, sodass kein Nitrat ins Grundwasser gelangt. Verschiedene Verfahren und Maschinen stehen dafür auf den landwirtschaftlichen Betrieben zur Verfügung. Immer mehr Landwirte nutzen vor dem Kartoffelpflanzen und der Maisaussaat auf ihren landwirtschaftlichen Flächen eine neue Methode: Das Strip Till-Verfahren. Hierbei wird im leichten Boden lediglich ein schmaler Ackerstreifen eingezogen und dabei die Gülle direkt ins Erdreich gepresst. So können die Gerüche im Gegensatz zur herkömmlichen Düngung mit spritzenden Pralltellern um 95 Prozent reduziert werden. Der Düngestoff wird passgenau rund zwölf Zentimeter tief eingebracht, sodass Streuverluste vermieden werden. Die Wege des Treckers auf dem Feld werden auf einem GPS-Chip gespeichert, damit das Gespann ein paar Tage später bei der Aussaat der Pflanzen exakt die gleichen Spuren auf dem Acker findet. „Das schont den Boden, verbessert den Wasserhaushalt und schützt vor Erosion, außerdem steigert Strip Till die Regenwurmaktivität und den Humusaufbau“, berichtet Ackerbauer Helmut Greiwing. Regelmäßige Bodenuntersuchungen im Labor geben den Landwirten wertvolle Hinweise, wie viel pflanzenverfügbare Nährstoffe im Boden vorhanden sind, sodass – unter Achtung der Düngeverordnung – ausschließlich der jeweilige Pflanzenbedarf gedeckt wird.

Hintergrundinformation zur Ausbringung von Gülle: Die Ausbringung dieser sogenannten Wirtschaftsdünger wird gesetzlich durch die Düngeverordnung geregelt. Deren korrekte Umsetzung wird überwacht von der Landwirtschaftskammer NRW. Die Landwirtschaftskammer macht deutlich: „Die früher vorherrschende Gülleverteilung über Prallteller ist ein Auslaufmodell. Heutzutage sind exaktere Methoden mit Schleppschläuchen oder Schlitzschuhen Standard, die zugleich die Nährstoffe für die Pflanze besser verfügbar machen. Moderne Technik mit Reifenregeldruckanlagen sorgen zudem dafür, dass die Belastung für die Böden trotz größer gewordener Traktoren gesunken ist.“