Erneuerbare Energien bleiben trotz geplanter Gewinnabschöpfung wirtschaftlich profitabel, aber Verunsicherung des Markts könnte den weiteren Ausbau bremsen (+Webinar am Freitag, 18.11.2022)

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Berlin (ots) –

– Studie von Aurora Energy Research zu Auswirkungen der von der Bundesregierung geplanten befristeten Gewinnabschöpfung bei Stromerzeugern
– Langfristige Wirtschaftlichkeit von Erneuerbare-Energien-Anlagen ist trotz Abschöpfung gegeben, Profitabilität bleibt erhalten
– Verunsicherung der Marktteilnehmer ist größeres Risiko: Zurückhaltung bei Investoren könnte Erneuerbaren-Ausbau weiter bremsen
– Um Planungssicherheit wiederherzustellen, muss die Politik schnell Klarheit über zukünftige Regelungen und Reform des Strommarktdesigns schaffen
– Kostenloses öffentliches Webinar zu den Studienergebnissen: Freitag, 18. November 2022, 11:00 Uhr; Anmeldung hier (https://auroraenergyresearch.webex.com/mw3300/mywebex/default.do?nomenu=true&siteurl=auroraenergyresearch&service=6&rnd=0.13889455968114217&main_url=https%3A%2F%2Fauroraenergyresearch.webex.com%2Fec3300%2Feventcenter%2Fevent%2FeventAction.do%3FtheAction%3Ddetail%26%26%26EMK%3D4832534b0000000568fc7c421295f8c35d1453845091c76587e95acb58e300014dd871c458e54c93%26siteurl%3Dauroraenergyresearch%26confViewID%3D243748561719663682%26encryptTicket%3DSDJTSwAAAAUEgYa_ltfs8TMfpvlRtapi9qT7DW1-DwE_1uq05oZ64g2%26)

Die geplante Abschöpfung von Übergewinnen bei Stromerzeugern bewirkt kurzfristig erhebliche Einnahmenverluste für Erneuerbare-Energien-Betreiber. Allerdings sorgen die zeitliche Befristung und moderate Obergrenzen dafür, dass die Auswirkungen auf die langfristige Wirtschaftlichkeit überschaubar sind und die Anlagen weiterhin profitabel bleiben. Kritischer als der unmittelbare Einfluss auf die Renditen sind der Vertrauensverlust und die Unsicherheit, die der Eingriff in den Strommarkt verursacht. Daher sollte die Politik auf EU- und nationaler Ebene möglichst schnell Klarheit über das zukünftige Strommarktdesign schaffen. Zu diesem Ergebnis kommendie Energiemarktexperten von Aurora Energy Research in einer Analyse der Pläne der Bundesregierung.

Ein in der vergangenen Woche öffentlich gewordenes Konzept des Wirtschafts- und Klimaministeriums sieht vor, Zufallsgewinne von Stromerzeugern abzuschöpfen und damit Entlastungen für Endverbraucher und Unternehmen zu finanzieren, die unter den deutlich gestiegenen Energiepreisen leiden. Betreiber von Erneuerbaren-Anlagen sowie Atom- und Braunkohle-Kraftwerken sollen voraussichtlich von Dezember 2022 bis Juni 2023 verpflichtet werden, Gewinne am Spotmarkt, sofern sie gesetzlich festgelegte Grenzen überschreiten, zu 90 Prozent an den Staat abzuführen. Für Strom, der nicht am Spotmarkt, sondern an Terminmärkten oder über Direktabnahmeverträge (z.B. PPAs) vermarket wird, sind eigene Regelungen zur Abschöpfung vorgesehen. Aurora Energy Research hat auf Basis der bisher bekannten Pläne analysiert, wie sich dies auf die Einnahmen und die Rentabilität der Anlagen auswirkt.

„Unsere Berechnungen zeigen, dass die Gewinnabschöpfung auf den ersten Blick einen erheblichen Einschnitt in die Einnahmen von Erneuerbaren-Betreibern bedeutet“, sagt Lars Jerrentrup, Hauptautor der Studie. Die Einbußen betragen zwischen 32 und 55 Prozent, wobei (per Marktprämie) subventionierte Anlagen wegen schärferer Obergrenzen deutlich stärker betroffen sind als nicht-subventionierte, und Photovoltaik-Anlagen stärker als Windkraftanlagen (Photovoltaik: subventioniert -55%, nicht subventioniert -36%, Windkraft (onshore): subventioniert -45%, nicht subventioniert -32%). „Auf die langfristige Wirtschaftlichkeit der Anlagen, ob subventioniert oder nicht, hat dies allerdings kaum Auswirkungen“, betont Jerrentrup: „Zum einen ist der Zeitraum, in dem die Abschöpfung wirksam wird, überschaubar kurz, zum anderen sind die Obergrenzen so angesetzt und mit Sicherheitsmargen versehen, dass die Anlagen weiterhin profitabel bleiben.“

Wie die Berechnungen von Aurora zeigen, sorgen die hohen Strompreise dafür, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland erstmals im großen Stil ohne Subventionen rentabel ist. Selbst mit der Abschöpfung von Gewinnen in den kommenden sieben Monaten erzielen die Anlagen auf die gesamte Lebenszeit gesehen so hohe Renditen wie noch nie und wären auch ohne Förderung profitabel. Auch für Atom- und Braunkohlekraftwerke hat die Gewinnabschöpfung nur moderate Folgen. Denn viele dieser Kraftwerke können überhaupt nur deshalb mehr Einnahmen generieren, weil ihre Laufzeiten politisch gewollt verlängert wurden, um den Gasbedarf für die Stromerzeugung zu reduzieren. Die so ermöglichten, unerwarteten Zusatzgewinne der Betreiber werden durch die Abschöpfung lediglich begrenzt.

Gewinnabschöpfung kann positiv wirken, birgt aber auch Risiken

Angesichts der Größenordnung der Übergewinne halten die Studienautoren es somit für wirtschaftlich zumutbar, wenn die Kraftwerksbetreiber einen Teil davon abgeben müssen, auch als Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung. „Abgesehen davon sehen wir in dem Thema aber auch eine Chance für die Erneuerbaren Energien“, sagt Kornelia Stycz, Projektleiterin bei Aurora Energy Research: „Bisher wurden sie häufig als Preistreiber geschmäht, und die auf den Stromrechnungen ausgewiesene EEG-Umlage bestärkte die Kritiker in dieser Ansicht. Jetzt dagegen sehen die Verbraucher, dass sie von den günstigen Erneuerbaren profitieren. Damit könnte in Zukunft auch die Akzeptanz von Projekten steigen, was vor allem bei der Windenergie dringend notwendig wäre, um die nationalen Ausbauziele zu erreichen.“

Allerdings ist die Gewinnabschöpfung auch ein massiver Eingriff in den Strommarkt und führt zu einem Vertrauensverlust bei den Beteiligten – zumal derzeit offen ist, ob die Maßnahme unter Umständen verlängert wird. Die Unwägbarkeiten treffen auf einen Markt, der bereits durch die anhaltende Volatilität der Strom- und Gaspreise, aber auch durch Pläne der EU-Kommission für eine grundlegende Reform des Strommarktdesigns verunsichert ist. „Diese Gemengelage könnte sich langfristig negativ auf die Risiko-Einschätzung von Investoren und damit auf die Finanzierungsbereitschaft auswirken“, warnt Stycz. „Dabei wäre gerade jetzt ein deutlich beschleunigter Ausbau der Erneuerbaren nötig, um die Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten zu reduzieren und die Dekarbonisierung voranzubringen.“ Um das verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen, sehen die Aurora-Experten deshalb die Politik auf europäischer und nationaler Ebene in der Pflicht: Sie sollte möglichst schnell klare und verlässliche Regelungen zu den zukünftigen Spielregeln im Strommarkt schaffen.

Details und weitere Ergebnisse der Analyse zu den Auswirkungen der Gewinnabschöpfung im deutschen Strommarkt erfahren Sie in einem kostenlosen öffentlichen Webinar am Freitag, 18. November 2022, 11:00-11:30 Uhr (in englischer Sprache). Anmeldung hier.

Über Aurora Energy Research

Aurora Energy Research ist ein Spezialist für Analysen und Modellierungen der europäischen und globalen Energiemärkte. Gegründet 2013 von Ökonomen an der Universität Oxford, um dem steigenden Bedarf an hochwertigen Daten und Fakten zum Energiemarkt zu begegnen, sind wir mittlerweile unter anderem der größte Anbieter von Strommarktanalysen in Europa. Mit mehr als 300 Energieexperten sowie aktuell acht Büros in den wichtigsten EU-Ländern, Großbritannien, USA und Australien unterstützen wir Unternehmen, Regierungen und Institutionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette bei langfristigen strategischen Entscheidungen. Weitere Informationen finden Sie unter www.auroraer.com/

Pressekontakt:
Matthias Hopfmüller
Tel.: +49 176 48864196
E-Mail: [email protected]
Original-Content von: Aurora Energy Research, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots