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Organspendegesetz: Die Entscheidung!

 Die Zahl der Organspender in Deutschland ist im vergangenen Jahr erneut  zurückgegangen. Dies teilte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), im Januar 2020 mit. Im vergangenen Jahr gab es nach DSO-Angaben in Deutschland nur 932 Menschen, die Organe gespendet haben. So bleibt Deutschland weiterhin das Schlusslicht mit 11,2 % Spendern im europäischen Vergleich.

Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Ungarn und Slowenien sind die acht Länder, die gemeinsam die Spender-Kooperation Eurotransplant (ET) als Vermittlerstelle ermöglichen.

Bei einer Umfrage des Ärzteblattes unter 134.330  Leserinnen und Lesern gaben 26,6% der befragten Einwohner an, bereits über einen Organspendenausweis zu verfügen. 25,8 % konnten sich mit dem Gedanken in keinem Fall anfreunden.14,1 % haben es geplant und 12,8 % der befragten Leserinnen und Leser  tendieren ebenfalls zum „JA“. Dagegen stehen 11,8 %, die eher zu einem „Nein“ tendieren. Die Unentschlossenen belegen mit nur 8,9 % den letzten Platz..

Das Tabu durchbrechen
Das Thema der eigenen Sterblichkeit ist für viele von uns immer noch ein absolutes Tabu, obwohl mithilfe der neuen Medien und Informationssysteme die erforderlichen Informationen, jederzeit zum Greifen nah sind. Wir müssen endlich aus der Schutzhülle unserer eigenen Selbstherrlichkeit austreten und der realen Wirklichkeit mutig ins Auge blicken. Denn Leben ist eine von Anfang an unbestimmte Zeitspanne und endet bekanntlich mit dem eigenen Ableben – Ob Egoist oder nicht, niemand kann sich von den lebens- begleitenden Umständen befreien und lossagen. Und wenn für viele Menschen das Leben endet, können wir mit unseren großzügigen Spenden von Organen, dem Leben anderer Menschen eine glückliche Zukunft ermöglichen. Und wer Angst vor der Ewigkeit seiner Entscheidung hat, kann bei guten Gesetzentwürfen, jederzeit von seinem  Widerrufsrecht Gebrauch machen.

Dr. Jens Baas, Vorsitzender des Vorstands der Techniker Krankenkasse (TK): “Die Bereitschaft der Menschen Organe zu spenden, ist generell da. Durch meine Tätigkeit als Arzt in der Transplantations-Chirurgie kann ich aber auch sagen: Die Abläufe und Bedingungen in den Krankenhäusern müssen stimmen”, so Baas. “Das neue Gesetz von Jens Spahn zur Stärkung der Krankenhäuser, ist ein wichtiger Schritt, Leben zu retten. Die Krankenhäuser bekommen jetzt mehr Zeit und Geld, um notwendige Strukturen in ihren Häusern zu schaffen.”

Ethische Debatte ohne Fraktionszwang
Doch der Politik reicht die aktuelle Gesetzgebung nicht aus. Um die Bereitschaft der Menschen für eine Organspende zu steigern, gibt es zwei Gesetzesinitiativen. Da es sich um ein grundlegend ethisches Thema handelt, ist der Fraktionszwang aufgehoben. 

Bereits seit letztem Jahr wirbt Gesundheitsminister Jens Spahn für die sogenannte doppelte Widerspruchslösung. Demnach ist jeder Bundesbürger automatisch nach seinem Tod Spender, wenn er oder seine Angehörigen nicht aktiv widersprechen. Eine andere Gruppe setzt sich hingegen für eine verbindliche wiederkehrende Abfrage in den Bürgerämtern ein, zum Beispiel bei Beantragung eines neuen Ausweises. Wer sich nicht entscheiden will, muss es auch nicht.

Organspenderegister: Digitalisierung sorgt für Transparenz
Baas: “Die Entscheidung zur Organspende ist sehr persönlich. Daher müssen die Vorschläge gesamtgesellschaftlich diskutiert werden. Wichtig ist, dass sich jeder Mensch aktiv mit dem Thema Organspende auseinandersetzt, eine Entscheidung trifft und diese auch dokumentiert.”

Bekannt ist heute vor allem die Dokumentation über einen Organspendeausweis. Die Reformpläne sehen, wie in anderen europäischen Ländern auch, ein zentrales Register vor, in dem die Entscheidung dokumentiert wird. “Ein zentrales Register ist ein Schritt in die richtige Richtung. Nicht jeder hat seinen Organspendeausweis immer dabei”, so Baas. “Langfristig macht es Sinn, die Entscheidung ‘Ja oder Nein’ in der elektronischen Patientenakte zu hinterlegen. So hat jeder Hoheit über seine Daten und kann die Entscheidung jederzeit individuell anpassen, ohne großen bürokratischen Aufwand.”

Wie dem auch sei, der Bundestag stimmt nun am heutigen Donnerstag über die drei überfraktionell eingebrachte Gesetzesentwürfe ab, welche die Bundesregierung auffordern, dass Organspendemodell in Deutschland zu reformieren. Die Abgeordneten entscheiden über die Einführung einer  Zustimmungslösung,Vertrauenslösung oder Widerspruchslösung.

 

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