POL-DO: Rückblick auf zehn Jahre „Crashkurs NRW“: Die Realität zu erfahren ist hart und der Tod ist keine Panne

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Dortmund (ots) –

Lfd. Nr.: 1230

Das Jahr 2012 war für den „Crashkurs NRW“ in Dortmund die Premiere – seitdem besuchten mehr als 36.000 Schülerinnen und Schüler die inzwischen 124 Aufführungen in Dortmund und Lünen. Fotos, Filme und die Berichte der Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne des Fritz-Henßler-Hauses informierten auch am Dienstag (8.11.2022) über die harte Realität nach einem schweren Verkehrsunfall. Diese Berichte gehen unter die Haut. Sie lassen niemanden kalt. Sie sprechen die Gefühle der Jugendlichen im Publikum an und sind nicht leicht auszuhalten.

„Zu hohes Tempo, zu geringer Abstand, Alkohol- und Drogenkonsum, kein Sicherheitsgurt. Das sind die Killer für die 18- bis 24-jährigen Fahrerinnen und Fahrer. Diese müssen wir erreichen, um solche Verkehrsunfälle zu verhindern – und der Crashkurs ist das beste Format dafür, wie wir solch persönliche Schicksale verhindern können“, sagte Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange am Dienstag vor Medien bei einem Rückblick auf zehn Crashkurs-Jahre. Er dankte dem Crashkurs-Team für eine sehr engagierte Arbeit.

Zehn Jahre Crashkurs – das ist eine zehnjährige Erfolgsgeschichte. Denn Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Notfallseelsorge und Betroffene von schweren Verkehrsunfällen und Angehörige von Verstorbenen konfrontieren die junge Zielgruppe in 60 Minuten mit schweren Schicksalsschlägen, die vermeidbar gewesen wären, denn für Verkehrsunfälle gibt es immer eine meist menschliche Ursache. Die Rückmeldungen aus den Schulen sind durchweg positiv (was der intensiven Vor- und Nachbereitung in den Schulen zu verdanken ist). Zu spüren ist jedoch auch tiefe Betroffenheit, weil Worte und Bilder die Herzen treffen.

Die Lehrerkollegien und die Schulsozialarbeit arbeiten mit einem mit wissenschaftlicher Expertise erstellten Modulhandbuch der Universität Köln und stellen fächerübergreifend Aspekte wie Physik und andere Themen in den Vordergrund, um die risikoreichen Jahre der 18- bis 24-Jährigen so vorzubereiten, dass es erst gar nicht zu einem Verkehrsunfall kommt, weil das Bewusstsein und die Sinne geschärft sind.

Bringt das was? „Wenn wir mit dem Crashkurs nur ein Leben retten, dann reicht das schon“, sagt dazu Crashkurs-Darsteller Arndt Pfaff, der vor vielen Jahren im Einsatz für das Deutsche Rote Kreuz auf dem Weg zu einem schweren Unfall auf einer Landstraße bei Selm war. Der Crashkurs-Darsteller erlebte als ausgebildeter Rettungsdienstler den Tod seines jüngeren Bruders.

„Prävention ist nur schwer messbar“, sagt dazu auch Polizeihauptkommissarin Sarah Emde aus dem Crashkurs-Team der Polizei, „wenn wir nur diesen einen Verkehrsunfall mit tödlichen Folgen verhindern konnten, dann haben sich die zehn Jahre gelohnt.“ Die Polizeihauptkommissarin moderierte den Crashkurs am Dienstag.

„Der Führerschein bedeutet für Jugendliche mehr Freiheit. Genau da setzen wir an, denn für Jugendliche ist ein schrecklicher Unfall ganz weit weg. Wir führen jedoch ungeschminkt vor Augen, dass eine falsche Entscheidung und dass ein Regelverstoß ein Leben verändern können. Ich stehe da nicht nur in meiner Uniform, sondern auch als Mensch und als Mutter“, erklärte Sarah Emde.

„Dieses Präventionskonzept ist anders als andere Konzepte, denn es schafft Betroffenheit durch Emotionen und es arbeitet mit Respekt – Respekt auch gegenüber denen, die an einem Einsatzort helfen“, sagte bei dem Medientermin die Schulsozialarbeiterin Steffi Krause vom Robert-Schumann-Berufskolleg in Dortmund.

Die Schülerinnen und Schüler, die am Dienstag den Crashkurs sahen, reagierten unterschiedlich. Es gab Szenenapplaus nach den Beiträgen der Darstellerinnen und Darsteller, einige Schülerinnen und Schüler verließen den Saal. Eine Jugendliche sagte, dass es hart gewesen sei. Ein Mitschüler meinte: „Message received“ – also „Nachricht angekommen.“

Der Crashkurs soll zum Nachdenken anregen. Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst und die zivilen Darsteller erzählen ihre Geschichten und sie lassen nichts weg.

Der zivile Darsteller Arndt Pfaff sagte auch diesen Satz: „Der Tod ist keine Panne.“

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Quelle: ots