Energiewende scheitert an fehlenden Fachkräften im Handwerk / Handwerkskammerpräsident Krautscheid fordert deutliche Steuerentlastung für Fachkräfte im Handwerk

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Koblenz (ots) –

Die Folgen des Fachkräftemangels werden immer noch unterschätzt. „Geht es so weiter wie bisher, dann scheitern in Deutschland sowohl die Energiewende als auch die Pläne zur Klimaneutralität schon daran, dass sie niemand umsetzen kann“, sagte Kurt Krautscheid, Präsident der Handwerkskammer Koblenz. Alle bisherigen Pläne, das Angebot an gut ausgebildeten Handwerkern zu erhöhen, reichten nicht aus, um den drohenden Stillstand bei der Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft zu verhindern. „Wir haben schon viele Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Was wir aber weiterhin brauchen, ist ein mutiges, starkes steuerpolitisches Signal, das vor allem die Arbeit im Handwerk spürbar entlastet.“ Das von Bundesfinanzminister Lindner für das Frühjahr angekündigte Steuer- und Konjunkturpaket sei dafür die richtige Gelegenheit.

Unbürokratische Maßnahmen mit hoher Reichweite wie eine allgemeine Steuerbefreiung für die ersten drei Berufsjahre nach der Ausbildung seien besonders sinnvoll. „Die USA haben uns mit dem Inflation Reduction Act vorgemacht, wie man auch ohne komplizierte Programme wirkungsvoll steuerlich fördern kann. Das ist der richtige Gedanke, um Ausbildung und Arbeit im Handwerk wieder attraktiver zu machen,“ betonte Krautscheid. Steuerentlastungen für Mehrarbeit, für ältere Arbeitnehmer, den Wechsel von Teilzeit in Vollzeit oder die Rückkehr in den Beruf nach der Elternzeit könnten den entscheidenden Impuls setzen, gerade um die Potenziale bei Älteren und Frauen zu heben.

„Wir haben immer noch nicht alles ausgeschöpft, was getan werden kann, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Die Steuerpolitik muss jetzt dringend dazukommen.“ Finanzielle Spielräume dafür gebe es offensichtlich, da sich jetzt schon abzeichne, dass die Mittel für die Strom- und Gaspreisebremse nicht im geplanten Umfang gebraucht würden. Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz sei zwar richtig, aber die Hoffnungen, damit die Lücke zu schließen, sei illusorisch. „Wir müssen hierzulande viel mehr tun und den Mut zu plakativen steuerlichen Maßnahmen haben. Das Signal würde jeder sofort verstehen: unsere Gesellschaft schätzt die Handwerksberufe ganz besonders.“

Es sei paradox: je mehr Investitions- und Förderprogramme für den Klimaschutz aufgelegt würden, desto größer werde das Umsetzungsdefizit, das allein durch fehlende Fachkräfte entsteht. Die aktuelle Nachfrage nach Klimahandwerkern sei allein im Kammerbezirk Koblenz enorm hoch. Als Beispiel nannte Krautscheid die Anlagenmechaniker für Sanitär- Heizungs- und Klimatechniker. „Wenn wir jetzt nicht noch konsequenter gegen den Fachkräftemangel vorgehen, stehen wir schon ab 2025 vor einem Scherbenhaufen.“ Dann nämlich sinke insgesamt die Zahl der Erwerbspersonen in Deutschland aufgrund der demografischen Entwicklung erneut.

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Quelle: ots