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Westfälischer Botschafter der Verkehrssicherheit

DSC09348Heute ist es nun auch für Udo Weiss (61) der Weg in den wohlverdienten Ruhestand gekommen. In seinem Leben hat der Schutz der Bürgerinnen und Bürger immer die größte Priorität eingenommen. 45 Jahre Polizeiarbeit haben natürlich auch Spuren hinterlassen, eigentlich aber nur positive. Denn der leitende Polizeidirektor Udo Weiss hat, wie kaum ein Anderer, in seiner Heimat die Unfallzahlen gesenkt und im Verbund mit der Ordnungspartnerschaft Münster für erheblich mehr Sicherheit in der unfallträchtigen Fahrradstadt gesorgt.

DSC024661Unzähligen Schülerinnen und Schülern gab der erfahrene Verkehrsstratege oft schockierende aber wahre Erlebnisse aus seinem Berufsleben weiter, und mahnte zusammen mit Kollegen und Medizinern vor den Gefahren von Selbstüberschätzung und Unachtsamkeit im Verkehr. Er ist unumstritten der westfälische Botschafter für nachhaltige Verkehrssicherheit.

Weiss ist auch in weiten Teilen der Welt ein gerngesehener und respektierter Referendar wenn es um die Verkehrssicherheit geht. Die Auszeichnungen aus allen Teilen der Welt verschwinden jetzt nach und nach aus seinem DSC00758Büro in den Umzugskartons des Ruhestands.

Während er viele liebgewonnene Geschenke von anderen Polizeibehörden der Welt in die Kartons verstaut, bleibt sein Blick oft länger, mit Wehmutstropfen, an dem einen oder anderen Stück hängen. Und zu fast jedem Teil gibt es eine spannende Geschichte, die er gern und mit glänzenden Augen erzählt, wie die Geschichte als er zum Kosaken ernannt wurde, nachdem er über die Historie des Kosakenpferdes berichtete.

_J4A1856Zu den unschönsten Momenten seiner Dienstzeit gehörte es auch Todesnachrichten an Angehörige zu überbringen. Diese Aufgabe gehört eigentlich zu den schrecklichsten Dingen, die ein Polizist im Berufsalltag meistern muss. Weiss überbrachte oft nicht nur die traurigen Nachrichten, er hatte als Leiter der Direktion Verkehr und Verkehrsexperte in der Regel auch alle schrecklichen Unfallorte selbst gesehen.

Und wenn dann Angehörige nach einem Verkehrsunfall mit Todesfolge nach den Gründen fragen und sie als Antwort bekommen, „Es war ein Handy im Spiel“, und diese Angehörigen dann erklären, sie hätten es erst vor kurzem an das Unfallopfer verschenkt – Diese Bilder bleiben immer im Kopf, genau wie Kinder, _J4A1896die als Opfer niemals wieder nach Hause kommen.

Weiss, der für die Sicherheit der Mitmenschen oft seine Belastungsgrenze im Dienst der Sicherheit in den Schatten stellte, hat sich in den vielen Jahren nicht nur Freunde gemacht. Oft verstanden Verkehrsteilnehmer die durch ihn verhängten Maßnahmen als persönliche Repression oder Abzockerei durch die Polizei. Doch Weiss lebt lieber mit einem negativen Image, als mit Verletzten oder gar Toten.

_J4A1878Und zuletzt haben selbst die größten Gegner eingesehen, was unbeirrbare und nachhaltige Präventionsarbeit vollbringt. Münster ist mit Sicherheit kein sicheres Pflaster was die Gefahr im Straßenverkehr betrifft, aber mit den deutlich gestiegenen Verkehrszahlen um einiges sicherer, als es vor seiner Zeit war.

In unserem Gespräch mit Udo Weiss gab es mehr als zwei Stunden gebündelten DSC01266-1024x576Gesprächsstoff für viele interessante Geschichten aus seinem Leben, doch diese Geschichten würden den Rahmen dieses Artikels bei weitem sprengen. Was bleibt ist sein Vermächtnis des Erfolges und die Gewissheit vieler Leben, die auch durch seine Arbeit von schlimmen Unfällen verschont wurden.

Zwei Legenden gehen heute in den Ruhestand.

Zwei Legenden gehen heute in den Ruhestand.

In Zukunft wird er sich weiterhin um seine Lebensaufgabe Verkehrssicherheit und Unfallprävention kümmern. Auch seinem Hobby, dem Mannschaftsrudern wird er mehr Zeit widmen. „Dieser präzise Sport ist eine Erholung für die Seele“, schwärmt er zum Abschied.

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