Gefährliche Pyros. (C) by André Auf der Landwehr Münster Journal

Pyros – Wenn ein Leben auf dem Spiel steht

Vorfälle in Duisburg haben schon einmal die Veranstaltungswelt verändert. Dabei sind Pyros leider viel zu oft auch in unseren Regionen in Gebrauch. Wieder einmal ein Preußenspiel und glücklicherweise mussten nur zwei Kinder mit massiven Schocks ärztlich behandelt werden. Glücklicherweise? Auch viele Zuschauer flüchteten unterhalb der Preußen-Fankurve vor dem massiven Funkenregen in Duisburg.

Pyros, die umgangssprachlich auch als “Bengalos” bezeichneten Seenotrettungsfackeln dienen eigentlich der Signalgebung bei Schiffsunfällen. Doch immer mehr werden sie unerlaubt in Fußballstadien gezündet. Ein harmloser Scherz oder doch extrem Brandgefährlich ?

Um es einmal genau zu beleuchten gehen wir zu den Fachleuten auf die Fachmesse für Polizei und Feuerwehr, der Ipomex.
Eindrucksvoll bekommen wir hier gezeigt, dass sich die hochgefährlichen Fackeln weder mit Wasser noch mit Sand löschen lassen. Auf dem Testgelände wurde eine brennende Fackel in einen wassergefüllten Stahlzylinder, der sich wiederum in einem mit Wasser gefüllten Eimer befand, getaucht. Die Fackel brannte noch einige Minuten weiter. Wenn sie brennen, brennen sie, es sei denn, jemand hat einen speziellen Stickstofflöscher zur Hand und den hat noch nicht einmal die Feuerwehr, im Einsatzfall, dabei.

Die extremen Gefahren von bengalischen Fackeln und Rauchkörpern werden oft sehr unterschätzt. Denn im Rauch befinden sich viele hochgiftige Stoffe, deren Zusammensetzung je nach Brennsatz unterschiedlich ist. Durch die unterschiedlichen Zusammensetzungen sind diese Stoffe auf toxische Wirkungen beim Menschen nicht getestet worden. Welche Langzeitschäden durch das Einatmen auftreten ist bislang noch unklar.

Gefährliche Pyros. (C) by André Auf der Landwehr Münster Journal

Gefährliche Pyros.

Ein T-Shirt, das nur wenig Sekunden ohne direkten Kontakt, neben einem brennenden Pyro gelegen hat, ist vergleichbar mit unseren Lungen, die den austretenden Farbrauch der Fackeln inhalieren. Wie viel Farbbestandteile tatsächlich inhaliert werden, ist unklar, aber der Farbfleck, der auf dem weißen T-Shirt zu sehen ist, spricht Bände. Diese Partikel lassen sich nicht mehr vom Textil trennen. Was in unseren Lungen passiert ist aus medizinischer Sicht noch nicht geklärt. Gesund wird es auf jeden Fall nicht sein.


Aber auch die Hitzewirkung hat auf den Menschen keinen guten Einfluss. Denn die pyrotechnischen Brennsätze produzieren Temperaturen von bis zu 2.500°C. Selbst wenn eine Fackel abgebrannt wurde, kann die Fackelspitze noch minutenlang bis zu 1000 Grad heiß sein. Berührt eine brennende Fackel die Kleidung von Personen in der direkten Umgebung, bleibt keine Chance ohne Verletzung davonzukommen,

denn sogar die extrem robusten Feuerwehrjacken werden ohne Widerstand direkt, wie mit einem Schweißbrenner, in weniger als einer Sekunde total durchgebrannt.

Da können wir eigentlich nur von glücklichen Zufällen sprechen, wenn in der Vergangenheit nicht mehr verletzte oder gar tote Personen durch Pyros zu beklagen waren. Wir müssen uns über eine Sache im Klaren sein, Pyros sind lebensgefährlich und nicht zu kontrollieren, nicht einmal für die Feuerexperten. Und das Abbrennen dieser Feuer, inmitten von Menschenmengen, ist mit Sicherheit alles andere als ein mutiger Spaß oder ein harmloses Kavaliersdelikt.

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